Endstation unvergesslich by art.TM - HTML preview

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Wer ist Sarabina

Jamuto?

Die geheimnisvolle, 20-jährige Studentin Sarabina kommt aus einer kleinen Stadt namens Merka, in der Nähe von Mogadischu, in Somalia. Sie hat bezaubernde braune Augen wie ihre Mutter, Jasmin Jamuto. Um in Form zu bleiben, joggt sie täglich. Schon als Kind lernte sie von ihrem großen Bruder das Schwimmen im Indischen Ozean. Am liebsten schwimmt sie auf dem Rücken. Weil sie beim Brust- oder Kraulschwimmen immer so viel Salzwasser

schlucken

muss.

Was

sie

verständlicherweise überhaupt nicht mag. Ihre Liebe zum Sport erkennt man deutlich an ihrer tollen Figur, was alle Neidischen anspornt, es ihr nachzutun.

Sie hat zwei Geschwister, den 22-jährigen Tobi und die 18-jährige Dorin. Ihre Eltern besitzen eine kleine

Bananenplantage,

die

sie

selbst

bewirtschaften. Ihr Vater, Sambo Jamuto, hat das Grundstück von dem Großgrundbesitzer Philipp Rockenborg, für den er jahrelang gearbeitet hat, 50

günstig erworben. Die Rockenborgs haben auf ihren Ländereien riesige Bananenplantagen und beschäftigen

eine

große

Anzahl

von

Arbeiter:innen.

Die Familie Jamuto hat ihre Plantage schon seit 15

Jahren. Durch den Verkauf der Bananen an die Großhändler erhalten die Jumotos genügend Geld, um über die Runden zu kommen.

Vor 10 Jahren herrschte in ihrer Region eine Dürrekatastrophe. Die Brunnen gaben nahezu kein Wasser mehr her. Die Mengen reichten gerade noch aus, um den Bedarf für das tägliche Leben zu decken. Die Bananenstauden benötigten aber eine große Menge an Wasser. Bislang trugen die Familienmitglieder in Eimern das Wasser vom Brunnen zu den Pflanzen. Das ging jetzt nicht mehr. Ihr Vater war in einer verzweifelten Lage.

Hätte er genügend Geld gehabt, dann wäre von ihm in der Vergangenheit ein unterirdischer Wasserspeicher angelegt worden. Alles Jammern nützte nichts, die momentanen Fakten zählten und die hießen: Die Pflanzen würden höchstens noch 7

Tage ohne Wasser auskommen. Wie lange die Dürreperiode andauern würde, wusste niemand vorherzusagen. Beim Abendessen, als alle zusammen saßen, sprach Herr Jamuto zu seiner Familie:

»Seit 8 Tagen geben die Brunnen kaum noch Wasser. Wir haben nicht genug, um die Bananenstauden zu bewässern. Wir müssen uns 51

etwas einfallen lassen. Herr Rockenborg, mein früherer Arbeitgeber, hat keine Probleme, er hat ein Bewässerungssystem. Das brauchen wir auch.«

Der Großgrundbesitzer besaß eine Meerwasser-Entsalzungsanlage. Dort wurde Süßwasser für die Bewässerung der Pflanzen gewonnen. Von der Anlage aus wurde über ein Bewässerungssystem das Wasser zu den Bananenstauden geleitet. Herr Jamuto beschloss, bei Philipp Rockenborg vorzusprechen, ob er Wasser für seine Stauden haben könnte.

Sambo fuhr am nächsten Morgen zum Haus des Plantagenbesitzers. Er betrat die Veranda und klopfte an die Tür. Der Butler erschien und fragte nach seinem Namen und Anliegen.

»Mein Name ist Jamuto, ich bin Ihr Nachbar von der südlichen Grenze und brauche dringend Wasser für meine Bananenstauden.«

»Ich werde Herrn Rockenborg informieren, dass Sie da sind und was Sie möchten. Bitte nehmen Sie solange Platz.«

Dabei zeigte er auf den runden Tisch mit den fünf Stühlen auf der Veranda. Er drehte sich um und ging ins Haus zurück. Nach fünf Minuten öffnete sich die Tür und ein etwa 190 cm großer, grauhaariger Mann um die 50 trat auf die Veranda.

