Endstation unvergesslich by art.TM - HTML preview
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Hat es zwischen Viktor
und Sarabina gefunkt?
Nach dem Essen in der Mensa verließen die beiden die Universität und verabredeten sich für den Nachmittag im Studentenwohnheim. Viktor fuhr mit dem Bus zum Hotel. Dort checkte er beim Rezeptionisten aus und machte alles klar für die sofortige Abreise. Packte alles in den Koffer, unter anderem auch ein Handtuch aus dem Hause. So verließ er das Hotel und eilte hinüber zur Bushaltestelle.
»Bin ich froh, wenn ich den Koffer nicht mehr mit mir herumschleppen muss«,
stöhnte er vor sich hin. Im Bus fragte Viktor den Busfahrer, welche Linie zur Wilhelmstraße fährt.
Der teilte ihm mit, dass er an der Schlossallee auf die 15 umsteigen müsse. Nach langer Busfahrt stieg er endlich in der Wilhelmstraße aus. Sah sich um und stellte fest, dass die ungeraden Hausnummern auf der anderen Straßenseite waren. Momentan stand er vor der 100. Es galt nun festzustellen, ob sich die nächsthöhere 62
Nummer auf der rechten oder der linken Seite befand. Für einen angehenden Studenten natürlich eine einfache Aufgabe. Um es kurz zu machen, der Schlaumeier fand nach einem kleinen Spaziergang auf der Wilhelmstraße die 144, einen 5-stöckigen Wohnblock aus den Siebziger Jahren. Ein Blick auf die Uhr ergab, dass Sarabina in 10 Minuten eintreffen würde. Er stellte sein Gepäck vor der Eingangstür ab und zog seinen Discman aus der Tasche. So verbrachte er die Zeit mit Musikhören, bis die geheimnisvolle Somalierin, voll bepackt mit zwei Koffern, am verabredeten Ort eintraf. Sie wirkte ein wenig gestresst, als sie ihr Gepäck vor ihm abstellte.
»Hey, wartest du schon lange?«
»Ja klar, schon über eine Stunde stehe ich hier.«
»Was, wie lange schon?«
»Das war doch nur ein Scherz. Hier auf der Klingel steht: Hausmeister. Am besten wir läuten mal.«
Nach ein paar Sekunden meldete sich eine Stimme über den Lautsprecher. Viktor nannte sein Anliegen, daraufhin öffnete sich die Tür und sie konnten den Vorraum des Gebäudes betreten. Das Büro des Hausmeisters lag am Ende des Flurs.
Sarabina klopfte an die Tür und öffnete sie vorsichtig. Mit einem Hallo begrüßten die beiden den Mann, der einen ziemlich beschäftigten Eindruck machte. Der am Schreibtisch Sitzende sah kurz herüber und bat um Geduld:
»Einen Augenblick, ich komme gleich.«
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Die beiden öffneten ihre Rucksäcke und holten die Mietverträge hervor. Zwischenzeitlich hatte sich der Mann von seinem Sitz erhoben und musterte sie mit zwei neugierig drein blickenden Augen.
Sarabina legte als erste los:
»Eigentlich wollen wir nur unseren Schlüssel für das Zimmer abholen.«
»Tja, ich bin mir nicht sicher, ob wir noch Platz für Sie haben.«
»Hier ist mein Mietvertrag für die 320.«
»Na dann wollen wir mal schauen, ob wir dafür auch noch die Schlüssel haben.«
Er drehte sich um und ging zurück zu seinem Schreibtisch, aus dem er ein Formular entnahm.
Neben dem Schreibtisch hing ein großes Brett an der Wand, mit allerlei Schlüsseln. Geschickt fischte er den Richtigen vom Haken.
»So, hier ist der Schlüssel und da müssen Sie noch unterschreiben. Danach schauen wir uns gemeinsam das Zimmer an.«
Dann war Viktor an der Reihe:
»Und
Sie
wollen
sicherlich
auch
Ihren
Zimmerschlüssel?«
»Nur wenn Sie noch einen für die 205 übrig haben.«
scherzte er und reichte ihm dabei seinen Mietvertrag.
»Verschenkt wird bei uns nichts. Hier wird nur geliehen.«
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Korrigierte er mit erhobenem Zeigefinger.
»So, dann können wir ja gehen. Vorne rechts ist der Aufzug. Zuerst die 205.«
Unterwegs wurden noch die Etagenduschen, die Küche und die Etagentoiletten des 2. Stockes besichtigt. Viktors Zimmer war quadratisch mit einer Grundfläche von ca. 15 m2 und wenigen Möbeln darauf.
»Bettwäsche müssen Sie sich besorgen und Ihre Wäsche können Sie im Erdgeschoß, im Wasch- und Trockenraum waschen. Die Coins für die Waschmaschine und den Trockner können Sie bei mir kaufen.«
»Ich gehe nachher Einkaufen – kommst du mit?«
wollte Viktor von Sarabina wissen.
»Ist gut, so etwa in einer halben Stunde. Ich komme bei dir vorbei.«
Daraufhin verließen die im Türrahmen stehende Sarabina und der Hausmeister Viktors Zimmer.
Die Verhältnisse im 3. Stock waren die gleichen wie die im zweiten. Nur die Farbe der Matratze war eine andere. Nachdem der Hausmeister weg war, stellte sie ihr Gepäck vor den Schrank und warf sich mit einem Freudenschrei auf die Matratze. Für einen Augenblick schloss sie die Augen und dachte an ihre Heimat. Werde ich hier so glücklich sein wie Zuhause? Bislang ist alles gut gegangen. Wenn es mit dem Studium genauso gut läuft, dann kann ich zufrieden sein.
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Mit einem Schwung sprang sie aus dem Bett und fing schon mal an, ihre Kleider in den Schrank zu räumen. Was muss ich alles einkaufen, überlegte sie. Ich benötige Bettwäsche, Waschmittel, Duschgel und etwas zu Essen. Geld war noch genug vorhanden. Sie sah auf die Uhr, in fünf Minuten war sie mit Viktor verabredet. Mit einem Blick in den Spiegel überprüfte sie ihr Aussehen.
Der Glanz in ihren Augen und das Leuchten ihrer Wangen waren unverkennbare Zeichen des glücklich seins. Die Zutaten für ein schönes Leben.
Viktor war gerade damit beschäftigt, seine Wäsche in den Schrank zu legen, als ein Klopfen ihn unterbrach.
»Wer ist da?«
Die Tür sprang auf und die strahlende Sarabina stand im Türrahmen.
»Hast du deine Einkaufsliste schon geschrieben?«
flunkerte das listige Fräulein mit einem verschmitzten Lächeln. Der gewiefte Viktor konterte voll Raffinesse:
»Nein, aber ich kann sie dir gerne diktieren.«
»Es tut mir leid, ich habe mein Schreibzeug vergessen.«
»Na, dann gehen wir eben ohne Liste«
meinte der Galante und schlüpfte in seine Jacke.
»Von mir aus können wir los. Weißt du schon wo wir die Bettwäsche einkaufen können?«
»Am besten wir fahren ins Zentrum und fragen da jemanden.«
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»Das ist eine gute Idee. Komm lass uns gehen.«
Die beiden fuhren mit dem Bus ins Zentrum und machten sich auf die Suche nach der begehrten Bettwäsche. Er entschied sich für eine schwarzweiße Bettwäsche, wohingegen Sarabina ein geblümtes Muster bevorzugte. Die restlichen Käufe waren schnell erledigt und in Anbetracht der guten Stimmung lud Viktor zu einer Cola in einem Cafe auf dem Kurfürstendamm ein.
Bei angeregter Unterhaltung, der es an einem gesunden Schuss Humor nicht mangelte, kam man sich peau a peau näher. Der Abend endete vor Sarabinas Zimmer, die Viktor, neben einem Küsschen auf die Wangen, eine gute Nacht wünschte. Als nächsten Treff hatte man sich für das Frühstück in der Küche im 2. Stock, so gegen 9 Uhr, verabredet.
Der Meister im Flirten ging auf sein Zimmer und überlegte nebenbei, wie er den morgigen Tag sinnvoll verbringen könnte. Oberste Priorität hatte das
Kennenlernen
aller
universitären
Einrichtungen, die im Studium von Nutzen sein könnten. Ein Besuch in der Bibliothek schien ratsam. Das im Militärdienst gelernte hatte das Schulwissen verdrängt. Dies galt es wieder aufzufrischen. Mit Hilfe der richtigen Bücher würde dies sicherlich schnell gelingen. Besonders sein Hunger auf deutsche Bücher war seit längerem nicht mehr gestillt worden.
