Endstation unvergesslich by art.TM - HTML preview
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Viererbande in New York
Die Maschine der Delta Airlines mit Sarabina und Viktor an Bord befand sich im Landeanflug auf den New Yorker Kennedy Airport. Es war 4.45 p.m.
Ortszeit und ein prüfender Blick durch das Fenster ergab – es nieselte. Der wasserscheue Viktor:
»Schatzi, hast du einen Regenschirm eingepackt?«
»Don’t panic, im Brief stand wir werden abgeholt.«
»Ich meinte doch, wenn es die ganze Woche über regnet.«
»Sei doch nicht so pessimistisch. Dann kaufen wir uns eben einen.«
Das Flugzeug stoppte und die Fluggäste gingen von Bord. Die Passkontrolle und das Gepäck holen im Baggage Claim verliefen problemlos. Sarabina und Viktor erreichten die Ankunftshalle. Dort schauten sie sich um und entdeckten einen Mann im schwarzen Anzug, der ein Schild mit der Aufschrift „UNO“ hoch hielt.
Die leicht nervöse Herzdame lief winkend voraus in dessen Richtung. Der Mann von der UNO
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entdeckte die beiden und kam ihnen entgegen. Er begrüßte sie im Namen der UNO, stellte sich als Mister Flander vor und sagte, dass er sie nun zum Hotel Plaza bringen würde. Die Autofahrt durch die New Yorker Innenstadt war ein beeindruckendes Erlebnis für die zwei Studenten. Vor allem die nicht enden wollenden Hochhausfassaden der Skyline interessierte sie am meisten.
Sarabina wollte von Mister Flander wissen:
»Wann müssen wir denn zur UNO?«
»Morgen Mittag um 2 p.m werde ich sie abholen.«
Sie erreichten das Plaza, ein wunderschönes Hotel inmitten von New York und parkten das Auto in der Tiefgarage des Hotels.
Mit dem Aufzug fuhren sie ins Erdgeschoss. Mister Flander von der UNO stellte sich an der Rezeption vor und verlangte den Zimmerschlüssel für seine Gäste. Dann drehte er sich zu den beiden um und drückte jedem einen Briefumschlag in die Hand:
»Hier drin sind für jeden 400 Dollar Taschengeld für die Woche. Sollte es nicht reichen, dann melden sie sich einfach bei mir. Hier ist meine Karte.«
Dabei reichte er Viktor seine Visitenkarte:
»Wir haben für sie ein Doppelzimmer mit Halbpension für 7 Tage reserviert. Und vergessen sie nicht, morgen Mittag um 2 p.m werde ich sie abholen. Viel Spaß noch.«
»Vielen Dank für alles. Das Hotel ist spitze. Also bis morgen dann.«
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Sarabina und Viktor reichten ihm die Hand zum Abschied und winkten noch hinterher, während er schon auf dem Weg war, das Hotel zu verlassen.
Viktor fragte die Rezeptionistin:
»Wie lange gibt es denn Abendessen?«
»Bis 10 p.m.«
Sie bedankten sich, schnappten ihr Gepäck und gingen zum Aufzug. Das Zimmer lag im 7. Stock und war wunderschön eingerichtet.
»Bevor ich irgendetwas mache, dusche ich erst einmal mein Liebster.«
»Wenn du fertig bist, gehe ich ins Badezimmer.«
Nachdem sie sich frisch gemacht hatten, beschlossen sie, im Restaurant noch eine Kleinigkeit zu essen.
Sarabina bestellte einen Plaza Salad und einen Multivitaminsaft.
Viktor wollte typisch amerikanisches Essen und bestellte ein texanisches Rindersteak mit Pommes und Salat. Dazu ließ er sich ein frisch gezapftes, helles Budweiser Bier bringen.
Während der Bestellung fragten sie den Ober, wann man die Freiheitsstatue besichtigen könne.
Er sagte, die Öffnungszeiten seien von morgens 10
a.m. bis abends um 8 p.m.
»Fährt ein Bus von hier aus zur Freiheitsstatue?«
wollte Russlands Ideenwunder wissen.
»Nein, nicht direkt, da müssen sie mehrmals umsteigen. Ich empfehle Ihnen, ein Taxi zu 199
nehmen.« antwortete der Ober und ging zurück an die Bar.
»Dann fahren wir morgen früh als erstes zur Freiheitsstatue und kommen dann wieder zurück ins Hotel.« empfahl das somalische Wunderkind.
»Weißt du, wer die Freiheitsstatue gebaut hat?«
»Soweit ich weiß ist die Statue ein Geschenk der Franzosen. Ich schaue mal im Reiseführer nach.«
»Bist du aufgeregt wegen morgen?«
»Ein kleines bisschen. Und du?«
»Eigentlich nicht, das sind ja auch nur Menschen.«
Die beiden aßen zu Ende und verbrachten noch einige Zeit an der Hotelbar. Sie tranken dort ein paar Cocktails und horchten nebenbei den Barkeeper über die Sehenswürdigkeiten von New York aus.
Sie erzählten ihm, dass sie von der UNO
eingeladen wurden, da sie die Gewinner des Ideenwettbewerbs für eine bessere Welt waren.
Der schien davon beeindruckt zu sein und sagte, dass er von dieser Aktion nichts gewusst habe. Er war aber der Meinung, dass jeder sich anstrengen sollte, um die Welt ein bisschen zu verbessern.
Nebenbei empfahl er ihnen, nicht bei Nacht in irgendwelche dunklen Seitenstraßen zu gehen, aufgrund der hohen Kriminalität, die sich meistens nachts abspielt. Viele Personen, die nachts auf der Straße sind, tragen eine Waffe und zögerten nicht davor, sie zu gebrauchen. Nachdem sie genug 200
gehört hatten, bedankten sie sich für die Tipps und gingen auf ihr Zimmer.
Da fiel Viktor ein, dass sie vergessen hatten, an der Rezeption einen Weckruf anzumelden. Er nahm das Telefon und terminierte ihn morgen früh 8 a.m. Nachdem er aufgelegt hatte, kam Sarabina von hinten auf ihn zu und umschloss ihn mit ihren Armen. Zärtlich küsste sie seine Ohrläppchen und begann mit ihren Händen an seinem Körper entlang nach unten zu fahren. Als sie den Knopf seiner Jeans erreichte, stoppte sie und öffnete denselbigen mit ihren geschickten Händen. Sie flüsterte ihm ins Ohr:
»Ich brauche dich heute Nacht. Komm ganz eng an mich.«
»Ich bin bei dir. Ich fühle dich.«
»Du machst mich so heiß.«
»Ich bin verrückt nach dir.«
Seine Jeans fielen zu Boden. Er drehte sich um, umarmte sie und küsste sie leidenschaftlich. Was dann geschah, lässt sich auf zwei Arten erzählen.
Die erste Fassung ist für alle bis zum 18.
Lebensjahr. Die zweite ist für alle, die älter sind.
Er drückte sie an sich Langsam schob er mit und
streichelte
ihr beiden Händen ihr T-
Haar. Die beiden waren Shirt über den Kopf und ein glückliches Paar. legte ihre Brüste frei.