Sambo stand auf, ging auf ihn zu, stellte sich vor: 52

»Die anhaltende Dürre hat meinen Brunnen austrocknen lassen, er führt nahezu kein Wasser mehr. Ich benötige es dringend für meine Pflanzen. Könnte ich von Ihnen Wasser bekommen?«

Herr Rockenborg stellte die Gegenfrage: »Wie stellen Sie sich das vor?«

»Ich würde gerne eine Wasserleitung von Ihrem Bewässerungssystem zu meinen Pflanzen legen.

Was möchten Sie dafür haben?«

»Sie können 3 m³ Wasser pro Tag bekommen. Die Leitung zu Ihrer Plantage können Sie selbst legen.

Wir können Ihnen dabei gerne behilflich sein. Als Leihgebühr für die Leitung berechne ich einmalig 500,- Dollar und für das Wasser 450,- Dollar pro Monat.«

»So viel Geld habe ich nicht. Können Sie mir das Geld ausleihen, bis ich wieder liquide bin? Ich verspreche Ihnen das Geld sofort zurückzuzahlen, nachdem ich meine Bananen verkauft habe.«

Meine liebe Kundschaft von Jamutos Bananen, leider fällt der Preis für Bananen in dieser Saison höher aus als ursprünglich geplant.

»Einverstanden. Ich berechne Ihnen einen Kreditzins von 5 % jährlich und werde einen Vertrag aufsetzen, der alle Details enthält. Alles, was Sie zum Bau der Leitung benötigen, liegt 53

hinter dem Lagerhaus. Das Werkzeug gibt Ihnen mein Verwalter.«

Sambo bedankte sich, reichte die Hand zum Abschied und ging die Verandatreppe hinab. Auf dem Weg zum Lagerhaus begegnete ihm ein Mann. Sambo fragte ihn nach dem Verwalter. Es stellte sich heraus, dass es der Gesuchte war.

Dieser führte ihn hinter das Lagerhaus und zeigte ihm die Wasserleitungen, die er haben konnte.

Was noch von Nöten war:

»Können Sie mir einen LKW zum Transportieren der Bauteile ausleihen? Ich habe nämlich keinen.«

Der Verwalter ging weg und kam ein paar Minuten später mit einem LKW zurück. Sambo krempelte die Ärmel hoch und begann mit dem Beladen. Nach einer Stunde war alles aufgeladen. Er rief nach dem Verwalter, der auch umgehend erschien.

Zusammen fuhren sie zurück zu Jamutos Plantage.

Sie luden alles ab und als Dankeschön drückte ihm Sambo 5 Dollar in die Hand.

Sambo machte sich an die Arbeit und begann, die Leitungen am Boden auszulegen. Es dauerte zwei Tage, bis das komplette Bewässerungssystem fertiggestellt war. Nun musste das Leitungsnetz noch

an

das

System

von

Rockenborg

angeschlossen werden. Nachdem dies geschehen war, wurden die Ventile geöffnet und das Wasser floss ins Leitungsnetz der Jamutos. Mit diesem Akt wurde die Plantage vor dem Austrocknen gerettet.

Den Ausdruck von Freude im Gesicht ihres Vaters, 54

an jenem denkwürdigen Augenblick, wird Sarabina nie vergessen. Er sprang in die Höhe und warf seinen Hut in die Luft. Sambo nahm seine Frau in den Arm und drückte ihr einen langen Kuss auf den Mund. Die Kinder schlossen sich dem Freudentanz an und begannen vor Glück zu schreien.

Die Dürrekatastrophe liegt nun schon lange zurück. Die Schulden für das Wasser und das Leitungsnetz sind alle bezahlt. Die Jamutos stehen nicht mehr vor dem wirtschaftlichen Ruin. Sambo erzählt gelegentlich noch davon, wenn alle abends zusammensitzen. Die Familie hat einen großen Stellenwert bei den Jamutos, der Zusammenhalt der Kinder untereinander war schon immer groß geschrieben. Wann immer die Rede von seiner Tochter Sarabina ist, dann sieht man das Gesicht des Vaters vor Stolz leuchten. Grund genug dazu hat er in jedem Fall. Zum einen hilft sie im Haushalt und auf der Plantage mit, wo immer sie kann. Zum anderen ist sie eine sehr gute Schülerin und wird von allen Lehrern gelobt. Ihre High School hat sie mit Bravour absolviert.

An dem Tag, als die Abschlusszeugnisse vom Schulrektor in einer festlichen Zeremonie überreicht wurden, war die ganze Familie Jamuto anwesend. Sarabina wurde als Letzte vom Rektor aufgerufen.

