Endstation unvergesslich by art.TM - HTML preview
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Viktor in Berlin
Am Morgen des 23. September landete ein Flugzeug der Aeroflot auf dem Flughafen Berlin Tegel. An Bord befand sich Viktor, ausgerüstet mit einem Stadtplan, einem Touristenführer und vielen guten Ratschlägen. Nachdem er die Passkontrolle hinter sich gelassen und all sein Gepäck wieder in Händen hielt, machte er sich auf den Weg zum Taxistand. Er rief einen Taxifahrer:
»Entschuldigung, können Sie mich zu einem Hotel in der Nähe der Universität bringen?«
»Soll es etwas Teures oder lieber etwas Günstigeres sein?«
»Lieber etwas Günstigeres.«
»Sind Sie zum ersten Mal in Berlin?«
»Ja, ich nehme zum 1. Oktober ein Studium auf.«
»Was wollen Sie denn studieren?«
»Volkswirtschaftslehre.«
»Na, da wünsche ich Ihnen viel Vergnügen.«
Das Taxi hielt am Eingang eines mittelklassigen Hotels. Der Mann sah auf den Taxameter:
»Das macht 10,50 Mark«
Viktor griff in seine Jackentasche und zog ein Bündel Geldscheine heraus. Einen Geldbeutel 33
hatte er noch nie besessen. Nach der Bezahlung trug ihm der Taxifahrer das Gepäck bis zur Eingangstür und verabschiedete sich mit einem:
»Viel Glück für Ihr Studium. Tschüss.«
»Vielen Dank - tschüss.«
Er nahm den Koffer, die Reisetasche und ging durch die Drehtür in die Empfangshalle des Hotels.
Hinter der Rezeption stand ein hagerer Mann und blickte neugierig auf den eben eingetroffenen Gast. Viktor stellte sein Gepäck ab und erkundigte sich dann höflich:
»Guten Tag, ich hätte gerne für die nächsten ein oder zwei Tage ein Einzelzimmer.«
»Guten Tag, ich kann Ihnen ein Zimmer mit Dusche und WC für 35 Mark pro Nacht anbieten.
Für das Frühstück berechnen wir 5 Mark. Die Bezahlung erfolgt im Voraus.«
»Geht in Ordnung, ich nehme vorläufig das Zimmer mit Frühstück für eine Nacht.«
Dabei nahm er das Geld aus seiner Tasche und legte es auf die Theke.
Der Mann griff zum Geld, zählte es ab und verstaute es in seiner Kasse.
»Sie müssen mir jetzt noch Ihren Pass zeigen und dieses Formular ausfüllen.«
Der Student in spe füllte alles sorgfältig aus und schob es dann zusammen mit seinem Pass über die Theke.
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»Es ist alles in Ordnung. Hier sind die Schlüssel zu Ihrem Zimmer. Das Zimmer 325 liegt im dritten Stock und der Aufzug ist dort drüben rechts.«
Viktors Blick wanderte nach rechts wo er den metallenen Glanz der Aufzugstür im Schein des Lichts erkannte.
»Soll ich Ihnen mit dem Gepäck behilflich sein?«
»Nein danke, das mache ich alleine. Können Sie mir sagen, wie ich von hier am schnellsten zur Universität komme?«
»Die Buslinie 45 fährt alle 20 Minuten. Die nächste Haltestelle ist keine 100 m von hier. Sie gehen aus dem Hotel und halten sich dann rechts.«
Kalinsky Junior bedankte sich, steckte den Zimmerschlüssel ein und schleppte sein Gepäck zum Aufzug. Nachdem er auf seinem Zimmer angekommen war, breitete er zuerst den Stadtplan auf dem Bett aus und suchte nach der Straße des Hotels. Die Universität lag etwa 1,5
Kilometer entfernt vom Hotel. Der Neue in Berlins akademischen Eliten beschloss mit dem Bus ins Stadtzentrum zu fahren, um dort einen Imbiss zu sich zu nehmen und auf dem Rückweg das Universitätsgelände zu erkunden.