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Nun ein abwechslungsreiches Leben kann nicht nur aus Lernen bestehen, nein, der Körper verlangt schließlich auch nach Gehör. Genau deshalb sollte man genug Zeit für seine Hobbys einplanen. Das war auch seine Absicht. Deshalb wollte er am morgigen Tage das Freizeit Sportangebot der Uni erkunden.
Der heutige Tag hatte mit Arbeit begonnen, gipfelte im auf du und du mit einem netten Menschen und endete in Zweisamkeit. Der scheinbar Verliebte hätte vor Freude in die Luft springen können. Jetzt muss ich unbedingt noch ein bisschen Musik hören, sagte er zu sich und schaltete den Discman an. Mit offenen Augen lag er auf dem Bett und genoss dieses gute Lebensgefühl, bis die Müdigkeit ihn allmählich in den Schlaf sinken ließ.
Der Wecker rasselte um 8 Uhr und riss ihn aus dem Schlaf. Mit müden Augen blickte er sich um. Nach ausgiebigem Gähnen begann er sich zu strecken.
Mühsam stand er auf, holte frische Unterwäsche aus dem Schrank und stapfte zum Duschraum.
Zurück kam ein frischer und gut gelaunter Viktor, bereit für alles was da kommen mag. Schließlich war einiges für diesen Tag geplant. Flink schlüpfte er in seine Kleider und machte sich dann an die Frühstücksvorbereitung. Heute gab es Brot mit Käse und dazu ein weich gekochtes Ei. Er nahm den Teller mit dem Frühstück in die eine und den Topf für das Kaffeewasser in die andere Hand.
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Sarabina würde das Kaffeepulver, den Filter und die Kanne mitbringen. In der Küche war niemand, nur ein Topf mit kochendem Wasser stand auf dem Herd. Der Hungrige stellte seine Sachen auf dem Küchentisch ab und füllte dann den Topf mit Wasser. In diesem Augenblick kam ein junger Mann mit einer Teekanne in der Hand in die Küche.
Der sah ihn und grüßte mit einem:
»Hallo, bist du neu hier?«
Dabei nahm er das heiße Wasser vom Herd und füllte es in die Teekanne.
»Ja, ich bin gestern angekommen. Gibt es heute nur Tee zum Frühstück?«
»Hat mir mein Hausarzt empfohlen. Übrigens heiße ich Landolff.«
»Hi, ich bin Viktor.«
»Im wievielten Semester bist du?«
»Ich studiere Volkswirtschaftslehre im ersten Semester - und du?«
»Ich studiere Informatik im vierten Semester. O.k.
ich muss rüber, mein Toast wartet auf mich. Man sieht sich.«
Er drehte sich um und erschrak, denn da stand plötzlich, wie aus dem Nichts, Sarabina hinter ihm.
»Huch, ich habe dich gar nicht gehört.« entfuhr es ihm.
»Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken.«
Dabei konnte sie ein Lachen nicht unterdrücken.
»Halb so schlimm.« meinte er und verließ die Küche.
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»Guten Morgen Viktor. Gut geschlafen?«
begann Sarabina und stellte währenddessen ihr Frühstück auf den Tisch.
»Ja, ausgezeichnet.«
»Ich habe Kaffee mitgebracht. Ist das Wasser schon heiß?«
»Das dauert noch ein paar Minuten.«
»Ach übrigens, was hast du heute vor?«
»Ich gehe in die Unibibliothek und leihe mir dort ein paar Bücher aus.«
»Wir könnten ja zusammen dort hingehen.«
»Ja, gerne. Hast du dir schon einen Leseausweis besorgt?«
»Nein, noch nicht. Braucht man dafür ein Passbild?«
»Also von mir wollten sie keines.«
Sarabina saß am Küchentisch und schmierte ihre Brote mit Orangenmarmelade. Übrigens war Marmelade zum Frühstück nicht selbstverständlich für sie. Auf Butter verzichtete sie, der Figur wegen, völlig.
»Willst du den Kaffee stark oder eher schwach?«
»Bärenstark.«
Danach ließ er sein Frühstücksei in das restliche, heiße Wasser plumpsen.
Der Frühstücks-Arrangeur stellte die Kaffeekanne auf den Tisch und gesellte sich dann zu Sarabina.
Sie schien heute wieder bester Laune zu sein, doch das war eigentlich nichts Besonderes für sie. Weil 70
über Intimes bislang noch nicht geredet wurde ließ es ihr keine Ruhe ihn zu fragen:
»Hast du eine Freundin?«
»Nein, aber dafür viele Freunde. Hast du einen Freund?«
»Nein, momentan habe ich keinen.«
»Dann können wir uns ja ausschließlich auf unser Studium konzentrieren.«
Zwischenzeitlich waren die fünf Minuten für das weichgekochte Ei abgelaufen und Viktor war aufgerufen, das schwimmende Ei wieder aus dem Wasser zu fischen. Mit einer Prise Salz schmeckte das Ei, wie nicht anders erwartet, sehr gut. Sein Vertrauen in deutsche Hühner war damit gestärkt.
»Was sind deine Hobbys?« fragte die Neugierige.
»Tennis, Handball und Tanzen. Hast du Lust zum Tennis spielen? Soweit ich weiß gibt es an der Uni Tennisplätze. Wir können uns ja nachher erkundigen. Und wie steht’s mit deinen Hobbys?«
»Am liebsten wäre ich ein Fisch.«
»Du meinst du isst gerne Fisch?«
»Nein, ich wollte damit sagen, dass ich eine leidenschaftliche Schwimmerin und Taucherin bin.«
»Dann wackle doch mal mit deinen Flossen.«
»Ich gebe dir gleich eins auf die Flossen!«
»Du scheinst mutig zu sein. Solche frechen Mädchen holt Abends die Katze.«
»Bei uns Zuhause werden sie vom Löwen geholt.«
»Bist du fertig mit Frühstücken?«
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»Schon lange. Ich warte nur noch auf dich.«
»Treffen
wir
uns
in
15
Minuten
am
Haupteingang?«
»Ja gut.«
Sie griff nach der Kaffeekanne und verabschiedete sich mit einem:
»Bis gleich.«
»Also bis gleich.« Und dabei packte er seine Utensilien zusammen.
Als Sarabina die Küche verließ, ging ihr allerlei durch den Kopf. Sie fand, dass Viktor ein echt sympathischer Junge war. Einer, mit dem man über alles reden konnte. Sie musste nur aufpassen, dass sie in diesem Gefühlsrausch einen klaren Kopf behielt. Sie beschloss, ihren Eltern nichts davon zu erzählen. Sie zog ihre Jeans Jacke an, schulterte den Rucksack und ging zur Bushaltestelle.
Der Bus hielt an der Universität und unsere studentische Liga stieg aus. Ihr Weg endete am Hort
aller
wissenschaftlichen
und
nichtwissenschaftlichen Medien - der Bibliothek.
Das Betreten wurde zum Ereignis. Denn ein an der Eingangstür klebendes Plakat erregte Sarabinas Aufmerksamkeit. Das lag an der originellen Art, wie dieses gestaltet war. Die magischen Blickfänger waren eine Satellitenaufnahme der Erde und ein origineller Slogan
»Ideen für eine bessere Welt«
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Initiator dieser Aktion war die UNO. Alle Menschen dieser Welt waren aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Die besten Vorschläge würden mit einem Flugticket nach New York und einer persönlichen Vorstellung der Idee, vor der UNO-Vollversammlung, prämiert. Sie fühlten sich aufgefordert, einen Beitrag zu leisten.
»Hast du dazu spontan eine Idee?« neckte die raffinierte Sarabina.