»Und nun möchte ich das Abschlusszeugnis von Sarabina

Jamuto

überreichen,

eines

der

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Jahrgangsbesten unserer Schule. Sie erhält eine Auszeichnung von unserer Schule und ein Stipendium von unserem Staat.«

Tja, lernen lohnt sich. Aber leider werden immer nur die Besten belohnt. Die anderen können sich damit trösten, dass die Besten nur die Besten nach dem Notensystem sind.

Nach

der

Ansprache

applaudieren

alle

Anwesenden. Sarabina mit ihren schwarzen, langen Haaren erhob sich von ihrem Platz und ging nach vorne zum Rednerpult wo der Rektor stand.

Er reichte ihr die Hand:

»Liebe Sarabina, ich gratuliere dir von ganzem Herzen. Wir sind alle stolz auf dich. Für deine Zukunft wünsche ich dir Alles Gute.«

Dann überreichte er ihr eine Urkunde und ein Gratulationsschreiben vom Bildungsministerium.

Die Jahrgangsbeste nahm die Urkunde entgegen und bat den Rektor ans Mikrofon treten zu dürfen.

Der machte ihr Platz und sie begann zu sprechen:

»Vielen Dank an all meine Lehrer. Ich habe sehr viel von ihnen gelernt. Sie werden immer in meiner Erinnerung und in meinem Herzen bleiben.«

Währenddessen machte ein Fotograf ein paar Bilder von Sarabina. Der Rektor ergriff noch einmal das Wort und bedankte sich bei allen Anwesenden und beendete damit die festliche Veranstaltung.

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Sarabina ging mit einem strahlenden Lächeln zurück zu ihrem Platz. Ihr Vater erhob sich, nahm seine Tochter in den Arm und drückte sie fest an sich.

»Ich bin sehr stolz auf dich.«

und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Danach umarmte Sarabina ihre Mutter die voller Stolz jubilierte:

»Mein Baby - ich liebe dich.«

Die Jamutos hatten sich in einem nahegelegenen Restaurant einen Tisch reservieren lassen. Sie waren alle in bester Laune und machten sich auf den Weg dahin. Als sie das Restaurant betraten kam ein Ober:

»Wie kann ich Ihnen behilflich sein?«

»Mein Name ist Sambo Jamuto. Ich habe einen Tisch für fünf Personen bestellt.«

Der Ober führte sie zu einem großen runden Tisch:

»Bitte nehmen Sie hier Platz.«

Danach reichte er jedem eine Speisekarte. Alle beschäftigten sich ausgiebig mit dem Studieren der Karte, bis Sambo das Wort ergriff:

»Was haltet ihr davon, wenn wir zur Feier des Tages eine Flasche Champagner bestellen?«

»Au ja, super!«

klang es einstimmig am Tisch. Sambo winkte den Ober herbei und bestellte bei ihm eine Flasche Champagner.

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Als jeder das prickelnde Vergnügen vor sich stehen hatte, erhob Sambo sein Glas:

»Meine liebe Sarabina du machst uns alle sehr glücklich. Wir gratulieren dir zu deinem Erfolg.

Auch wenn du in der Ferne studierst, wirst du immer in unserem Herzen sein. Wir lieben dich und werden dir immer zur Seite stehen. Auf dich, Sarabina!«

Dann erhoben alle ihre Gläser und stießen miteinander an. Der Abend verlief recht fröhlich, man unterhielt sich sehr angeregt, während so köstliche Speisen wie Sambusa (Rindfleisch das mit Knoblauch, Zwiebeln und verschiedenen Kräutern gewürzt wird), eine somalische Spezialität und das äthiopische Nationalgericht Doro Wot mit viel Berberé (Berberé ist ein scharfes Gewürz) serviert wurden.

Der Besuch eines Restaurants war nichts Alltägliches für die Jamutos. Für die Kinder war es der erste Champagner in ihrem Leben. Sambo und Jasmin hatten sich an ihrer Hochzeitsfeier schon einmal eine Flasche davon gegönnt. Nun, wer die afrikanische Küche kennt, der weiß, dass ein Gläschen Champagner, so zu diesem Essen gehört, wie die aufgeschäumte Milch zum Cappuccino. Für einen Festtag wie heute war dies natürlich der Höhepunkt.