Rasch faltete er die Karte zusammen, überprüfte seinen Bargeldbestand und verließ dann das Hotel in Richtung Bushaltestelle. Im Bus setzte er sich auf einen Fensterplatz und blickte voller Neugier auf diese ihm unbekannte Wirklichkeit. Irgendwie bannte ihn das, was er sah in einer Art und Weise, 35
die ihm bislang fremd war. Solch eine unendlich scheinende Anzahl von Leuchtreklamen, Plakaten und üppigen Schaufensterauslagen hatte er zuvor noch nie gesehen. Sein Auge suchte verzweifelt nach einem Imbissstand inmitten dieser bunten Vielfalt. Da entdeckte er eine Werbetafel von McDonalds. Auf der stand geschrieben: McDonalds 300 m. An der nächsten Haltestelle stieg er aus und schlenderte über den Gehsteig, in Richtung des Restaurants.
Die Paarung Hamburger mit Cola war das, was ihm vorschwebte. Nach dem Kampf durch die Schlange bestellte er zwei Hamburger und eine kleine Cola ohne Eis. Gierig griff er nach dem Tablett und ließ sich auf einem Platz an der Fensterfront nieder. Er achtete auf die Kleider der Jugendlichen, die an ihm vorbeigingen. Mit seinem schwarzen T-Shirt, der Jeanshose und der Jeansjacke unterschied er sich nicht wesentlich vom Rest der Menge. Was mache ich denn als nächstes, überlegte er sich; am besten ich mische mich erst einmal unter die Leute und bummle durch die Einkaufsstraßen, um zu sehen, was es alles so gibt.
Auf der Straße begegneten ihm allerlei interessante Gestalten. Ein Junge mit Discman erweckte seine Neugier. Er hatte die Lautstärke so weit aufgedreht, dass man die Musik deutlich hören konnte. Berlins neuester Schönling wollte so etwas auch haben. Die Pirsch auf alles, was mit Musik zu tun hatte, begann. Mit suchendem Blick 36
wurden die Schaufenster inspiziert. Da - das Gesuchte wurde entdeckt. Der Preis war erschwinglich und im Nu stand Viktor vor der Verkäuferin und verlangte nach dem Discman in der Auslage. Sie riet ihm erst einmal zu einem Probehören und legte umgehend eine CD ein. Die Freude über das Klangerlebnis veränderte das Gesicht des Musikliebhabers derartig, dass die Verkäuferin sich ein kurzes, schallendes Lachen nicht verkneifen konnte. Für einen Moment verschwand sie und kam mit einem anderen Gerät wieder zurück. Das Zweite unterschied sich im Klang nicht vom Ersten, war aber günstiger. Der Discman-Fan entschied sich für das Schnäppchen und nahm dazu zwei CDs mit Hits aus den Achtzigern.
Er verließ den Laden und behielt die Kopfhörer gleich auf.
Die nächsten Stunden waren der Besichtigung von Schaufenstern gewidmet. Ihm fiel auf, dass das Schlange stehen vor einem Laden, so wie er es aus seiner Heimat kannte, hier völlig unbekannt war.
Dem Neuling im Shoppen blieb das Motto des Westens: Für Geld gibt es hier alles, nicht verborgen. Allmählich ließ seine Neugier auf die Konsumartikel nach und ein Gefühl des sich satt gesehen haben’s stellte sich ein. Für heute war seine Shopping-Laune am Limit. Mit müden Beinen machte er sich auf den Weg zur Universität.
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Auf dem Unigelände gab es allerlei zu entdecken.
Da war beispielsweise die Bibliothek, die Viktors Interesse weckte. Er beschloss, einen Blick hinein zu werfen. Dort war es sehr ruhig und einige der Besucher eilten, bepackt mit Büchern, durch die Gänge. Der Neuling erkundigte sich bei einer Bibliothekarin, wie man einen Leseausweis beantragt. Sie reichte ihm ein Formular zum Ausfüllen, was von ihm auch umgehend getan wurde. Zusammen mit seinem Pass gab er es ihr zurück und wartete geduldig, bis sie mit dem Leseausweis wiederkam.