»Nein, aber mir wird sicherlich etwas dazu einfallen. Hast du schon eine Idee?«
»Macht mich zur Präsidentin der Welt und alles wird gut.«
»Was würdest du dann als erstes tun?«
»Ich würde die Ungerechtigkeit ad absurdum führen.«
»Woauhhh – Na, da hast du dir etwas vorgenommen.«
»Wieso, was würdest du tun?«
»Ich würde gegen negatives Denken kämpfen.«
»Mit welchen Mitteln?«
»Nur mit Worten. Aber darüber können wir ja später noch reden. Lass uns reingehen.«
Währenddessen öffnete er schwungvoll die Tür, die den Eintretenden mit einem leisen Ächzen begrüßte. Dagegen waren sie von der Stille dieses Raumes, die einem das Flüstern geradezu aufzwängte, so beeindruckt, als ob sie von einem medialen Geist geleitet würden.
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Viktor, der mit der Einrichtung bereits vertraut war, spielte den Tutor für Sarabina. Diese Rolle verkörperte er sehr gut. Als den Lehrer nichts mehr von seiner Schülerin unterschied, trennten sich beide und waren bald schon an den Bücherregalen ihres Fachgebietes wiedergesehen.
Wissen gab es genug zu entdecken. Doch welches der Bücher würde mich den Gelehrten dieses Faches am nächsten bringen? Nicht nur Viktor wünschte sich eine allwissende, unsichtbare Hand, die ihm die Wahl des richtigen Buches abnehmen würde. Nun, da das unsichtbare Händchen gerade nicht da war, wurde durch das Querlesen des Kontexts, Blättern durch den Index und das Inhaltsverzeichnis die Wahl getroffen.
Der Gestresste hatte Lust auf eine Tasse Kaffee und ging zu Sarabina, um sie diesbezüglich zu stimulieren. Wie nicht anders erwartet, ließ sie sich auf ein Tässchen überreden. Nachdem die Bücher pflichtgemäß ausgeliehen und im Rucksack verstaut waren, dauerte es nicht mehr lange und man saß genüsslich vor einer Tasse frisch aufgebrühten Kaffees.
»Hast du die richtigen Bücher gefunden?« wollte Sarabina wissen
»Das kann ich dir erst sagen wenn ich sie gelesen habe.«
»Hast du Lust auf ein Brainstorming für diesen Ideenwettbewerb?«
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»Lust ja, aber ich kann mir nicht vorstellen das mir etwas gutes dazu einfällt.«
»Sei kein Spielverderber und mach mit. Ich gebe dir etwas vor und du sagst was dir dazu einfällt und nachher machen wir es umgekehrt.«
»Na, worauf wartest du noch, schieß los.«
»Negatives Denken.«
»Alle Informationen die negatives Denken gegenüber anderen Menschen beinhalten müssen vernichtet werden.«
»Langsam, langsam, ich kann nicht so schnell schreiben. Und wie steht es mit den Tieren und Pflanzen?«
»Die gehören natürlich mit dazu.«
»Nenne mir mal ein Beispiel dafür.«
»Die Tiere und Pflanzen sollten nicht der Geltungssucht von Menschen dienen, sondern nur zur Befriedigung von Grundbedürfnissen.«
»Das sind doch nur Überschriften, das ist doch kein Beispiel.«
»Sei doch nicht so ungeduldig. Also zum Beispiel: Tiere die wegen ihres Pelzes gejagt werden, dürfen erst ab einem bestimmten Alter getötet werden.«
Sarabina war begeistert und rief vor Freude:
»Die Idee ist spitze. Damit hätten wir eine Ungerechtigkeit weniger in der Welt.«
»Ist es wirklich gut?«
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Da hat er eine tolle Idee und merkt es gar nicht.
Typisch Mann … sagt Frau.
»Na klar. Sei nicht so kritisch.«
»Tja, wenn du meinst, dann sehe ich das natürlich genauso. Also nach der Anstrengung mache ich erst einmal Kaffeepause.«
»Den hast du dir verdient. Auf uns.«
Gleichzeitig erhob sie ihre Tasse und prostete Viktor zu. Der sich revanchierte:
»Erst einmal auf mich, du hast ja noch keine Idee gehabt.«
»Mann, bist du eingebildet.«
»Typisch Frau. Bist du soweit – jetzt kommt nämlich eine zweite Idee.«
»Stets zu ihren Diensten.«
»Eine einheitliche Schule für alle, die von Grund auf globales Wissen vermittelt. Denn erst wenn man seine globale Rolle begreift wird man zum Weltbürger.«
»Dann haben wir in diesem Leben keine Chance mehr, zwei Weltbürger zu werden oder was wird mit denen, die schon aus der Schule raus sind?«
»Globale Bildung für die, die aus der Schule raus sind, gibt es auf freiwilliger Basis. Wer daran teilnimmt wird belohnt.«
»Sag mir doch mal was an dieser Schule unterrichtet wird.«
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»Es wird für alle Schüler:innen ein Minimalwissen vermittelt. Am Ende des Jahrgangs werden sie in einem Multiple Choice Test geprüft.
»Und was wird mit den besonders begabten Schüler:innen?
Denen
reicht
doch
das
Minimalwissen nicht aus.«
»An den Schulen gibt es Gruppen, je nach Wissensgebiet, denen sich Schüler:innen je nach Interesse, anschließen können.«
»Wenn es Interessen der Schüler:innen gibt, welche
die
Fähigkeiten
der
Lehrer:innen
übersteigen?«
»Dann werden über mehrere Klassen oder Schulen hinweg Gruppen gebildet wo Fachleute dieses Wissensgebietes referieren.«
»Mensch Viktor, du könntest ja Bildungsminister werden. Pass auf, dazu habe ich eine gute Idee.«
»Dann lass mal hören.«
»Die Regierungsposten werden unabhängig von der Parteizugehörigkeit der Kandidat:innen direkt vom Volk gewählt.«
»Gebe mir bitte das Schreibzeug, damit ich das notieren kann.«
»Soll ich es wiederholen?«
»Nein, nein, kein Problem.«
»Damit ist gewährleistet, dass der beste Kopf für diesen Posten gewählt wurde.«
»Die Idee ist super. Das ist echte Basisdemokratie.
»Wir sind ein gutes Team.«
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»Wenn du mich gestern gefragt hättest, ob ich die Welt verbessern könnte, dann hätte ich dich für verrückt erklärt.«
»Siehst du, wie leicht es uns gefallen ist, diese Ideen vorzubringen. Ist es nicht toll, dass die UNO
diese Initiative gestartet hat. Die Aktion bietet den Anlass und wir die Ideen.«
»Das hört sich so an, als ob du noch eine Idee hättest.«
Sarabina schloss die Augen und hob beschwörend die Hände zu den Worten:
»Ja, ich spüre da ist noch ein Gedanke der ausgesprochen werden muss.«
Viktor, von heftigem Lachen gezeichnet, verlor die Beherrschung und küsste sein Gegenüber voller Begeisterung
auf
die
Stirn.
Mit
einer
Unschuldsmiene stellte er die Frage:
»Du erlaubst doch?«
»Lenk nicht vom Thema ab. Ich habe nämlich noch eine politische Idee.«
»Und die wäre?«
»Um weltweit Kapital für in Not geratene Menschen zur Verfügung zu stellen, müsste eine weltweit einheitliche Kontonummer für Spenden und Abbuchungen vorhanden sein. Die für Hilfsaktionen
zuständigen,
staatlichen
Institutionen der betroffenen Länder, können auf dieses Konto zugreifen und je nach Notlage, die Gelder an die Bedürftigen verteilen.«
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»Kannst du dir vorstellen, dass die Spender:innen den staatlichen Institutionen vertrauen?«
»Ja klar, schließlich wird alles, was ausgegeben wird, auch kontrolliert. Und außerdem fördert dies den Aufbau einer Infrastruktur zur Selbsthilfe.«
»Denkst du auch an die Organisationen, die weltweit
Spenden
sammeln
und
in
Entwicklungsländern Hilfe leisten?«
»Nun die Finanzierung der Mitarbeiter:innen und des Equipments die dort im Einsatz sind, wird über dieses Konto abgedeckt.«
»Gibt
das
nicht
einen
riesigen
Verwaltungsapparat?«
»Der Zugriff auf das Kapital erfolgt dezentral. Die Kontrolle der Buchungen erfolgt zentral durch eine vertrauenswürdige Institution.«
»Die müssen dann aber eine große Anzahl von Buchungen kontrollieren.«
»Ohne Kontrolle geht das nicht. Aber genau das schafft
Arbeitsplätze.
Hast
du
alles
aufgeschrieben?«
»Silbe für Silbe habe ich es notiert.« konstatierte der studentische Crack.