Sarabina ergriff das Wort:

»Ich

habe

mich

entschlossen,

Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Schon seit 58

längerem interessiere ich mich für alles, was mit Unternehmensführung, Finanzwesen und Handel zu tun hat. Mein größter Wunsch wäre ein Auslandsstudium.«

In ihrer Schulklasse waren sie und ihr Klassenkamerad Jim die einzigen, die sich für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre entschieden.

Bis zum Studienbeginn hatten sie noch drei Monate Zeit. Das Glückskind wandte sich zu ihren Eltern:

»Können wir uns ein Auslandsstudium leisten?«

Sambo sah hinüber zu seiner Frau, sie nickte und bestätigte:

»Von uns aus kannst du gerne studieren. Doch zuvor muss geprüft werden, ob genug Geld da ist.«

Sarabina war außer sich vor Freude und umarmte ihre geliebte Mutter. Mit einem Kusswort:

»Ich danke euch von ganzem Herzen und werde mich gleich nächste Woche erkundigen, wo ein Auslandsstudium am günstigsten ist.«

Es war schon spät am Abend, als die Jamutos aufbrechen und mit ihrem Van nach Hause fuhren.

Unterwegs sangen sie noch einige Volkslieder.

In den nächsten Wochen beschaffte sich Sarabina die notwendigen Informationen bei ihren Lehrern und recherchierte in Büchern und Magazinen über Studium und Ausland. Aufgrund ihrer finanziellen Lage und dem Ruf der Universität entschied sie sich in Deutschland, an der Freien Universität 59

Berlin zu studieren. Der Semesterbeitrag sowie die Kosten für das tägliche Leben waren im Vergleich zu anderen Ländern niedrig. Die Wissbegierige bewarb sich bei dieser Universität und erhielt einige Zeit später die Zusage, dass sie zum 1.

Oktober ihr Studium aufnehmen könne. Der Einschreibetermin war am 23. September. Für den Aufenthalt in Deutschland musste sie jetzt nur noch ein Visum beantragen und ihrem Auslandsstudium stand nichts mehr im Wege.

Am letzten Wochenende vor ihrer Abreise veranstaltete sie eine Abschiedsparty und lud dazu ihre Freunde und Freundinnen ein. Ihr Vater hatte im Garten am Grillplatz ein Feuer entfacht.

Alle versammelten sich um das Feuer und waren mit Reden und Essen beschäftigt. Zu später Stunde spielte einer ihrer Freunde auf der Gitarre und ihr Bruder Tobi schlug dazu die Trommel. Die Klänge und das Singen waren weithin bis in die späte Nacht zu hören.

Dann kam der Tag des Abschieds. Sarabina fuhr mit Vater und Mutter zum Flughafen in Mogadischu. Nachdem sie eingecheckt hatte, verabschiedete sie sich von ihren Eltern. Sie umarmte ihren Vater und wünschte ihm alles Gute.

Dann schloss sie ihre Mutter in die Arme, die ihr zu Tränen gerührt mit auf den Weg gab:

»Mein Kleines pass gut auf dich auf und melde dich wenn du angekommen bist.«

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»Ja Mama, du brauchst dir keine Sorgen zu machen.«

und schaute auf ihre Uhr:

»Ich muss jetzt gehen, sonst verpasse ich das Flugzeug. Tschüsschen mit Küsschen und alles liebe.«

Die Trennung von der Heimat ist hier, aber nicht in allen Fällen, eine schmerzliche Periode, die es zu überwinden gilt. Da hilft nur Augen zu und durch.

Kann Sarabina die Herausforderungen ihrer neuen Umgebung ohne die Unterstützung ihrer Familie bewältigen?

Wird sie im Studium so erfolgreich sein wie in der Schule?

Wird sie neue Freunde finden?

Nun die Erfahrungen zeigen, dass Mädchen aus Merka eine überdurchschnittlich entwickelte Charakterstärke haben, die ihnen hilft, die schwierigsten Situationen zu meistern. Sie sind prädestiniert für Führungsaufgaben, die sowohl ein Gespür für Gerechtigkeit, als auch einen gewissen Grad an Durchsetzungsvermögen verlangen. Diesbezüglich ist das BWL-Studium genau das Richtige für Sarabina, um ihre Stärken einbringen zu können. Es bleibt spannend abzuwarten, wie sie sich in den nächsten Monaten entwickeln wird.

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