Sarabina fröstelte es Zärtlich begann er, ihre etwas und sie beschloss
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unter
die Brustwarzen
zu
Bettdecke zu kriechen. massieren. Dann Viktor legte sich zu ihr knöpfte er ihr die Hose und nahm sie in seine auf und ließ sie zu Boden Arme. Dann schloss sie gleiten. Er fuhr mit mit einem verträumten seinen Händen unter Blick ihre Augen.
ihren Slip und knetete
ihre Pobacken. Ihr Slip
fiel zu Boden und sie
sagte: »Komm lass uns
ins Bett gehen.«
Viktor zog sich aus und
legte
sich
neben
Sarabina auf das Bett.
Sie küssten sich und
wälzten sich im Bett
umher.
In
wilder
Ekstase vereinigten sich
die beiden. Am Ende
lagen
sie
erschöpft
nebeneinander.
Sie fielen in den Schlaf und erwachten um 8 a.m., als der Weckruf klingelte. Nach dem Frühstück bestellten sie ein Taxi zum Battery Park, an der Südwestspitze in Manhattan. Neben der Fahrt las Sarabina aus dem Reiseführer vor. Sie berichtete, dass der Spitzname der Stadt „Big Apple“ sei und die Freiheitsstatue das bekannteste Wahrzeichen 202
von New York ist. Sie sei als Zeichen der Freiheit von den Franzosen Bartholdy und Gustav Eiffel als Geschenk an die Amerikaner errichtet worden. Die Statue ist 102 m hoch und 250 Tonnen schwer. In ihrem Inneren gab es 22 Stockwerke, aber nur bis zum 10. Stock einen Aufzug. Vom obersten Stockwerk aus hätte man einen herrlichen Blick über die Skyline von Manhattan.
Als sie am Battery Park ankamen, kauften sie sich zuerst zwei Tickets für Studenten und warteten dann an der Anlegestelle auf das Boot, das sie zur Freiheitsstatue bringen würde. Als sie im 22. Stock anlangten und den Ausblick genossen, wurde es Sarabina etwas mulmig:
»Mir ist es ein bisschen schwindelig. Wenn du genug Fotos gemacht hast, möchte ich wieder nach unten gehen.«
Sie schipperten wieder zurück und spazierten dann ein wenig ziellos umher. Zwischenzeitlich war es 11.30 a.m. geworden. Die beiden stoppten ein Taxi und ließen sich zum Plaza chauffieren.
Sie aßen im Hotelrestaurant zu Mittag und gingen dann auf ihr Zimmer, um sich für die Audienz bei der UNO startklar zu machen.
Viktor trug einen grauen Anzug mit weißem Hemd und gelber Krawatte.
Sarabina hatte sich extra für diesen Anlass ein schwarzes Kleid und eine goldene Halskette ausgeliehen. Sie gaben ein schönes Paar ab und hinterließen in ihrem Outfit einen guten Eindruck.
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Nachdem alles perfekt war, schnappte Viktor seinen Fotoapparat und ging zusammen mit seiner Herzallerliebsten hinab in die Hotellobby.
Mister Flander von der UNO kam pünktlich um 2
p.m. Auf dem Weg zum Auto machte er Sarabina ein Kompliment zu ihrem schönen Kleid. Während der Fahrt erzählte sie, dass sie heute Morgen die Freiheitsstatue besucht hatten und davon unheimlich beeindruckt waren.
Er sagte, dass New York eine große Anzahl interessanter Sehenswürdigkeiten habe, sowie, dass die UNO am 25. Juni 1945 von 51 Staaten in San Francisco gegründet wurde und ihr momentan 191 Staaten angehören. Die wichtigsten Aufgaben der UNO sind die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechts, der Schutz der Menschenrechte
und
die
Förderung
der
internationalen Zusammenarbeit. Der Hauptsitz ist in New York. Er selbst sei seit fünf Jahren bei der UNO und arbeite für die Verwaltung.
Währenddessen fuhren sie in die Tiefgarage des UNO-Gebäudes. Im Aufzug erzählte er ihnen, dass sie zuerst vom russischen und vom somalischen UNO-Vertreter begrüßt würden und zum Schluss der UNO-Generalsekretär zu ihnen käme. Die Aufzugtür ging auf und der galante Mitarbeiter führte die beiden zu einem Konferenzraum. In dem saßen bereits fünf Personen an einem großen, runden Tisch. Zwei davon erhoben sich und kamen auf Sarabina und Viktor zu. Der eine stellte sich 204
Viktor als russischer UNO-Vertreter vor und hieß ihn mit einem herzlichen Händedruck willkommen.
Der andere begrüßte Sarabina im Namen der somalischen Regierung und sagte, dass sie stolz auf sie seien und sie sicherlich eine große Karriere vor sich habe. Mister Flander schlug vor, dass sich alle gegenseitig kurz vorstellen sollten, während er den Generalsekretär hinzuholen würde.
Die anderen drei, die noch am Tisch saßen, standen auf und der älteste von ihnen, der sich als UNO-Vertreter der USA ausgab, sagte, dass die anderen
beiden
ebenfalls
Gewinner
des
Ideenwettbewerbs seien. Sie kamen auf Sarabina und Viktor zu und grüßten mit einem »Hallo, wie geht's?«
Der erste stellte sich vor:
»Ich heiße Timothy Akinborough und komme aus Chicago und das ist meine Freundin Theresa Wullenbrook, ebenfalls aus Chicago.«
»Das ist meine Freundin Sarabina Jamuto aus Merka in Somalia und last but not least meine Wenigkeit: Viktor Kalinsky aus Moskau.«
»Ist es nicht ein tolles Gefühl, etwas erreicht zu haben, das weltweit Anerkennung gefunden hat?«
meinte Timothy.
»Wenn ich zurückdenke, wie wir uns hinsetzten und uns einfach ein paar Ideen haben einfallen lassen, dann muss ich zugeben, es fiel uns leicht, diese Aktion zu gewinnen.« stellte Sarabina fest.
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»Uns ging es genauso. Wobei ich zugeben muss, dass Timothy im Vergleich zu mir ständig Ideen hat.« antwortete Theresa.
»Dann sind wir also die auserwählten vier, von Milliarden von Menschen, mit den besten Ideen um die Welt zu verbessern.«
argumentierte Viktor und hielt den Atem an, als die Tür aufging und der Generalsekretär der UNO
im Zimmer erschien. Ihm folgten zwei Fotografen, ein Kameramann und ein paar Leute von der Presse. Der Generalsekretär gesellte sich zu den Vieren und reichte allen die Hand zur Begrüßung.