»Lass mal sehen.«
Befahl seine kreative Mitstreiterin und griff nach dem Papier.
»So, nun haben wir zwei Ideen von dir und zwei Ideen von mir. Das müsste ausreichen. Das 79
schreibe ich noch einmal neu und dann senden wir es an die UNO, nach New York.«
»Sind wir gut genug für ein Ticket nach New York?«
»Also ich bin mir sicher, dass wir es schaffen.«
Meine Uhr spricht:
»Es ist kurz vor 12 Uhr. Wie wäre es jetzt mit einem Mittagessen?«
»Gute Idee. Komm lass uns in die Mensa gehen.«
Sie standen auf und gingen an den Ort, an dem sich die Hungrigen gewöhnlich versammeln. Die Länge der Warteschlangen zeigte einmal wieder, dass auch Kopfarbeit zwischendurch einen Kalorienschub erfordert. Wie sich ein richtiges Essen für die Studierten zusammensetzt, darüber haben sich, wie üblich, die Chefköch:innen ihren Kopf zerbrochen. Was übrigens bei dem zur Verfügung stehenden Etat und dem Anspruch der Verwöhnten ein nicht triviales Problem darstellt.
Die beiden Kreativen, ausgezehrt durch das Brainstorming, fanden auch heute wieder etwas nach ihrem Geschmack. Die Stimmung war gut, denn das Wetter lud heute zum Sonnen auf dem Rasen des Campus Geländes ein. Dieser Einladung folgten auch unsere Erstsemester. Die weiche Grundlage und die Bestrahlung, von einer nicht nur die Haut erwärmenden Sonne, motivierten den Sunnyboy, seiner Auserwählten tiefer als sonst in die Augen zu sehen.
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Die Randbedingungen für eine Vertiefung der Beziehung, die über das Freundschaftliche hinausgeht, hätten nicht besser sein können. Er spürte, wie sein Verlangen nach dieser zauberhaften Schönheit immer größer wurde. Die Gefühle konnten nicht mehr unterdrückt werden.
Viktors sehnsuchtsvolle Blicke waren Sarabina nicht entgangen. Sie wollte aber ihren Gefühlen nicht nachgeben. Zwei Tage waren zu wenig, um von Liebe zu sprechen. Dies erschien ihr zwar unaufhaltsam, jedoch wollte sie vorher ihre neuen Lebensumstände besser im Griff haben. Obwohl sie ein lebenslustiger Typ ist, macht sie keine Zugeständnisse, wenn es um Liebe geht. Zum Küssen war sie bereit, für mehr jedoch nicht.
»Was hältst du von einem zweiten Dessert, mein Schatz?«
»Wie meinst du denn das?«
»Du weißt schon.«
»Willst du mich etwa verspeisen?«
»Nein, lieber küssen.«
»Einfach so, ohne große Worte? Du hast mir noch nicht einmal gesagt, dass du mich gern hast.«
»Ach, du hättest es wohl gerne auf die klassische Methode?«
»Genau. Ich hätte nicht gedacht, dass du sie kennst.«
Er überlegte nicht lange und beugte sich mit seinem Gesicht über Sarabina: »Wichtige Frage an 81
alle Frauen aus Merka in Somalia: Seid ihr alle so hübsch wie dieses Mädchen?«
Die Schöne aus dem Hause Jamuto konnte nicht anders und fing an zu lachen. Mühsam brachte sie hervor
»Ja, das sind wir.«
»Darf ich dieses traumhaft schöne Mädchen jetzt küssen?«
»Nur wenn du es ernst meinst.«
»Können wir das auf nachher verschieben?«
flüsterte der über beide Ohren Verliebte und berührte mit seinen Lippen, die ihrigen. Diese zarte Offenbarung gefiel ihr so gut, dass sie eingestehen musste, dieser Verlockung nicht widerstehen zu können. Sie spürte, wie Viktor versuchte, seine Zunge in ihren Mund zu schieben.
Doch das wollte sie verhindern und zog ihren Kopf zurück:
»Das geht mir zu schnell.«
»Entschuldige, ich wollte dich nicht drängen.«
»Gebe mir ein bisschen mehr Zeit.«
»Ja gut, du hast Recht.«
Dies belohnte sie mit einem Kuss.
»Das muss dir vorläufig genügen.«
Daraufhin legte sie ihren Kopf zurück ins Gras und schloss die Augen. Sie spürte die Erregung ihres Körpers und genoss diesen Zustand. Dass Männer keine gefühllosen Wesen sind, konnte man zwar nicht an einer stärkeren Durchblutung von Viktors erogener Zone feststellen, aber erregt war auch 82
er. Nun da sein Gefühlsausbruch vorüber und Sarabina offenbar nicht an einem Gespräch interessiert war, tat er es ihr nach und richtete seinen Körper parallel zu ihr aus.
Was die beiden in diesem Moment dachten ist unbekannt, so bleibt nur zu berichten, dass sie neben einer akustischen Kulisse aus Gezwitscher von Vögeln und menschlichen Stimmen, die reichlich frische Luft genießen.
Es war so etwa eine halbe Stunde vergangen, als Sarabina von einem Kitzeln abgelenkt wurde. Die Stelle des Nervenreizes war bekannt, nur die Ursache musste noch gefunden werden. Es war eine rote Arbeiterameise, genau genommen die Füße dieses bei Tageslicht stets fleißigen Geschöpfes. Wahrscheinlich brachte sie das Kitzeln auf die Idee, dieses Tierchen mit den Fingern zu packen und auf Viktors Nasenspitze zu setzen.
Es dauerte nur einen Augenblick und sein Körper beschleunigte in eine neue Position, während seine Hand eine noch schnellere Bewegung in Richtung Nasenspitze ausführte. Dies endete damit, dass die Ameise, durch den Zusammenstoß mit der auf sie zu fliegenden Hand, in die Luft geschleudert wurde und unsanft auf einem Grashalm landete.
Die Ameise war nicht nur der Grund, für den vom Schreck hervorgerufenen Satz:
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»Huch, was ist denn das?«, sondern auch die Ursache für Sarabinas Lachen.
Die Übeltäterin war sichtlich erfreut über ihren gelungenen Streich. Für Viktor war sofort klar -
das kann nur sie gewesen sein. Mit einer nach Verärgerung klingenden Betonung, artikulierte Viktor:
»Warst du das?«
»Es tut mir leid. Das war doch nur eine Ameise.
Die hat mich zuvor auch schon gekitzelt. Ich wollte das du auch ein bisschen gekitzelt wirst.«
»Wieso hast du mich nicht gekitzelt? Das wäre mir viel lieber gewesen.«
»Das hätte aber nicht so viel Spaß gemacht.«
»Also gut, jetzt hast du deinen Spaß gehabt. Ich hole mir aus der Cafeteria etwas zum Trinken. Was möchtest du?«
Von Durst gequält stand er auf und stellte sich vor Sarabina. Sie blickte ihn an:
»Ich hätte Lust auf ein Waffeleis mit Schokolade und Haselnüssen.«
»O.k. Bis gleich.«
Es dauerte keine zehn Minuten, bis ihr Hermes wieder da war. Er kniete vor der schlafenden Sarabina nieder und berührte deren rosiges Pausbäckchen mit dem Waffeleis. Sie erschrak und öffnete ihre Augen.
»Ach, das Eis ist schon da. Vielen Dank.«
Nebenbei griff sie nach dem Eis und begann die Verpackung zu entfernen. Der Anblick und der 84
erste Kontakt mit dem begehrten Objekt löste in bestimmten Teilen ihres Gehirns und den Geschmacksnerven eine echte Freude aus und war mit Sicherheit ein Ereignis für die bleibende Erinnerung. Und wieder einmal wuchs die Kundenzahl der deutschen Eisindustrie um eine weitere zufriedene Kundin. Die Qualität des deutschen Eises begeisterte die erfahrene Eisgenießerin so sehr, dass sie dies mit einem extra sanften Gleiten ihrer Zunge, auf der kalten Eisoberfläche, belohnte.
»Wie schmeckt es?«
»Mmmh, es ist lecker.«
»Also ich gehe jetzt in die Stadt zum Einkaufen.