»Entschuldigen Sie, kann ich auch das aktuelle Vorlesungsverzeichnis ausleihen?«
»Ausleihen können Sie es nicht, aber durchsehen können Sie es jederzeit. Es liegt dort vorne auf dem Tisch.«
»Vielen Dank.«
Viktor blätterte in dem Vorlesungsverzeichnis bis er
den
Studiengang
Volkswirtschaftslehre
entdeckte. Er holte sich ein Stück Papier und schrieb die Nummern der Hörsäle und die Adresse des Einschreibung Büros auf. Morgen würde die Suche nach den Räumen beginnen.
Völlig ermüdet von den Ereignissen des Tages, kam er zurück zum Hotel. Kaum war er in seinem Zimmer, fiel er sofort in den Schlaf.
In der Nacht verfolgten ihn die wildesten Träume.
Er stand irgendwo im Stadtzentrum, als plötzlich eine Sirene aufheulte und alle Leute anfingen zu 38
rennen. Der einzige, der stehen blieb, inmitten dieser Menschenmasse, war Viktor, der Fremde.
Verzweifelt wollte er jemanden fragen, was die Sirene zu bedeuten hätte und wohin die anderen fliehen – doch niemand beachtete ihn. Die Ohnmacht gegenüber dieser Turbulenz löste in ihm Angst aus. Mit dem Schwinden der Abwehrkräfte steigerte sich die Angst in der Form, dass die emotionale Isolation ihn in unerträglicher Weise lähmte. Plötzlich bäumte sich etwas in ihm auf und er legte seine Hände auf die Ohren und begann dagegen anzuschreien. Dies erweckte in ihm ein Gefühl von Stärke. Doch das Verhalten der Menschen in seiner Umgebung blieb unverändert.
Das Schreien zehrte seine Energie mehr und mehr auf, bis es völlig ausblieb. Dann brach er zusammen und blieb regungslos am Boden liegen.
In diesem Moment wurde der Gequälte aus dem Schlaf gerissen. Schweißgebadet lag er auf dem Bett und stellte fest, dass alles nur ein Traum war.
Viktor stand auf und ging ins Bad, um sein Gesicht mit kaltem Wasser abzuwaschen. Der Alptraum hatte ihn geschafft. Der Weg zurück ins Bett war mühsam. Er streckte alle Viere von sich und versuchte wieder einzuschlafen. Um 8 Uhr klingelte das Telefon. Müde griff er zum Hörer:
»Hallo«
»Weckdienst. Guten Morgen Herr Kalinsky, es ist jetzt 8 Uhr.«
»Vielen Dank.«
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Der Unausgeschlafene sprang aus dem Bett, holte frische Unterwäsche aus dem Koffer und verschwand im Bad. Heute war ein wichtiger Tag, denn mit der Einschreibung an der Universität wurde sein künftiges Dasein als Student besiegelt.
Nachdem seine Zeugnisse, das Visum und der Pass im Rucksack verstaut waren, stand dem Gang zum Frühstücksbuffet nichts mehr im Wege.
Während des Frühstücks ging ihm allerlei durch den Kopf. Habe ich alle erforderlichen Unterlagen?
Werde ich auch alle Begriffe verstehen? Nach dem Einschreiben, mache ich mich gleich auf die Suche nach einem Wohnheimplatz.
Er stand auf, warf seinen Rucksack auf den Rücken und
marschierte
zur
Bushaltestelle.