Er bat alle, sich zu setzen und kündigte die Verleihung von UNO-Ehrenplaketten für die Gewinner:innen des Ideenwettbewerbs an. Zuerst wurde Sarabina aufgerufen. Sie trat vor den Gastgeber, der ihr die Hand reichte und gratulierte. Er erhob die UNO-Ehrenplakette und überreichte sie an Sarabina mit den Worten:
»Sie
haben
der
Weltgemeinschaft
einen
unvergesslichen Dienst erwiesen. Daran soll sie diese Ehrenplakette der UNO ein Leben lang erinnern.«
Während er sprach, bannten die Presseleute diesen Moment für immer auf Zelluloid. Der Vorgang wiederholte sich bei den anderen Dreien in gleicher Weise. Zum Schluss bat der Generalsekretär
alle
Gewinnerinnen
und
Gewinner, ihm in den UNO-Versammlungsraum zu folgen. Den Vieren pochte das Herz, als sie den 206
Raum betraten, den man sonst nur als Normalsterblicher aus dem Fernsehen kennt. Der UNO Oberste trat ans Mikrofon und stellte Sarabina sowie ihre Ideen vor und bat sie ein paar Worte an die Versammlung zu sprechen. Sarabina ergriff das Wort:
»Meine lieben Damen und Herren, ich danke ihnen für die Ehrenplakette. Es wird mir unvergesslich bleiben, dass ich einmal einen Beitrag zur Verbesserung der Welt leisten durfte. Ich habe es gerne getan und es hat mich mit Freude erfüllt, als ich hörte, dass es auch ihnen gefallen hat. Ich wünsche ihnen alles Gute und hoffe, dass bald überall auf der Welt Frieden ist.«
Kaum hatte Sarabina ausgesprochen, da applaudierten alle Anwesenden. Dann stellte der Generalsekretär die restlichen Gewinnerinnen und Gewinner vor. Auch sie sprachen ein paar Worte an die Vollversammlung und ernteten dafür anerkennenden Applaus.
Nachdem
die
Vorstellung
vorüber
war,
verabschiedete sich der Generalsekretär bei allen persönlich. Er wünschte ihnen viel Erfolg und ein gesundes Leben für die Zukunft. Danach führte Mister
Flander
die
Gruppe
aus
dem
Versammlungsraum heraus und zurück in den Konferenzraum. Er sagte ihnen, dass sie hier gerne noch einige Zeit zusammen sitzen könnten und dass er später noch einmal vorbeikommen würde.
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Gerade eben standen sie noch inmitten der Weltöffentlichkeit, doch das, was Geschichte schreibt, war schon wieder an einem anderen geschichtsträchtigen Ort versammelt.
Timothy unterbrach die Stille in dem er sich an die Runde wandte:
»Während wir hier sitzen finden da draußen Kriege statt, verhungern tausende von Menschen, vergrößert sich das Ozonloch, verschlimmert sich die CO2-Problematik, wird der letzte Regenwald abgeholzt, vergrößern sich die Wüstenflächen und so weiter.«
Viktor: »Was willst du dagegen machen? Du hättest ja Ideen zur Lösung dieser Probleme vorschlagen können.«
Timothy: »Die Idee habe ich. Sie lautet: Man muss versuchen,
die
Schadensverursacher
zu
stoppen!«
Sarabina: »Eine einzelne Person hat doch keine Chance.«
Timothy: »Ich wüsste schon wie, aber dazu muss man voll zuschlagen. Mein Motto lautet: „Ich tue alles für meine Einstellung“. Man muss selbst handeln.«
Viktor: »Dadurch machst du dich aber strafbar.
Timothy: »Man darf sich nur nicht erwischen lassen.«
Theresa: »Wir haben schon etwas geplant. Macht ihr mit?«
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Viktor: »Ich begehe aber kein Verbrechen.«
Timothy: »Schuld ist die Wirtschaft. Die können sich immer herausreden. Denen muss man eine verpassen.«
An dieser Stelle natürlich der passende Schlachtruf:
„Wehret euch ihr Arbeitslosen. Es gilt die Welt zu retten.
Timothy auf dem Weg zum Terroristen? Wird sein Ideenreichtum künftig für die Planung von terroristischen Anschlägen, mit Hilfe einer neuen Methode, zweckorientiert eingesetzt? Ist das eine mögliche Strategie für alle Industriespione, um die Konkurrenz auszubooten?
Ist Sabotage wirkungsvoller als Spionage?
Sarabina: »Wie willst du das machen?«
Timothy:
»Wir
wollen
die
Erdölindustrie
sabotieren.«
Theresa: »Eine Bohrinsel oder eine Pipeline in die Luft zu sprengen verschmutzt die Umwelt zu sehr.«
Timothy:
»Das
wollen
wir
nicht.
Eine
Erdölraffinerie ist das perfekte Ziel für einen Bombenanschlag.
Viktor: »Dabei wird doch der Boden mit Erdöl verseucht.«
209
Timothy: »Nein, wenn wir die Fraktionierung sprengen ist die Umweltverschmutzung am geringsten.«
Sarabina: »Kennst du dich in einer Raffinerie so gut aus?«
Theresa: »Wir haben im Internet Pläne einer Raffinerie gefunden und sie vor drei Wochen besichtigt.«
Timothy: »Die Anlage finde ich selbst im Dunkeln.
Was wir benötigen, ist Sprengstoff. Damit kenne ich mich nicht aus.«
Viktor: »Also gut, ich mache mit. Ich weiß wie man mit Sprengstoff und Bomben umgeht.«
Sarabina: »Ich bin dabei. Lasst uns etwas unternehmen.«
Timothy hat es also geschafft, die beiden zu überzeugen. Dies war die Geburtsstunde der Viererbande. Sie waren dabei, das erste Verbrechen zu planen. Eben noch waren sie Vorbilder an braven Weltbürger:innen mit Idealen und Pflichtbewusstsein und nun sind sie unerschrockene Vorkämpfer für eine saubere und intakte Welt. Wenn man den Highway der herkömmlichen Mittel des Protests verlässt und die Waffe in die Hand nimmt, dann bezeichnet man dies als kriminell. Deshalb passt dieses Vorhaben nicht zu ihnen. Man kann nur hoffen, dass es der Viererbande gelingt, das perfekte Verbrechen zu planen.
210
Viktor: »Habt ihr schon eine Raffinerie ausgesucht?«
Timothy: »Eigentlich ja, wir wissen aber nicht woher wir den Sprengstoff bekommen sollen.«
Viktor: »In Russland könnte ich Bomben organisieren.«
Theresa: »Sollen wir es in Russland durchziehen?«
Timothy: »Haben die schon eine Raffinerie?«
Viktor: »Wir haben sogar mehrere.«
Timothy: »Habt ihr eine spezielle Technik oder habt ihr den internationalen Standard?«
Viktor: »Da müsste ich mich erst einmal informieren.«
Theresa: »O.k., das heißt wir brauchen erst einmal genaue Informationen.«
Sarabina: »Ich kann kein russisch und ich falle doch sofort wegen meiner Hautfarbe auf.«
Viktor: »Keine Sorge mein Schatz, du bist nicht die erste Afrikanerin die Russland besucht.«
Theresa: »Ich kann auch kein russisch.«
Da ging die Tür auf und Mister Flander stand im Türrahmen. Die Diskussion verstummte.
»Ich hoffe, sie unterhalten sich alle gut. Es tut mir leid, aber ich muss ihnen mitteilen, dass wir in einer Viertelstunde abschließen. Wenn sie so nett wären und bis dahin ihre Diskussion beenden könnten.«
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Timothy: »Ja, wir sind gleich fertig. In fünf Minuten gehen wir.«
Mister Flander nickte: »Ist gut« und verließ wieder den Raum.