Kommst du mit?«
»Na klar. Aber bitte warte noch bis ich mein Eis gegessen habe.«
Das Eis konnte nicht so schnell schmelzen, wie es von der fleißigen Zunge aufgeschleckt wurde. Also dann nichts wie ab in die Stadt ihr beiden. Auf dem Weg zum Einkaufen geschah nichts, was erwähnenswert wäre. Sie kehrten ins Wohnheim zurück und verabredeten sich zum Abendessen in der Küche im 3. Stock.
Der Heißsporn ging auf sein Zimmer, warf den Rucksack in die Ecke und machte dann ein Nickerchen auf dem Bett. Dagegen war Sarabina etwas fleißiger, denn sie nahm ein Buch in die Hand und begann zu lesen. Nach einem Weilchen legte sie das Buch aus der Hand und ging nahtlos 85
dazu über, das Papier an die UNO neu zu schreiben. Viktor hatte die Briefmarken und das Briefkuvert dazu gekauft. Wie wird die UNO die Ideen der zwei Weltverbesserer beurteilen?
Werden sie nach New York eingeladen? Wie auch immer, die Begeisterung hat den beiden einen Kick gegeben.
Es war kurz vor 19 Uhr, die vereinbarte Zeit fürs Abendessen, als er sein Glas mit den Heringen und Sarabina ihre Brötchen und den Käse aus dem Rucksack holten. Was sonst noch benötigt wurde, war schnell beisammen. Das Abendessen in der Küche stillte nicht nur den Hunger der Verliebten, sondern bot auch reichlich Gelegenheit für einen Gedankenaustausch. Zeit für Denksport. Der Meister im Schach spielen war hoch motiviert:
»Spielst du Schach?«
»Ja, aber ich bin keine gute Spielerin. Bist du gut?«
»Ich war einmal im Schachclub, aber lass dich dadurch nicht abschrecken. Wie wäre es mit einer Partie?«
»Von mir aus gerne.«
»Also gut ich hole mein Schachspiel.«
Die nächsten Stunden verbrachten die beiden mit Drohungen wie »Schach« und »Schachmatt«, die natürlich ausschließlich vom virtuosen Champ kamen. Wenn euch das Schach spielen nicht unbekannt ist, dann wisst ihr, dass Viktor der überragende Sieger aller Partien war. Das störte 86
Sarabina überhaupt nicht, sie kämpfte eisern weiter und man musste zugeben, dass sie zunehmend besser wurde. Die Spielleidenschaft der beiden Kontrahenten wurde hin und wieder von einer nicht zum Reglement gehörenden Kuschelpause unterbrochen. Als es dann vorbei war mit der Spielfreude, wurde das Brett zur Seite geschoben
und
zum
nächsten
Tagesordnungspunkt,
den
Worten
zur
Schlummerstunde, übergegangen.
»Habt ihr Schnee in Somalia?«
»Ja, aber nur in der Gefriertruhe. Dafür haben wir etwas, was ihr nicht habt?
»Meinst du eure Bananen?«
»Leider falsch geraten. Weißt du was Monsun bedeutet?«
»Ist das nicht so eine Art Sturm mit sehr viel Regen?«
»Genau, das ist der so genannte Monsunregen.
Sofern wir keinen Monsun haben, ist es in Merka meistens sehr heiß. Es liegt im Südosten in der Nähe vom Indischen Ozean.«
»Wenn es bei uns regnet, ist es meistens sehr kalt.
Ist der Monsunregen ein kalter Regen?«
»Nein, aber die Luft ist schon ein bisschen kühler als sonst.«
informierte sie und fing an zu gähnen.
»Sei mir nicht böse, ich bin müde und will ins Bett.«
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»Also gut, machen wir Schluss für heute. Gute Nacht Sarabina.«
»Gute Nacht Viktor.«
Zum Abschied gab es noch ein Küsschen und dann ging jeder auf sein Zimmer. Schlaftrunken legte sie sich ins Bett. Er dachte noch nicht ans schlafen gehen. Angeturnt von der Logik im Schach spielen, trieb es ihn zum Mathematikbuch „Lehrgang der Höheren Mathematik Teil I“, von W. I. Smirnov, einem ihm gut bekannten Lehrbuch. Da Mathematik schon manch einem schlaflose Nächte bereitet hat, verabschieden wir uns an dieser Stelle von Viktor und wünschen ihm schöne Träume.
Die folgenden Tage verbrachten sie mit Arbeit und Vergnügungen. Die beiden unternahmen alles nur Erdenkliche, um unvergessliche Momente zu erleben. Nach dem Frühstück ging jeder auf sein Zimmer und las eifrig in den Büchern. Das restliche Tagesprogramm
bestand
aus
kulturellen
Pflichtteilen wie dem Besuch von Museen und der Berliner Mauer sowie aus Vergnügungen wie Schwimmen, Kino und Einkaufsbummeln. Sie hielten Händchen und küssten einander bei jeder nur vorstellbaren Möglichkeit. Ein Liebespaar. Wer es ganz genau wissen möchte, dem sei gesagt: Aus dem einfachen Küsschen war zwischenzeitlich ein ausgereifter Zungenkuss geworden.
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Am Vorabend des 4. Oktober, dem Tag des Vorlesungsbeginns, saßen sie zu dritt in der Küche und diskutierten über Schule und Bildungssystem.
Der dritte in der Runde war Landolff. Sarabina trieb die Neugier:
»Wie war das bei dir im ersten Semester, was hast du von deinem Schulwissen anwenden können?«
»Biologie, Geschichte und Religion konnte ich zum Beispiel nicht gebrauchen. Mathematik dagegen war sehr wichtig.«
»War der Übergang von der Schulmathematik zur Mathevorlesung schwierig?« wollte Viktor wissen.
»Am Anfang war es eine Wiederholung des Schulwissens. Danach kam nur noch neuer Stoff.
Das war ganz schön schwierig.«
»Ich habe mir die Mathematikbücher von Smirnov ausgeliehen. Findest du sie gut?«
»Die habe ich auch mal gelesen. Die Erklärungen dort sind sehr gut. Unser Mathe Professor hat uns unter anderem Smirnov empfohlen.«
»Also, mir geht es so, dass ich viele Begriffe vom Schulwissen noch kenne, aber nicht mehr viel dazu sagen kann. Das meiste dazu habe ich vergessen,« gestand Viktor.
»Da stimme ich dir zu. Da heißt es immer, dass wir die Kapazität unseres Gehirns nicht voll nutzen. Dabei ist das gute Stück auch noch vergesslich,« erwiderte Landolff.
Sarabina meinte dazu:
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»Ich weiß nichts Medizinisches über das Gehirn, aber so viel ist mir klar: Das Gehirn sollte die Fähigkeit besitzen, alles zu ergründen. Ob es dieses kann ist eine andere Frage.«
»Ich frage mich, ob eine Prüfung ohne Hilfsmittel gerecht ist. Es soll doch geprüft werden, ob ein Gehirn die Logik der Problemstellung erkennt und infolgedessen die richtigen Mittel einsetzt, um die Aufgabe zu lösen. Mit dem auswendig lernen von Vokabeln hat dies ja nichts mehr zu tun,« vertrat Landolff seine Auffassung von Gerechtigkeit.
»Das Gehirn muss die Logik dessen, was es ergründet, nachbilden können. Es muss ein Verständnis dessen als Resultat ausgelöst werden.
Das Verständnis wiederum kann dazu führen, dass das Gehirn aufgrund seiner Fähigkeit die Logik des betrachteten Objekts verbessern kann,« stellte unser Schach Gehirn Viktor fest.
»Respekt, Respekt. "Woher weißt du denn das?"`
fragte Landolff voller Anerkennung.
»Ich habe keine Ahnung wie das Gehirn funktioniert, aber ich stelle mir vor, dass es so ist.«
»Vom Schulunterricht zum Vorlesung Ablauf ist eine Umgewöhnung unseres Gehirns erforderlich.
Der Stoff in der Vorlesung wird schneller durchgegangen als in der Schule. Was manchen auch fehlt, ist das Gefühl eine Klasse zu sein. Man muss in dieser riesigen Menge erst einmal neue Freunde finden.«
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»Ist es nicht eine Art diktatorisches Relikt aus vergangenen Zeiten, dass die Schulen festlegen, wer eine Klasse unterrichtet, anstatt das Prinzip
„Wir suchen uns unsere Lehrer:innen aus, die uns unterrichten“ zu praktizieren,« behauptete Viktor.