Die
Einschreibung selbst verlief eigentlich völlig reibungslos. Die Studenten wurden nach Anfangsbuchstaben
des
Nachnamens
in
verschiedene Bereiche getrennt. Die Schlange in seinem Bereich war nicht allzu lange. Es dauerte etwa 20 Minuten bis Viktor an die Reihe kam. Er grüßte höflich mit einem »Guten Morgen« und breitete dann die erforderlichen Unterlagen vor der Sachbearbeiterin aus. Die sah alles durch und fügte hinzu:
»Ihre Dokumente sind vollständig. Sie müssen nur noch den Semesterbeitrag überweisen. Ich empfehle Ihnen, die Beratung und Betreuung ausländischer Studierender aufzusuchen. Die 40
können Ihnen sicherlich ein paar wichtige Tipps geben.«
»Wo finde ich diese Beratungsstelle?«
»Im Gebäude A 17 in der Goethestraße«
»Wie komme ich am besten dort hin?«
»Sie gehen aus dem Gebäude und biegen links ab.
Anschließend gehen sie 500 m geradeaus und wenden sich rechts in die Goethestraße«
»Vielen Dank für Ihre Hilfe.«
Die Beratungsstelle war schnell gefunden, nur die Frage, was es ihm bringen würde, war noch nicht beantwortet. Viktor ging auf das Gebäude zu, an dessen Eingang geschrieben stand: Beratung und Betreuung ausländischer Studierender 1. Stock, Zi. 115.
Im ersten Stock lief er den Flur entlang und suchte nach der 115. Die Tür zu diesem Zimmer stand offen und darin saßen zwei Student:innen an einem Tisch voller Broschüren. Die eine war eine wunderschöne, dunkelhäutige junge Frau und der andere ein junger Mann aus Asien. Er klopfte an den Türrahmen und grüßte: »Hallo.«
Die beiden drehten sich zu ihm hin und erwiderten:
»Hallo.«
Viktor überlegte nicht lange und setzte sich auf den freien Stuhl neben der Frau. Getrieben von Neugier wollte er wissen:
»Dauert es lange, bis man aufgerufen wird?«
»Ich bin seit 5 Minuten hier.«
»Darf ich fragen in welchem Semester du bist?«
41
»Ich habe mich gestern eingeschrieben.«
»Das habe ich gerade hinter mir.«
»Was willst du studieren?«
»Ich studiere Volkswirtschaftslehre. Übrigens heiße ich Viktor.«
»Ich heiße Sarabina«
»Das ist ein außergewöhnlicher Name. Woher kommst du?«
»Ich komme aus Somalia und du.«
»Ich komme aus Moskau. Was studierst du?«
»Betriebswirtschaftslehre.«
»Schade – dann sehen wir uns ja gar nicht mehr.«
»Tja, das ist wirklich schlimm«, antwortete sie und begann zu lachen.
In diesem Moment ging die Tür zum Beratungszimmer auf und heraus kamen eine Frau und ein indischer Student mit schwarzem Dastar.
Sie wandte sich an die Runde:
»Ich bin gleich wieder zurück, dann geht es weiter.«
Und verließ dann den Raum.
»Hast du von Russland ein Stipendium erhalten?«
»Nein, so gut war ich nicht. Es war für mich nicht so einfach, überhaupt in den Westen zu kommen.
Mein Vater hatte zum Glück die notwendigen Kontakte um alles in die Wege zu leiten.«
»Bei mir war es auch so. Meine Eltern sind nicht vermögend. Ich hoffe das mein Geld für das tägliche Leben ausreicht.«
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»Ich habe noch keine Ahnung wie viel Geld ich benötige um hier leben zu können.«
Kaum hatte er sich ausgesprochen, da kam auch schon die Beraterin ins Zimmer zurück und forderte
den
Nächsten
auf,
ihr
ins
Besprechungszimmer zu folgen.
»Kennst du Berlin?«
»Gestern war ich in der Stadtmitte und bin durch die Einkaufsstraßen gebummelt. Da sah ich einen Jungen mit einem Discman, der mit voller Lautstärke Musik hörte. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich spontan entschlossen habe einen Discman und zwei CDs mit Hits aus den Achtzigern zu kaufen.«
»Hast du schon ein Zimmer?«
»Ich wohne vorläufig im Hotel, bis ich ein Zimmer im Studentenwohnheim habe.«
»Ich gehe nachher zur Universitätsverwaltung und frage nach einem Zimmer im Wohnheim. Kommst du mit?«
»Wenn du mich mit nimmst.«
»Nur wenn du schön anständig bist.«
»Du willst doch nicht sagen, dass ich einen unanständigen Eindruck mache?«
»Das würde ich mir niemals erlauben.«
Da ging die Tür zum Besprechungsraum auf und der asiatische Student erschien im Türrahmen.