Sarabina: »Gehen wir noch etwas Essen? Mein Magen knurrt schon seit einer halben Stunde.«
Viktor: »Wer kennt sich hier aus?«
Timothy: »Wir könnten die Security Leute am Eingang fragen.«
Theresa: »Warum essen wir nicht in unserem Hotel? Das Plaza hat eine tolle Speisekarte.«
Sarabina: »Ach, ihr wohnt auch im Plaza?«
Theresa: »Ja, die UNO hat uns für sieben Tage ein Doppelzimmer im Plaza reserviert.«
Timothy: »Boys and Girls – auf zu Tisch!«
Die drei folgten Timothys Aufforderung auch an ihren Magen zu denken und verließen, zusammen mit dem eben wieder erschienenen Mister Flander, die Geburtsstätte, der nun zu ihrem Leben gehörenden Freundschaft. Man kann nur hoffen, dass die UNO sich selbst traut und die Konferenzräume nicht abhört. Sonst würde die Viererbande jetzt nicht so fröhlich den Raum verlassen. Ist man eigentlich schon ein Gangster, wenn man ein Verbrechen plant?
212
Was meint denn ihr von der Mafia dazu?
Gelingt es Timothy, die anderen für den Anschlag auf eine Raffinerie zu überzeugen? Die Frage nach dem Sprengstoff dafür war ja schon geklärt. Hören wir zu, was während des Essens gesprochen wird
...
Sarabia: »Sollten wir nicht doch lieber etwas Positives machen?«
Timothy: »Es ist eine gute Sache. Wir helfen die CO2-Problematik zu lösen.«
Viktor: »Die Mehrheit kennt das Problem, es ist ihr aber scheinbar gleichgültig.«
Timothy: »Die CO2-Problematik wäre heute nicht so
dramatisch,
wenn
die
Unternehmen
beispielsweise direkt neben ihren Büroräumen und Fabriken Wohnhäuser für ihre Angestellten gebaut hätten. Dann müssten nicht jeden Tag so viele Pendler mit dem Auto zu ihrer Arbeitsstelle fahren.«
Theresa: »Da haben die Planer für die Infrastruktur
in der Vergangenheit völlig
geschlafen und heute scheint es dafür zu spät zu sein. Die Entwicklungen lassen sich nicht mehr umkehren.«
Viktor: »Die Mehrheit erwartet, dass andere dieses große Problem für sie lösen.
Theresa: »Dabei ist es doch so einfach, man muss eigentlich nur sein Auto gegen eine Zug- oder 213
Busfahrkarte und ein Fahrrad eintauschen. Wenn das noch nicht reicht, dann kann man ja im Winter die Heizung um ein paar Grad nach unten drehen und in der Wohnung einen dicken Pullover tragen.«
Timothy: »Ich sage nur Schluss damit. Die Politik hätte die Macht, sie betreibt aber lieber Wirtschaftslobbyismus. Wir dagegen haben die besseren Argumente aber keine Macht.«
Viktor: »Die haben sich aber abgesichert, denn was du planst, nennen die kriminell.
Timothy: »Wir dürfen uns nur nicht erwischen lassen!«
Theresa: »Was wir benötigen, ist eine perfekte Planung. Lasst uns damit beginnen.«
Timothy: »Ist jeder damit einverstanden, dass wir eine Raffinerie als Ziel nehmen?«
Alle: »Ja.«
Timothy: »Viktor kannst du in Russland den Sprengstoff oder eine Bombe organisieren?«
Viktor: »Ich war Soldat in einem ABC-Waffenlager bei Prawdinsk. Ich könnte beispielsweise eine Brandbombe stehlen.«
Timothy: »Weißt du auch schon wie?«
Theresa: »Moment mal. Ich dachte wir wollten die Umwelt schonen.«
Timothy: »Du meinst wir sollten nur Sprengstoff verwenden?«
Theresa: »Genau.«
214
Timothy: »Dann gibt es aber nur einen kleinen Schaden, der schnell wieder repariert ist. Und kein Mensch redet von unserer Aktion.«
Theresa: »Willst du wirklich ein russisches ABC-Waffenlager cracken? Ich bin doch kein Marine.«
Timothy: »Ich sehe mich in der Aktion als Bruce Lee in der Hülle eines Che Guevara.«
Viktor: »Seid doch nicht so pessimistisch. Ich habe schon einen Plan, wie wir vorgehen können. Wir könnten uns in der Nacht anschleichen und die beiden
Wachsoldaten
am
Eingang
des
Waffenlagers außer Gefecht setzen.«
Nun ist klar, dass Viktor die Hauptaufgabe in dieser Sabotageaktion übernimmt. Er muss Kontakt zum kriminellen Milieu in Russland aufnehmen und die Ausrüstung für die Sabotageaktion besorgen.
Die Viererbande ist kein Team von Profis an Waffen und militärischer Planung. Besteht eine realistische Chance, dass dieser Anschlag gelingt?
Ist weitere Unterstützung von Außenstehenden erforderlich?
Können diese Hobby-Terroristen mit 50%
weiblicher Schlagkraft die russische Armee austricksen?
Wird der Anschlag unter der Prämisse:
„Möglichst
primärenergiefrei"
durchgeführt
werden?
Wird es Tote und Verletzte geben?
215
Sarabina: »Ich will aber niemanden umbringen.«
Theresa: »Könnten wir nicht Betäubungsmunition nehmen?«
Viktor: »Das ist eine gute Idee. Ich will meine Landsleute ja nicht umbringen.«
Timothy: »Wenn es keine Toten gibt, dann sind wir keine Mörder. Dann gibt es nur einen Knall und viel Schrott.«
Viktor: »Wir brauchen viel Geld, wenn ich die Ausrüstung besorgen muss.«
Timothy: »Ich habe einen Sponsor für die Aktion.
Über das Geld musst du dir keine Gedanken machen.«
Theresa nahm ihr Weinglas und prostete den anderen mit den Worten:
»Auf das Vorhaben der Viererbande« zu.
Sie folgten der Aufforderung, erhoben ihre Gläser und stimmten gemeinsam an: »Es möge gelingen.«
Der geplante Anschlag festigte die Beziehungen in der Gruppe mehr und mehr. Jeder wollte einen Beitrag dazu leisten. Die Planung war im Entstehen.
Wie es ablaufen würde und was jeder zu tun hatte, war noch offen.
216
Viktor: »Ich werde notieren, was wir benötigen.
Morgen können wir die einzelnen Schritte der Planung besprechen.«
Timothy: »Wenn wir es uns nicht zutrauen, dann blasen wir die Aktion wieder ab.«
Sarabina: »Aber nicht wegen uns Frauen.«
Theresa: »Ganz meine Meinung.«
Timothy: »Nichts überstürzen. Jetzt gehen wir erst einmal schlafen und reden morgen weiter, wenn Viktor seine Liste zusammengestellt hat.«
Sarabina: »Ich bin müde. Gehen wir aufs Zimmer.
Gute Nacht.«
Ein Tag, den diese vier sympathischen Menschen nicht so schnell vergessen würden, ging zu Ende.
Heute Nachmittag standen sie im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit als strahlende Gewinner:innen des UNO-Ideenwettbewerbs.
Doch
heute
Abend
haben
sie
sich
zusammengefunden, um genau der gleichen Welt ihr Denken aufzuzwingen.
Wohin wird sie das gewaltsame Handeln führen?
Ist die Wahl des Terrorismus die richtige Entscheidung?
Warum reichen ihnen die Mittel, die die Demokratie kennt, für ihren Protest nicht aus?