»Du meinst so etwas wie ein Lehrer Board, aus dem die Schüler:innen ihre Favoriten auswählen.
Das gibt aber ein heißes Rennen um die besten Lehrer:innen,« erwiderte Landolff
»Du meinst doch wohl nicht, dass die Schüler der 1. Klasse schon ihre Lehrer:innen auswählen können.« erkundigte sich Sarabina mit lächelnder Gesichtsmimik.
»So habe ich das auch nicht gemeint, aber beispielsweise ab der 3. Klasse könnte man es einführen. Der Vorteil dabei wäre, dass es dann keine unsympathischen Lehrer:innen mehr an den Schulen gibt.«
»Wenn die Schüler:innen die Lehrer:innen nicht mögen, sollen sich diejenigen dann einen anderen Beruf suchen?« gab Landolff zu bedenken.
»Ich finde, die Klassengröße zu verringern, bringt den Schüler:innen viel mehr.« argumentierte Sarabina.
»Ja, ja, ich gebe zu, dass das sehr viele Veränderungen erfordert. Aber machbar wäre es,«
verteidigte sich Viktor. So ist das eben mit neuen Ideen. Wichtig ist aber, dass sich jemand traut, sie auszusprechen.
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»Schlecht ist es nicht, die demokratischen Rechte eines Bürgers so früh wie möglich zu gebrauchen.
Ich hätte da auch eine Idee, die geht aber in eine ganz andere Richtung. Man könnte beispielsweise nach jedem Schuljahr die besten mehrerer Klassen zu einer neuen Klasse vereinen und nicht nur nach der Grundschule entscheiden, wer auf eine höhere Schule kommt. Dies wäre ein permanenter Eliten Selektionsprozess.« erwiderte Landolff.
Findet ihr auch, dass sich das irgendwie nach einem maschinen gesteuerten Vorgang anhört? So etwas muss doch den Menschen in uns provozieren. Moment, da kommt schon die erste Kritik.
»Dies scheitert doch aber an der Tatsache, dass Kinder Freundschaften schließen. Ich halte es für unzumutbar, dass jedes Jahr die Klassen neu zusammengesetzt werden.« gab Sarabina zu bedenken.
»Spielst du mit deinem Vorschlag auf die konsequente Umsetzung der bekannten NORMAL-Verteilung bezüglich der Intelligenz an?«
bemerkte Viktor.
Wissen Sie was eine NORMAL-Verteilung ist? Wenn nicht, dann lesen Sie es doch in einem Mathematikbuch nach.
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»Meine Auffassung lautet: Unter Gleichen fühle ich mich wohl. Doch ich gebe zu, dass es reines Elitedenken ist, ohne die Gefühle der Betroffenen zu berücksichtigen. Schließlich bin ich auch nicht als hochbegabtes Kind aufgefallen.« entgegnete Landolff.
»Tja, da sitze ich also mit zwei Bildungsministern am Tisch. Jetzt müsst ihr euch nur noch eine Partei suchen, die das gut findet und schon kommt ihr groß raus.« stellte Sarabina fest.
»Wenn du von Parteien sprichst, da fällt mir gleich wieder etwas dazu ein.
Wäre es nicht gerechter, wenn die Parteien die Staatskassen gemäß der prozentualen Anzahl ihrer Wähler:innen aufteilen und über dieses Geld für ihre Vorhaben verfügen würden?« entdeckte der kreative Informatikstudent.
Wären Sie drauf gekommen? Hört sich das nicht viel demokratischer an? Denn schließlich regiert das Geld die Welt.
»Glaubst du, dass die regierende Mehrheit es sich nehmen lässt, über die ganze Kasse zu verfügen?«
gab die geheimnisvolle Lady zu bedenken.
»Frag mich nicht, aber eine sinnvolle Verteilung im Hinblick auf die Zuordnung von Wähler Interessen und finanziellem Potential zur Realisierung deren Vorhaben wäre dadurch gegeben.« verteidigte sich Landolff.
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»Was wird in diesem Fall aber mit einer Partei, die überwiegend von besser verdienenden Wählern gewählt wird und die aber nur einen geringen Wähleranteil haben?« wollte Viktor wissen.
»Wenn
du
die
unterschiedlich
hohen
Steuerzahlungen der Wähler meinst, da könnte man
mit
einer
pauschalen
Einkommensbesteuerung
eine
gleich
hohe
Belastung der Steuerzahler diese Unterschiede nivellieren.«
»Du meinst ein Geschäftsführer und ein Hilfsarbeiter zahlen die gleiche Steuer? Das kann doch nicht dein Ernst sein. Ich finde es macht auch keinen Sinn alle Kassen aufzuteilen.« Eine Kritik von Viktor.
»Du hast Recht, das hört sich utopisch an. Aber beispielsweise in der Forschungs- und in der Entwicklungshilfepolitik könnte ich mir eine Budget Splittung vorstellen. So könnten nicht nur die Regierungsparteien
sondern
auch
die
Oppositionsparteien aktiv handeln und ihre Interessen verwirklichen.«
»Du denkst fortschrittlicher und demokratischer als die Regierung in deinem Land.«
»Von unserem Kanzler erwarte ich das auch nicht.
Vor der Wahl hat er versprochen, dass er die Arbeitslosenzahl verringern will. Dabei ist die Zahl der Arbeitssuchenden während seiner Amtszeit sogar noch viel größer geworden. Vor allem seine Initiative, indische IT-Kräfte ins Land zu holen, war 94
ein großer Flop. Deshalb studiere ich jetzt IT, damit das anders wird.«
»Du könntest dich ja als Berater bei ihm melden.«
»Wenn ich höre, dass das Kanzleramt in Berlin nicht als Nullenergiehaus geplant wurde, eine herausragende deutsche Ingenieurleistung, dann kann ich nur sagen, dass die Verantwortlichen eine einzige Schlafmützen Gesellschaft sind. Sie geben Geld für Forschung aus und keiner denkt daran, die Ergebnisse wirtschaftlich zu realisieren. Die verschlafen einfach ihre Chancen.«
»Apropos schlafen, für mich ist es Zeit ins Bett zu gehen.«
Das Wort zur Nacht sprach die kokette junge Dame und trank ihr Glas Orangensaft aus. Die beiden Jungs sahen auch nicht mehr danach aus, als ob sie noch länger über revolutionäre Veränderungen im Staat diskutieren wollten.
»Ich wünsche euch alles Gute für morgen. Der erste Tag ist mehr eine Vorstellung der Fächer als eine Vorlesung. Zumindest war das bei uns so.
Also, ihr könnt völlig entspannt dorthin gehen.«
Der gute Ratschlag aus dem höheren Semester.
Die beiden anderen folgten seinem Beispiel und verabschiedeten sich mit einem „Gute Nacht Landolff“ und verschwanden im Flur.
»Gute Nacht und viel Erfolg.«
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Morgen geht es los für das Erstsemester. Jetzt heißt
es
erst
einmal,
die
Ideen
der
Wissenschaftler:innen zu studieren. Man taucht ein in den Pool der Gleichgesinnten, aber nicht gleich guten. Doch das lässt sich rein äußerlich nicht erkennen. Und eigentlich interessiert das ja auch nur die Professor:innen oder man muss es wissen wollen. Zumindest ist es lästig und hält das Institut nur vom forschen ab. Aber davon wissen die
Erstsemester
ja
noch
nichts.
Die
Elitestudent:innen streben in die Politik oder sind es die High Potentials für die Wirtschaft – wissen Sie es? Nun eigentlich will sie jeder gerne haben.
Es lebe der Wettbewerb.
Wird Viktor seinen Professor:innen das Prinzip
„Wir suchen uns unsere Lehrkräfte aus, die uns unterrichten“ als Alternative zum klassischen Vorlesungsbetrieb vorschlagen? Werden die zwei Liebenden den Trennungsschmerz während der Vorlesungen verkraften? Sicher ist jedenfalls, dass die unbekümmerte Zeit der Beiden nun vorüber ist. Sie werden neue Freunde kennenlernen, mit denen sie zusammen lernen und über das Gelernte diskutieren. In den folgenden Tagen ereignete sich nichts besonderes, außer dem Neuen, was unsere zwei Erstsemester durch das Studium kennen lernten.