Der schaute Sarabina an:
»Du kannst jetzt reinkommen.«
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Sie folgte dieser Aufforderung. Viktor blätterte in den Broschüren, die auf dem Tisch lagen. Da klopfte es am Türrahmen:
»Ist das hier die Beratung und Betreuung ausländischer Studierender?«
»Ja, ich warte hier bis ich an der Reihe bin.«
Der Student setzte sich an den Tisch und begann zu lesen. So verging die Zeit, bis Sarabina wieder herauskam. Viktor fragte sie:
»Wartest du auf mich?«
»Ja klar.«
Danach
kam
er
an
die
Reihe.
Das
Beratungsgespräch dauerte nicht lange. Die Beraterin klärte ihn über alles Mögliche auf, was er als ausländischer Student beachten muss. Viktor hatte nur eine Frage:
»Ist ein Zimmer im Wohnheim billiger, als ein Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt?«
»Ein Zimmer im Wohnheim ist meistens billiger.«
Er bedankte sich und verließ das Zimmer.
Sarabina wartete schon gespannt auf ihn. Sie warf ihren Rucksack auf den Rücken und zusammen verließen sie das Wartezimmer.
»Gehen wir gleich zur Universitätsverwaltung oder willst du vorher noch irgendwo anders hin?« wollte Viktor wissen.
»Am besten ist es, wenn wir gleich dorthin gehen.«
»Warst du schon in der Mensa«
»Nein, aber wir könnten dort nachher zu Mittag essen.«
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Die beiden standen vor dem Verwaltungsgebäude und lasen auf dem Schild am Eingang: Studentenwohnheim Verwaltung 1. Stock, Zi. 110.
Sie öffneten die Tür, gingen die Treppen hinauf und suchten nach der 110. Als sie davor standen meinte Viktor:
»Gehst du als erstes hinein?«
»Ja.«
Sarabina klopfte an die Tür. Als Antwort schallte ihr ein deutliches »Ja bitte« entgegen. Sie öffnete die Tür und streckte vorsichtig ihren Kopf durch den Spalt und sah die beiden Sachbearbeiter hinter ihren Schreibtischen sitzen:
»Hallo, ich hätte gerne ein Zimmer im Wohnheim.
Bin ich hier richtig?«
»Ja, da sind Sie hier richtig. Kommen Sie doch herein.«
meinte der Sachbearbeiter, der am nächsten zur Tür saß. Sarabina trat ein und stellte sich vor den Mann, der sie mit einem neugierigen Blick ansah.
»Bitte nehmen Sie doch Platz«, forderte er sie auf.
»Vielen Dank. Wie schon gesagt, ich hätte gerne ein günstiges Zimmer im Wohnheim.«
»Na wenn's weiter nichts ist, kann Ihnen geholfen werden. Wie viel wollen Sie denn ausgeben?«
»Am besten gar nichts.«
»In der Kategorie haben wir leider nichts anzubieten. Aber für 110 Mark könnte ich Ihnen 45
ein prachtvoll eingerichtetes Zimmer mit Ausblick auf die Straßenbahn anbieten.«
»Das hört sich ja toll an. Ja gut, das nehme ich.«
»Na da kann ich ja gleich den Mietvertrag aufsetzen. Wann wollen Sie denn einziehen?«
»Am liebsten schon heute.«
»Kein Problem, Sie müssen nur noch den Mietvertrag unterschreiben. Vorher geben Sie mir bitte Ihre Personalien. Wie heißen Sie?«
»Sarabina Jamuto.«
»Das ist aber ein schöner Name. Woher kommen Sie?«
»Aus Merka in Somalia.«
»Haben Sie Ihren Ausweis dabei?«
»Ja, hier bitte.«
Er sah sich ihre Papiere an und machte ein paar Notizen in seinen Unterlagen.