Als Feind haben sie nicht die Politik, sondern die Wirtschaft ins Visier genommen. Sie sind nicht wie politisch motivierte Terrorist:innen, die Menschen bei ihren Anschlägen opfern. Im Gegenteil, sie 217
wollen mit ihrem Anschlag nur Aufmerksamkeit erregen. Menschen zu ermorden war nicht ihre Absicht.
Timothy und Viktor gingen zur Rezeption, um einen Weckruf für 8 Uhr morgens früh anzumelden. Die beiden Frauen warteten vor dem Aufzug auf ihre Männer. Zusammen fuhren sie in den 4. Stock. Sarabina war am Ende ihrer Kräfte, als sie und Viktor das Zimmer betraten. Sie wollte vor dem Schlafengehen noch duschen.
»Ich dusche mich schnell ab, du kannst ja schon ins Bett gehen.«
»Wenn du fertig bist, dann dusche ich mich.«
Viktor legte sich aufs Bett und schaltete den Fernseher
an.
Er
suchte
nach
einem
Nachrichtensender.
Nachdem
er
einige
Programme durchgezappt hatte, stieß er auf CNN.
Momentan kamen die aktuellen Nachrichten aus den USA. Die Nachrichtensprecherin berichtete über das heutige Geschehen bei der UNO. Viktor wurde ganz aufgeregt:
»Schatzi komm, im Fernsehen berichten sie über die UNO!«
Sarabina stürmte aus dem Badezimmer ins Schlafzimmer:
»Sagen sie etwas über uns?«
Voller Spannung starrte sie auf den Fernseher.
Plötzlich waren die Bilder von heute Nachmittag zu sehen,
als
der
Generalsekretär
den
Gewinner:innen gratulierte. Sie rief vor Freude: 218
»Sehen wir nicht gut aus?«
»Morgen früh sage ich meinen Eltern, dass wir im Fernsehen waren.«
»Das ist eine gute Idee.«
Viktor stand auf und ging ins Badezimmer.
Sarabina lag im Bett und sah Fernsehen. Zehn Minuten später kam Viktor zurück ins Bett. Sie war begeistert:
»Der heutige Tag bleibt mir unvergesslich. Gute Nacht mein Schatz.«
Dann gab sie Viktor einen Kuss und legte sich schlafen.
Um 8 a.m. klingelte das Telefon. Sarabina hob ab und meldete sich. Es war der Weckdienst. Sie stand auf, hob Viktors Bettdecke an und kitzelte ihn an den Fußsohlen. Er fuhr in die Höhe und schrie:
»Aufhören!«
Sarabina lachte und ging ins Badezimmer. Viktor kroch aus dem Bett und setzte sich an den Tisch.
Er begann die einzelnen Schritte für den Anschlag zu planen und notierte alles. Was macht ein angehender Terrorist, wenn er seinen ersten Anschlag plant?
Nun, er ging her und fragte sich, woher kriege ich die Waffen?
Da fiel ihm Boris ein, ein ehemaliger Kamerad aus der
Armee.
Der
hatte
während
seines
Wehrdienstes illegal Waffen an die Mafia verkauft.
219
Er war der richtige Mann, um das Equipment für den Anschlag zu beschaffen.
Aber woher soll das Geld dafür kommen? Das Vermögen von Viktor belief sich auf ein paar hundert Mark. Dafür würden sie nicht viel bekommen. Schießübungen wären von Nöten, um das Gewehr sicher handhaben zu können. Von Sarabina wusste er, dass sie nicht mit einer Waffe umgehen konnte. Seine Hoffnungen diesbezüglich lagen auf Timothy und Theresa.
Am besten wäre es, getarnt als Soldaten in Russland zu agieren. Die alles entscheidende Frage war, wie würden sie in das Waffenlager Prawdinsk gelangen. Er wusste, dass der Eingang des Waffenlagers von zwei Wachsoldaten gesichert war. Da kam ihm spontan die Idee, dass sie mit einem Militärlaster auf das Lager zufahren können.
Dabei müssten sich auf dem Dach des LKW zwei Bewaffnete
verstecken,
die
aus
sicherer
Entfernung die Wachposten niederschießen. Auf dem Gelände des Waffenlagers patrouillieren jede volle Stunde zwei Wachsoldaten. Ab 22 Uhr lagen die restlichen Wachsoldaten in ihren Betten.
Er beschloss, die in ihrer Baracke Schlafenden mit einer Betäubungsgasbombe außer Gefecht zu setzen. Jetzt galt es nur noch, die Patrouille unschädlich zu machen. Viktor entschied, sie während dem Verlassen des Dienstgebäudes mit dem Betäubungsgewehr niederzuschießen.
220
Dann wäre der Weg zu den Bomben frei. Viktor kannte den Zugangscode zum Bomben-Depot.
Nach dem Verladen der Bombe galt es dann, auf dem schnellsten Weg in Richtung Raffinerie zu fahren.
Aus dem Stehgreif kannte Viktor keine. Dies galt es über das Internet zu recherchieren. Hier stockte seine Planung.
Sarabina stellte sich hinter Viktor: »Wie weit bist du mit der Koordination?«
»Ich wäre soweit fertig. Was jetzt noch fehlt ist das Aussuchen der geeigneten Raffinerie.«
»Und wie willst du die finden?«
»Am besten im Internet.«
»Um 9.30 a.m. wollten wir uns mit den anderen zum Frühstück treffen.«
»Von mir aus können wir gehen.«
Theresa und Timothy saßen bereits am Frühstückstisch. Als sie Sarabina und Viktor kommen sahen, winkten sie sie herbei.
»Weißt du schon wie wir an die Bombe kommen?«
wollte Timothy wissen.
Viktor: »Eins nach dem anderen.«
Theresa: »Wir können es kaum erwarten.«
Viktor: »Was uns noch fehlt ist das notwendige Geld.«
Timothy: »Keine Sorge, ich kann genug auftreiben. Was haltet ihr davon, wenn wir die 221
Aktion mit dem Decknamen Summerstorm benennen?«
Alle: »O.k.«
Viktor: »Wer von euch beiden kann mit Waffen umgehen?«
Timothy: »Also ich habe zuletzt beim Militär eine Waffe in der Hand gehabt.«
Theresa: »Ich war einmal im Schützenverein.«
Viktor: »Dann ist ja alles perfekt. Jetzt fehlt nur noch die Raffinerie aus dem Internet.«
Timothy: »Drüben im Foyer steht ein PC mit Online Zugang.«
Sarabina: »Was machen wir nach dem Frühstück?«
Theresa: »Also, wir wollten im Central Park spazieren gehen. Wenn ihr möchtet, dann können wir danach noch das Metropolitan Museum of Art besuchen.«
Sarabina: »O.k. wir kommen mit.«
Nach dem Frühstück ging Viktor ins Foyer und recherchierte im Internet. Die anderen blieben am Tisch sitzen und führten eine angeregte Unterhaltung. Nach einer Viertelstunde kam Viktor zurück und verkündete, dass er eine Raffinerie gefunden habe.
Timothy: »Und wo ist die Raffinerie?«
Viktor: »Sie heißt Rostovgrad und liegt 600 km östlich von Moskau.«
222
Theresa: »Wer von uns erkundet Vor Ort das Gelände?«
Viktor: »Ich bin wohl der einzige, der infrage kommt.«
Sarabina: »Also ich traue mich nicht.«
Timothy: »Wie wäre es, wenn Viktor nach Moskau fliegt und seine Eltern besucht?