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Zwischenzeitlich sind vier Wochen vergangen.
Viktor und Sarabina treffen sich wie bisher nach den Vorlesungen in der Mensa und vergnügen sich miteinander.
Am Montagmorgen ging Viktor zum Briefkasten und entdeckte einen Brief von der UNO. Voller Begeisterung öffnete er den Umschlag und las den Brief. Es war eine Einladung der UNO anlässlich der Würdigung für die vorgeschlagenen Ideen.
Weiterhin befanden sich zwei Flugtickets nach New York in dem Umschlag. Voller Freude rannte er los, um Sarabina den Brief zu zeigen. Doch sie sang gerade unter der Dusche den Song "Could you be loved" von Bob Marley. Der vor Freude ganz aufgeregte Gewinner des Wettbewerbs klopfte an die Badezimmertür und rief:
»Schatzi, rat' mal, wer uns geschrieben hat?«
»Ich bin gerade unter der Dusche. Bitte gedulde dich ein paar Minuten.«
»Gut, ich komme in zehn Minuten wieder.«
Unser Schachgenie nahm die Flugtickets aus dem Umschlag und schaute nach, auf wann der Flug datierte. Der Abflug war Montag in zwei Wochen, morgens um 9 Uhr. So ein Ärger, dachte er, da haben wir ja noch Vorlesungen. Der Rückflug war eine Woche später, montags um 10 Uhr Ortszeit.
Tja, dann fehlen die beiden eben eine Woche in der Vorlesung, bei der Masse von Student:innen fällt das ja nicht auf. So ein Spektakel lässt man sich 97
ja schließlich nicht entgehen. Wer hat denn schon als Normalsterblicher die Chance, einmal von der UNO eingeladen zu werden? Für Viktor, unseren angehenden Politiker, ist das natürlich der erste Meilenstein in seiner Erfolgsgeschichte auf dem internationalen diplomatischen Parkett. Vielleicht kann er auf die schwierige Situation für Liebespärchen, die im Ausland studieren, aufmerksam machen.
Viktor ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank und nahm einen Schluck aus der Milchflasche. Er schaute auf die Uhr und sah, dass die zehn Minuten bereits vorüber waren. Schnurstracks eilte er zu Sarabina um ihr die frohe Botschaft zu verkünden. Seine Herzallerliebste stand in Slip und T-Shirt vor dem Kleiderschrank als er an der Tür pochte:
»Schatzi, bist du jetzt fertig?«
»Du kannst reinkommen.«
Der Kavalier öffnete die Tür und trat in das Zimmer, dabei hielt er den Brief hinter seinem Rücken versteckt. Mit listigem Blick und strahlender Miene gab er ihr folgendes Rätsel auf:
»Was ist in New York und möchte uns gerne sehen?«
»Die Freiheitsstatue?«
»Nee, der Bürgermeister.«
scherzte Viktor, während er den Brief hoch hielt.
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»Oh jaa, wir haben gewonnen! Ich habe es gewusst!«
schrie Sarabina und umarmte ihren Geliebten. Die beiden küssten sich leidenschaftlich und Sarabina flüsterte:
»Wenn wir in New York sind, werde ich mit dir schlafen.«
»Oh mein Schatz ich liebe dich.«
»Ich lasse dich nie wieder los.«
So hielten sie sich noch ein paar weitere Minuten eng umschlungen, bis Viktor die Stille unterbrach:
»Lese doch einmal den Brief und schau dir die Tickets an.«
Dabei reichte er ihr den Brief, den sie umgehend öffnete und eifrig durchlas, bis sie an die Stelle kam, wo geschrieben stand: Sie erhalten von uns zwei
Flugtickets,
einen
einwöchigen
Hotelaufenthalt
und
ein
angemessenes
Taschengeld. Sie schaute Viktor mit großen Augen an und brachte ihr Erstaunen zum Ausdruck:
»Mensch der Flug und eine Woche alles umsonst, ich kann es kaum glauben.«
»Schau dir das Ticket an, wir fliegen in zwei Wochen.«
»Wir müssen aber vorher noch einiges erledigen.«
»Ich surfe gleich im Internet. Mal sehen was es in New York für Sehenswürdigkeiten gibt.«
»Am besten wir kaufen uns einen Reiseführer. Wie sieht es eigentlich mit deinem Englisch aus?«
wollte Sarabina wissen.
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»Nicht so gut, aber ich werde mich schon durchschlagen.«
»Mein Englisch ist auch nicht das Beste. Also lass uns erst einmal im Internet nachsehen. Wir können uns ja heute Nachmittag einen Reiseführer kaufen.«
Sarabina zog sich eine Hose an und konnte es kaum erwarten, mit Viktor im Internet zu surfen.
Sie setzten sich vor den Computer und suchten nach der Homepage von New York. Es gab alles, vom Namen des Bürgermeisters, bis hin zum Central Park und von der Freiheitsstatue bis zur Telefonnummer des Rettungsdienstes. Auf dem Stadtplan fanden sie das UNO-Gebäude. Danach wechselten sie auf die Homepage der UNO und informierten sich, was dort gerade so geschieht.
»Das Wichtigste hätten wir. Jetzt müssen wir uns nur noch um unser Fehlen in den Vorlesungen kümmern.« Ein Vorschlag von Viktor.
»Ich habe einen Kommilitonen der mir alles mitteilt, was in der Woche gelaufen ist.«
»Da habe ich auch jemanden.«
»Na, dann brauchen wir uns ja keine Sorgen zu machen.«
»Ich rufe heute Abend meine Eltern an und frage mal nach, was man so macht, wenn man von der UNO eingeladen wird.«
»Und ich schreibe heute Abend einen Brief an meine Eltern und berichte die neuesten 100
Neuigkeiten. Übrigens, wie viel Geld nimmst du mit?«
»So ungefähr 200 Dollar.«
»Ich nehme 150 Dollar mit.«
Bis auf den Namen des Hotels schien also alles klar zu sein. Die Reiseplanung unserer beiden Erstsemester verlief sehr gut. Sie konnten es kaum erwarten, ihre Koffer zu packen. Sarabina war in Eile:
»Ich habe jetzt keine Zeit mehr, ich muss in die Vorlesung.«
»Wieso, wie viel Uhr ist es?«
»Es ist jetzt 9 Uhr.«
»Dann muss ich auch gehen.«
Arm in Arm schlenderten die beiden zur Bushaltestelle. An der Uni stiegen sie aus und gaben sich ein Abschiedsküsschen. Dann machte sich jeder auf den Weg zum Vorlesungssaal.
Nach den Vorlesungen gingen die beiden in einen Buchladen und kauften einen Reiseführer für New York.
Sie trafen sich zum Abendessen in Viktors Küche.
Sarabina hatte den Reiseführer und etwas zum Schreiben mitgebracht. Nachdem das Glas mit den frischen, deutschen Heringen aus der Nordsee aufgegessen war, fingen sie an, den Reiseführer zu studieren. Die wichtigsten Dinge wurden notiert. Sie machten für diese Woche einen Tagesplan mit Sehenswürdigkeiten, die unbedingt 101
besucht werden mussten. Nach einer Weile tauchte Landolff auf und setzte sich zu den beiden an den Tisch. Neugierig wie er war:
»Wollt ihr nach New York fliegen?«
»Wir haben an einer Aktion der UNO
teilgenommen und gewonnen.« erzählte Viktor.
»Was für eine Aktion war denn das?«
»Es war ein Ideenwettbewerb für eine bessere Welt.«
»War da nicht ein Plakat an der Eingangstür zur Bibliothek?«
»Genau. Wir hatten ein paar gute Ideen und haben diese an die UNO gesandt. Die fanden das genauso gut wie wir und haben uns nun für eine Woche nach New York eingeladen.« erklärte Sarabina.
»Da kann man ja nur noch gratulieren. Hat die Idee etwas mit deinem BWL-Studium zu tun?«
»Nein, ich hätte da aber eine Idee zur BWL, die auch zu einer besseren Welt führt.«
»Dann lass mal hören.« forderte sie Landolff auf.
»Also, dir ist doch bekannt, dass eine 300g Tafel Schokolade, bezogen auf 100g, billiger ist als eine 100g Tafel Schokolade.«
»Das ist mir bekannt.«
»Das liegt daran, dass der Schokoladenhersteller mit
steigender
Menge
einen
billigeren
Einkaufspreis mit seinen Lieferanten aushandelt.