»Haben Sie schon eine Bankverbindung?«
»Ja, bei der Stadtsparkasse. Die Bankleitzahl ist 605 301 40 und die Kontonummer 413 75 89.«
»Das Zimmer ist in der Wilhelmstraße 144 im 3.
Stock. Es ist die 320. Den Schlüssel können Sie im Büro des Hausmeisters im Erdgeschoss abholen.
Sie müssen ihm nur diese Kopie des Mietvertrages zeigen.«
Dabei reichte er ihr die Mietverträge zum Unterschreiben.
»Die Miete und die Kaution werden in den nächsten Tagen von Ihrem Konto abgebucht. Die 46
weiteren Abbuchungen erfolgen an jedem Monatsanfang.«
»Wie lange ist der Hausmeister in seinem Büro?«
»Wenn Sie Pech haben, ist er gar nicht in seinem Büro, sondern irgendwo im Wohnheim unterwegs.
In diesem Fall müssen Sie ihn suchen oder auf ihn warten.«
»Ja gut, vielen Dank für Ihren Ratschlag.«
entgegnete Sarabina und packte dabei vorsichtig den Mietvertrag in ihren Rucksack. Sie verabschiedete sich von dem freundlichen Mann mit einem »Tschüss.« und verschwand durch die Zimmertür.
Der wartende Viktor: »Ist alles gut gegangen?«
»Ja klar, ich habe jetzt ein Zimmer für 110 Mark und kann heute schon einziehen.«
»Gratuliere«
und öffnete die Tür:
»Guten Tag, ich hätte gerne ein Zimmer im Wohnheim.«
»Bitte nehmen Sie doch Platz.«
antwortete der Sachbearbeiter. Viktor setzte sich auf den angebotenen Stuhl und fing an zu fragen.
Im Wesentlichen wurde das Gleiche wie zuvor besprochen. Nachdem Viktor seinen Mietvertrag in den Händen hielt, bedankte er sich und verließ das Zimmer.
Sarabina ganz gespannt: »Na, wie ist's gelaufen?«
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»Ich habe ein Zimmer in der Wilhelmstraße 144 im 2. Stock. Die 205.«
»Was, du auch? Dann wohnen wir ja im gleichen Haus. Ich habe die 320 im 3. Stock. Das passt ja ausgezeichnet. Können wir jetzt beruhigt zum Essen gehen?«
»Von mir aus gerne.«
Die beiden warfen ihren Rucksack auf den Rücken und machten sich auf den Weg zur Mensa.
»Wir müssen uns zuerst Essensmarken kaufen.
Die gibt es in diesem Büro neben der Mensa. Eine Marke kostet 1,50. Ich kaufe mir gleich 10 Stück.«
»Schauen wir mal in den Speiseplan, was der Koch uns heute offeriert.«
»Das brauchst du nicht, ich weis es schon. Ich empfehle dir das Menü 1, da gibt es Schweinesteak mit Kartoffeln und Salat.«
»Also gut, dann vertraue ich auf deinen Geschmack.«
Sie stellten sich an das Ende der hungrigen Schlange. Nachdem jeder sein Essen auf dem Tablett hatte, starteten sie die Suche nach einem freien Tisch. Der war schnell gefunden und nach einem gegenseitigen guten Appetit wünschen, wurde die Mahlzeit restlos vertilgt.
»Was haben deine Eltern gesagt, als sie erfuhren, dass du nach Berlin gehen willst?« fragte der Neugierige.
»Einerseits waren sie traurig, dass ich von zuhause weg gehe und andererseits haben sie sich gefreut, 48
dass ich ein Stipendium erhalten habe. Meine Geschwister fehlen mir am meisten.«
Sarabina begann von ihrer Heimat, der Familie und der Vergangenheit zu erzählen. Viktor blickte sie mit leuchtenden Augen an und war hingerissen von ihrer Art und dem, was sie sagte.
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