Währenddessen machst du einen Abstecher nach Rostovgrad und spionierst aus, ob die Raffinerie bewacht wird.«
Viktor: »Was machen wir, wenn eine Alarmanlage den Zugang zum Gelände sichert?«
Theresa:
»In
diesem
Fall
müssen
wir
auskundschaften, welches Fabrikat und welcher Bautyp es ist?«
Timothy: »Wie bekommen wir Informationen über russische Alarmanlagen?«
Viktor: »Wir müssten mit einer Firma Kontakt aufnehmen, die diese Geräte herstellt.«
Sarabina: »Macht euch nicht verrückt. Wenn es nicht geht, dann machen wir eben etwas anderes.«
Theresa: »Lasst uns gehen. New York wartet auf uns.«
Die vier machten sich auf den Weg zum Central Park. Ein bisschen spazieren gehen in frischer Luft wird den Newcomern in der Industriesabotage Szene sicherlich gut tun.
223
Ist es möglich, dass Timothy mit einer genialen Idee eine vorhandene russische Alarmanlage überwindet?
Oder besteht die Notwendigkeit, mit Gewalt das Ziel zu erreichen?
Die Antwort darauf wird Viktors Erkundung der Raffinerie ergeben. Damit war die weitere Planung des Anschlages vorläufig aufgeschoben, bis die notwendigen Informationen über die Raffinerie ausspioniert waren.
Die Viererbande genoss das frische Grün des Central Parks, mit den darin befindlichen Seen, zum Abschalten von den anstrengenden Gedanken der Sabotageaktion. Es wurde über die Tiere des Zoos und die ausgeflippten Menschen im Park geredet. Nachdem sie genug von Fauna und Flora hatten, beschlossen sie, noch ein wenig Kultur im Metropolitan Museum of Art zu tanken. Sie tauchten ein in die erhabene, künstlerische Atmosphäre von Gemälden und Plastiken, die ein leuchtendes Symbol der von Glanz und Gloria geprägten,
vergangenen
Jahrhunderte
verkörpern.
Timothy: »Beim Anblick dieser epochalen Werke und der damit verbundenen Unsterblichkeit ihrer Schöpfer:innen, drängt es mich selbst einen Beitrag für die Ewigkeit zu leisten.«
224
Theresa: »Hast du schon eine Idee, mit der du den Rest der Welt überzeugen kannst, dass dein Werk für die Ewigkeit bestimmt ist?«
Timothy: »Nein, ich rede nicht von einem kunsthandwerklichen Beitrag, aber ich habe in diesen Minuten etwas Grundlegendes zur Sprache entdeckt.«
Viktor: »Da bin ich aber gespannt.«
Timothy: »Ich verkünde euch meine Entdeckung, die da lautet: Vorstellung und Sprache sind eine Einheit. Damit kannst du in die winzigste Winzigkeit und in die größte Größe im Multiversum vordringen und sie dir erklären. Als Folge des schöpferischen Triebes kann Neues durch das Verstehen des Bestehenden entstehen.«
Sarabina:
»Du
meinst,
da
wo
mein
Vorstellungsvermögen versagt, da gibt es auch keine Erklärung. Dieses wird ewig im Verborgenen bleiben.«
Timothy: »Genau das meine ich.«
Viktor: »Kann das Verborgene überhaupt im Raum existieren? Wenn die Vorstellung den Raum vollständig durchdringen kann, dann schließt es damit das Verborgene im selbigen aus.«
Theresa: »Dann müsste es für das Verborgene ja so etwas wie den irrealen Raum geben. Den kann ich mir wiederum aber nicht vorstellen. Der Raum dient nur als Erklärungvorlage. Eine andere gibt es aber nicht.«
225
Sarabina: »Und was ist mit dem Wort
"Vorstellung"? Gib uns einmal ein Beispiel.«
Timothy:
»In Bildern denken. Pass mal auf. Ich sehe mich auf einem Berg, der einen Schatten in die Ferne wirft, der nicht von seiner Herkunft zeugt. Kannst du dir das vorstellen?«
Viktor: »Das ist ja physikalisch-mathematischer Quatsch was du uns da erzählst.«
Timothy: »In der Realität ist es Quatsch, aber wenn du an einen Film denkst, der durch Bildbearbeitung ein bisschen bearbeitet wurde, dann ist das was ich sage möglich.«
Theresa: »Das eine nennt man Fantasie, das andere Realität. Wobei man in der Realität den Schatten auch durch heimliches Beleuchten mit einer Lichtquelle manipulieren kann.«
Sarabina: »Das nennt man dann aber betrügen.«
Viktor: »Genau. Du kannst mit Hilfe der Physik betrügen, aber nicht die Physik selbst.«
Theresa: »Hast du sonst noch etwas zur Sprachwissenschaft entdeckt?«
Timothy: »Ich habe mir mal Gedanken gemacht, wo unsere Sprache herkommt. Da kam ich auf Babygeschrei. Die haben noch nie etwas vom ABC
gehört und benutzen es schon.«
Sarabina: »Mensch da hast du ja recht. Dieses Ääähh und Iiihhh sind Buchstaben.«
Timothy: »Deshalb behaupte ich, dass Emotionen die Sprache bestimmten, die wir heute verwenden.
226
Denn Babys schreien, wenn sie sich unbehaglich fühlen. Und das nennt man Emotionen.«
Viktor: »Du kannst das aber nicht beweisen.«
Timothy: »Da hast du recht. Aber kannst du beweisen, dass es nicht so ist.«
Viktor: »Das kann ich nicht. Also gut, ich gebe ja zu, das im Babygeschrei manche Buchstaben zu hören sind.«
Timothy: »Ich gebe euch mal ein anderes Beispiel zur Sprache. Du kannst beispielsweise etwas beobachten, ohne das du die sprachlichen Mittel hast, es zu erklären und du bist trotzdem in der Lage es zu verstehen.«
Theresa: »Kennst du jemanden, der überhaupt keine sprachlichen Mittel besitzt? Wenn du es aber jemandem erklären musst, dann brauchst du so etwas wie Sprache. Oder hast du etwas Besseres?«
Timothy: »Also wenn du mich so fragst, da kann ich nur sagen: Sprache – was sonst.«
Sarabina: »Ok. lasst uns gehen. Nach dem anstrengenden Gespräch brauche ich erst einmal ein wenig Erholung.«
Die Viererbande verließ das Museum, in dem sie außer der Bewunderung von Ausstellungsstücken ein bisschen Denksport betrieben haben. Timothy hat die Gruppe mit seinen neuesten Erkenntnissen der Sprachwissenschaften, aus der Analyse von Babygeschrei konfrontiert. Nun, wir alle waren 227
schon einmal Babys und wissen daher was gemeint ist. Timothys Thesen basieren natürlich wie immer, nicht aufgrund von wissenschaftlicher Forschung, sondern sind ein Resultat seiner logischen Schlussfolgerungen. Deshalb ist man auch immer in der Lage, sie zu verstehen.