Dies gibt er an den Käufer im Supermarkt weiter.
Also die Milch- und Kakaoerzeuger müssen ihre 102
Preise mit steigender Abnahme senken. Nun, an wen geben diese Erzeuger die geringeren Einnahmen bei steigender Menge weiter? Je mehr Kakao ich ernten möchte, desto mehr Arbeitszeit brauche ich doch. Ich kann meinen Mitarbeitern aber nicht sagen, dass sie für die Mehrarbeit weniger Geld bekommen. Hier funktioniert die Gleichung: je mehr, desto weniger wird bezahlt, einfach nicht. Deshalb muss der Erzeuger auf einen Teil seines Gewinns verzichten. Das gleiche gilt auch für die Milcherzeuger.«
»Das stimmt, darüber habe ich auch noch nie nachgedacht.«
»Wenn du in der Kneipe drei Gläser Bier trinkst, dann verändert sich ja auch nicht mit steigender Menge der Preis für ein Glas Bier.«
»Schön wäre das schon.«
»Da fallen mir noch ganz andere Dinge ein, die ich in der Wirtschaft nicht verstehe.«
»Und was ist das?«
»Zum Beispiel warum fliegt ein Kilogramm Lammfleisch billiger von Neuseeland nach Deutschland als ein Kilogramm Menschenfleisch?«
»Da ein Kilogramm Menschenfleisch wertvoller ist als ein Kilogramm Lammfleisch.« scherzte Landolff.
»Haha. Nein, weil die Energiepreise so niedrig sind,
sind
die
ausländischen
Waren
konkurrenzfähig zu den Heimischen.«
»Das ist Global Business.«
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»Jetzt beruhige dich doch wieder mein Schatz«
und küsste sie.
Diese Art der Beruhigung liebte Sarabina so sehr, dass sie gar nicht anders konnte, als die Diskussion zu beenden. Der restliche Abend verlief in heiterer Stimmung. Es wurden keine neuen Ideen zur Weltverbesserung diskutiert und auch keine Demonstration geplant, sondern simple Konversation betrieben.
In den nächsten zwei Wochen beschäftigten sich die beiden mit Kofferpacken und der Diskussion über Sehenswürdigkeiten, die unbedingt gesehen werden mussten. Der Tag des Abflugs rückte näher. An jenem Montag Morgen klingelte um 5
Uhr der Wecker bei unserem Liebespärchen. Viktor kroch langsam aus dem Bett und schleppte sich hinüber in die Dusche. Das heiße Wasser weckte die Lebensgeister in ihm. Er trocknete sich schnell ab und schlüpfte in seine frische Wäsche. Um 5.30
Uhr war er mit Sarabina zum Frühstück in der Küche verabredet. Wie üblich gab es einen Becher Joghurt, ein weich gekochtes Ei und dazu ein Käsebrot. Sarabina hatte heute Morgen keinen großen Hunger und trank nur ein Glas Milch.
»Sarabina, haben wir auch wirklich nichts vergessen?«
»Nein, wir haben alles eingepackt. Nur schade, dass wir keinen Fotoapparat haben.«
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»Also gut in 10 Minuten treffen wir uns unten am Eingang.«
Es war an der Zeit, sich anzuziehen und das Reisegepäck zu holen. Jeder nahm einen Koffer und einen kleinen Rucksack mit auf die Reise. Von ihren Freunden im Wohnheim hatten sie sich bereits gestern Abend verabschiedet. Alle waren stolz auf sie. Jeder wollte gerne mit ihnen tauschen. Doch das war gestern Abend. Als Sarabina am Eingang ankam, wartete Viktor bereits auf sie. Unser Liebespärchen spazierte gemütlich zur Bushaltestelle, um mit dem Bus bis zum Bahnhof zu fahren. Dort stiegen sie dann um auf den Flughafen Shuttle, bis nach Berlin Tegel.
In der Check-in Halle war um die Uhrzeit schon reger Betrieb. Da der Fluglinien-Guide, der die Ankommenden am Eingang empfängt und sie zum Schalter begleitet, noch nicht erfunden ist, irren immer wieder einige Fluggäste durch die Halle. So waren auch unsere zwei Erstsemester auf sich alleine gestellt, bei der Suche nach dem Schalter der Delta Airlines. Aber wer die beiden kennt, der weis, dass es sich hierbei um ein Vorhaben handelt, dessen Erfolg bereits vorher schon feststand. Bei genauer Beobachtung ergab sich, dass ihr eingeschlagener Weg nicht der kürzeste war. Sollte man von zwei mathematisch begabten Studenten nicht mehr erwarten können? Damit war klar, dass man sich auf deren Spürnase nicht verlassen konnte. Somit schloss sich eine spätere 105
Geheimdiensttätigkeit oder eine Karriere bei der Kriminalpolizei aus.
So ganz nebenbei: Kennen Sie das berühmte Spürnasenrätsel
das
alle
angehenden
Kriminalpolizist:innen bei der Aufnahmeprüfung lösen müssen?
Nein, dann lesen sie das Folgende: Ein Mäuschen sitzt in einem Laib Käse gefangen und weiß nicht, wie es dort wieder herauskommen soll. Wenn es den Käse in der Richtung in der es ausbricht, auffrisst, dann stirbt es daran. Wie kommt das Mäuschen lebend aus dem Käse heraus? Übrigens weiß das Mäuschen nicht, ob es in der Mitte des Käses oder außerhalb dessen gefangen ist.
An die Adresse der Tierschützer gerichtet: Dieses Rätsel basiert nicht auf einer wahren Begebenheit.
Allen Leser:innen wird empfohlen, dieses Rätsel nicht in der Praxis nachzuahmen.
Sie stellten sich in die Warteschlange vor dem Schalter der Delta Airlines. Anlässlich des mühsamen Aufhebens und Abstellens der schweren Koffer fühlte sich Viktor genötigt, eine Verbesserung dieses Zustandes auszudenken. Er schlug vor:
»Warum haben die hier nicht so eine Art Gestänge Konstruktion
mit
verschiebbaren
Haken
aufgestellt, wo jeder sein Gepäck einhängen kann?
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Dann müsste man sich nicht ständig bücken und die schweren Sachen aufheben, bis man vorne am Schalter ist.«
»Wieso hast du dich nicht für ein technisches Design Studium eingeschrieben?«
»Ich habe dir doch gesagt, dass ich Politiker werden möchte.«
»Was wird aus dieser Idee, wenn du es nicht an eine Firma verkaufst?«
»Ich werde es der Dame am Schalter verraten.«
Die Gepäckaufgabe verlief reibungslos und es war genug Zeit, um in einem Bistro etwas Flugtaugliches zu trinken. Viktor erkundigte sich bei Sarabina, ob sie Angst vor dem Fliegen habe.
Sie verneinte und:
»Wieso, hast du Angst vor dem Fliegen?«
»Nein, ich fliege sehr gerne. Ich hasse nur das lange Warten vor dem boarden.«
»Hast du etwas zum Lesen dabei?«
»Ja, aber im Flugzeug lese ich lieber die Zeitung als ein Buch.«
»Wir müssen uns langsam auf den Weg machen, denn dort drüben an der Gepäck- und Passkontrolle ist eine riesige Schlange.«
Sie schnappten ihre Rucksäcke und stellten sich ans Ende. Es dauerte ca. eine Stunde, bis die beiden auf ihren Sitzen im Flugzeug saßen. Der Flugkapitän begrüßte alle Gäste an Bord und verkündete, dass gutes Reisewetter vorherrsche.
Die Gefahr, dass das Flugzeug in einem Hurrikane 107
verloren gehen würde, bestand nicht. Nun, was kann sonst noch alles passieren - das Flugzeug könnte von an Bord befindlichen Terrorist:innen entführt werden. Dies konnte vom jetzigen Wissensstand ausgehend nicht abgeschätzt werden. Ebenso könnte das Flugzeug aufgrund einer fehlerhaften Wartung der Mechaniker:innen während des Fluges ausfallen und eine Notlandung auf dem Wasser notwendig machen. Kein Problem, Schwimmwesten waren ja an Bord.
Wie auch immer, Fluggäste sind mutig und haben in jedem Fall einen angenehmen Flug.
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Theresa Wullenbrook die