Obwohl die Gruppe Timothys Ideen heftig kritisiert, gelingt es ihm doch immer wieder, sie letztlich zu überzeugen, dass in dem, was er sagt, ein bisschen Wahrheit steckt. Für Timothy gilt eben doch eine seiner Thesen, die da lautet: Der freie Erfindergeist ist der Schöpfer meiner Zukunft ...
Und wenn er anderen davon erzählt, dann stellt er an dieselbigen die Frage:
Bin ich die Summe meiner Vergangenheit oder der Wille meiner Gegenwart?
Nun, Timothy beantwortet dies damit, dass jeder Mensch anders ist und für ihn das Letztgenannte gilt.
Sie stoppten ein Taxi und fuhren zurück ins Hotel.
Auf der Fahrt sahen sie einen rennenden Mann mittleren Alters, der von zwei uniformierten Polizisten verfolgt wurde. Timothy scherzte mit dem Taxifahrer:
»Ist heute der New Yorker Marathon?«
»In der Zeitung stand nichts davon.«
228
»Wir könnten ja mal beim Bürgermeister anrufen.«
»Stören Sie den lieber nicht in seinem Mittagsschlaf.«
In den nächsten Tagen bis zur Abreise erkundeten sie Sehenswürdigkeiten wie den Broadway, den Times Square und Chinatown. Am letzten Tag, morgens beim Frühstück, besprachen sie noch einmal alle Aufgaben, die das jeweilige Bandenmitglied zu erledigen hatte:
Viktor hatte die schwierigste Aufgabe. Von ihm wird es abhängen, ob der Anschlag überhaupt durchgeführt werden kann.
Timothy war damit beauftragt, das Geld für die Ausrüstung zu beschaffen.
Alle mussten in den nächsten Monaten den sicheren Umgang mit dem Gewehr und der Pistole üben.
Schließlich
wollten
die
Vier
eine
schlagkräftige Terrorgruppe sein. Geschossen werden sollte zwar nur mit Betäubungsmunition, aber trotzdem galt es, den Feind zu treffen, um ihn außer Gefecht zu setzen. Dies machte sie wahrscheinlich zur einzigen Soft-Terrorgruppe der Welt.
Kann es sein, dass der Anschlag der Viererbande vorbildlich für die Hardcore Terroristen sein wird?
Ist Soft-Terror der neue Hit im Terror-Milieu?
Werden nach dem Anschlag international gesuchte Terrorist:innen die Viererbande kontaktieren, um 229
neue Anschläge zu planen? Nicht zu vergessen ist auch, dass Sarabina dann das erste Mal ein Gewehr in den Händen halten wird. Es bleibt abzuwarten, welche Folgen das haben wird.
Viktor: »Wenn ich alles erkundet habe, melde ich mich bei euch und dann können wir den Zeitpunkt für den Anschlag festlegen.«
Timothy: »Es hört sich gut an, aber das ist doch alles Planwirtschaft, ich dachte die Kommunisten hätten die Schlacht verloren.«
Sarabina: »Willst du es lieber ohne vorherige Planung?«
Timothy: »Das war doch nur ein Scherz.«
Theresa: »Beruhigt euch wieder, es ist doch alles in Ordnung.«
Da kam ein Ober an den Tisch und sagte, dass das Taxi für Kalinsky angekommen sei. Sarabina und Viktor verabschiedeten sich von Theresa und Timothy mit den Worten:
Wir melden uns, wenn wir alle Informationen haben.
Sie reichten sich die Hände und umarmten einander in freundschaftlicher Weise. Dann packten sie ihre Koffer und gingen zum Taxi. Die beiden setzten sich auf den Rücksitz und genossen ausgiebig eine Bussi-Pause, während der Fahrt zum Flughafen. Auf halber Strecke legte der Taxifahrer eine Vollbremsung hin und das 230
landete
beinahe
auf
den
Vordersitzen. Der Taxifahrer fluchte: Du verdammter Straßenköter!
Der Grund dafür war ein herrenloser Hund, der kurzfristig beschlossen hatte, den Gehsteig zu verlassen und die Straße zu überqueren. Das Überleben des Hundes zeigte wieder einmal, dass Taxifahrer, aufgrund der ständigen Übung, eben doch die besseren Autofahrer sind.
Und aus der Ferne grüßt der Hund, der der New Yorker Task Force für Doggy Pancakes (Städtische Einsatzgruppe, um Tierkadaver auf der Straße zu beseitigen) um Haaresbreite von der Schippe gesprungen ist. Nun, diese und auch andere vom Überlebenskampf in der Großstadt gezeichneten Tiere müssen und wollen auch nicht die Opfer von schläfrigen Autofahrer:innen werden.
Übrigens werden tote Tiere in der Verkehrsstatistik nicht berücksichtigt, da dies nur zu einer Mehrbeschäftigung im öffentlichen Dienst führen würde. Etwas, was die Verantwortlichen im Staat, aufgrund der Kostensteigerung, strikt ablehnen.
Die weitere Fahrt verlief ohne berichtenswerte Störungen. Bald schon hatten die beiden eingecheckt
und
saßen
auf
den
ihnen
zugewiesenen Sitzplätzen im Flugzeug. Im Vergleich zum Hinflug war der Rückflug ein bisschen turbulenter. Es gab mehrere Ups and Downs über dem Atlantik, die aber nicht auf den 231
Flugstil des Piloten, sondern auf das Wetter zurückzuführen waren. Einige der Fluggäste äußerten ihre Angst vor dieser Art des Fliegens durch lauthalse Rufe wie „Uaah“ und „Ach Gott“.
Die an Bord befindlichen Stewardessen, mit ihrer Erste Hilfe Ausbildung, mussten in keinem der Fälle einschreiten, da die betreffenden Personen sich von selbst wieder beruhigten.
Was noch erwähnenswert wäre, ist der Vorfall mit dem
aus
seinem
Käfig
ausgebrochenen
Kanarienvogel. Dessen Besitzer gab sich alle Mühe, das seine Freiheit errungene Tier wieder einzufangen. Der Gestresste rannte durch die Gänge und stürzte sich voller Hingabe auf das gerade an einer Stelle verweilende Vögelchen, wobei er hin und wieder mit anderen Fluggästen in harmlosen bis leicht schmerzlichen Körperkontakt kam. Letztlich gelang es einer Frau mit Hilfe von Brotkrümelchen und einer flinken Reaktion, dass gerade fressende Tier mit ihrer Hand zu packen.
Der außer Atem geratene Mann bedankte sich vielmals bei ihr und sperrte den ausgebrochenen Kanarienvogel wieder in den Käfig.
Sarabina und Viktor hatte diese Vogeljagd köstlich amüsiert. Als echte Freunde der frei lebenden Tiere bedauerten sie es natürlich, dass der Vogel sich überlisten hat lassen und wieder in Gefangenschaft geraten war.
Es dauerte nicht mehr lange und das Flugzeug setzte sicher auf der Landebahn des Flughafens 232
Tegel auf und die Fluggäste begannen zu applaudieren. Der Star des Moments bedankte sich und wünschte allen an Bord einen schönen Tag und eine gute Weiterfahrt. Sarabina und Viktor beeilten sich und waren umgehend wieder auf dem Weg ins Studentenwohnheim.
Völlig ermüdet von den Strapazen der Reise, beschlossen sie, sich erst einmal ein paar Stunden auszuruhen.
Sie
verabredeten
sich
zum
Abendessen um 20 Uhr bei Viktor. Fünf Minuten vor 20 Uhr stand Sarabina auf und steckte etwas Geld in die Tasche. Sie rannte die Treppen hinunter und klopfte an Viktors Zimmertür. Die Tür öffnete sich und im Rahmen stand der angezogene Viktor, der es nicht erwarten konnte, seiner Allerliebsten einen Kuss zu geben. Sie fragte, wohin sie zum Essen gehen würden. Viktor schlug vor, zum Alexanderplatz zu fahren und dort nach einer Pizzeria zu suchen. Der Platz erhielt seinen Namen 1805 zu Ehren des russischen Zaren Alexander I. Heute ist der Alexanderplatz mit der Weltzeituhr ein beliebter Treffpunkt.
Die beiden verbrachten einen romantischen Abend beim Italiener und aßen köstlich zubereitete, mediterrane Speisen. Wobei Viktor bemerkte, dass der Pizzaboden beim Pizzabäcker in New York etwas
knuspriger
und
der
Käse
etwas
aromatischer sei. Sarabina dagegen war mit ihrem Essen voll auf zufrieden. Nach dem Abendmahl gab der Chef des Ristorante noch einen Ramazotti 233
aus. Etwas, das nicht selbstverständlich ist, weil es mehr eine persönliche Geste als eine nationale Sitte ist. In bester Ramazzotti-Stimmung verließen sie das Restaurant. Sarabina hakte sich bei Viktor ein und erkundigte sich mit mütterlicher Fürsorge: »Soll ich nachher deine Wäsche mitwaschen?«
Die Tatsache, dass jemand anderes seine Kleider wäscht, kannte er eigentlich nur von zuhause. Im Sinne eines ökonomischeren Verhaltens stimmte Viktor dem Vorschlag zu:
»Ich gebe dir dafür den Coin für die Waschmaschine.«
»Soll ich dir dafür deine Unterwäsche bügeln?«
»Das hat ja nicht einmal meine Mama gemacht.«
»Deshalb liebst du mich mehr als sie.«
»Das bleibt unser Geheimnis. Verrate es ihr ja nicht.«
»Und wenn ich es tun würde, könnte es sein, dass sie dich dann enterbt?«
»Ich bin ein Einzelkind, die können mich gar nicht enterben.«
Der Kampf der Geschlechter ist nicht zu überhören. Ist es eine List von Sarabina die fürsorgliche Rolle der umsorgenden Hausfrau zu spielen, um das Erbe von Viktor zu ergattern? Wird Viktor, der erfahrene Schachspieler, einen Ausweg aus dieser tricky Konstellation finden? Oder ist das alles Quatsch und es handelt sich dabei nur um 234
pure Liebe? Die Antwort darauf kennt nur Sarabina.
Seine Herzallerliebste:
»Vergesse nicht deine Eltern anzurufen.«
»Keine Sorge, die sind sicherlich ganz heiß darauf, etwas über New York zu hören.«
»Grüße sie von mir.«
»Ich sage ihnen, dass wir beide in den Semesterferien nach Moskau kommen.«
Die nächsten Wochen bis zu den Semesterferien verbrachten die beiden mit Vorlesungen und Lernen. In den Pausen nutzten sie jede Stunde, um ihr Leben so interessant wie möglich zu gestalten.
Sie fuhren zu Famous Places, als da wären: der Potsdamer Platz, der Berliner Fernsehturm, das höchste Gebäude von Berlin, inmitten der Hauptstadt. Sie besuchten die Tiere im Zoologischen Garten. Viktor erkundigte sich beim Löwenwärter, ob seine Schützlinge an Knochen interessiert wären. Er hielt das für eine gute Idee und bedankte sich dafür im Voraus.
Am Abend vor den Semesterferien fuhren Sarabina und Viktor mit dem Bus zum Flughafen Berlin Tegel. Sie waren auf dem Weg nach Moskau, um Viktors Heimat zu besuchen. Sarabina war ganz aufgeregt, denn sie wusste nicht, wie seine Eltern auf sie reagieren würden. Schließlich sahen sie sich ja das erste Mal.
235
Die beiden kamen aus der Zollabfertigung des Moskauer
Flughafens
und
gingen
zur
Ankunftshalle, wo Vater und Mutter bereits warteten. Bei der Vorstellung Sarabinas waren sie von ihrer herzlichen Art positiv überrascht. Die Schwiegertochter in spe freute sich über die sympathischen Eltern. Zusammen fuhren sie zurück in ihre Moskauer Wohnung. Während Frau Kalinsky in der Küche das Essen vorbereitete, saßen die anderen am Esszimmertisch und unterhielten sich.
Sein Vater wollte wissen:
»Und wie war das erste Semester?«
»Bis auf Makroökonomie ist alles gut zu verstehen.«
»Was ist Makroökonomie?«
»Das ist die Wissenschaft über die Verflechtungen von Unternehmen, Staat und
Konsument:innen. Alles über die Geldströme die im Inland fließen und vom
Ausland ins Inland und vice versa.«
»Das hört sich ja alles ganz spannend an. Dir fällt es schwer, das zu verstehen?«
»Von Makroökonomie habe ich in der Schule noch nie etwas gehört.«
Da ging die Tür auf und die Mutter erschien mit zwei
großen
Porzellan-Schalen
voller
Köstlichkeiten. Sie stellte sie auf den Tisch:
»Ich hoffe, ihr seid alle hungrig.«
236
Dann ging sie zurück in die Küche und kam mit einer Platte voller Rindersteaks wieder. Sie setzte sich zu den anderen und eröffnete den Gaumenschmaus:
»Greift zu, es ist genug von allem da. Guten Appetit.«
Alle: »Danke ebenfalls.«
Viktor: »Könnte ich für die nächsten drei Tage dein Auto haben?«
Vater: »Wofür brauchst du es?«
Viktor: »Wir wollen ein paar Tage ins Landesinnere fahren.«
Vater: »Du kannst es gerne für drei Tage haben. Wann?«
Viktor: »Morgen früh wollen wir aufbrechen.«
Mutter: »Wo wollt ihr übernachten?«
Sarabina: »Wir werden schon etwas passendes finden.«
Vater: »Hast du eine Straßenkarte?«
Viktor: »Nein, aber ich könnte eine gebrauchen.«
Sarabina: »Das Essen schmeckt sehr gut. Können Sie mir das Rezept geben.«
Mutter: »Danke. Ich schreibe es euch gerne auf.«
Vater: »Und wie lebt es sich in Deutschland?«
Sarabina: »Im Vergleich zu Somalia ist das, was man zum Leben benötigt, um einiges teurer. Ich muss mir ständig Gedanken machen, ob ich mir das, was mir gefällt, auch leisten kann.«
Viktor: »Das muss ich auch. Ihr müsst mir deswegen aber nicht mehr Geld geben.«
237
Vater: »Ich könnte dir auch nicht mehr geben, schließlich sind meine Mittel auch begrenzt.«
Mutter: »Habt ihr deutsche Freunde?«
Sarabina: »Wir kennen einige, aber richtige Freunde sind das noch nicht.«
Viktor: »Das liegt daran, dass wir beide lieber zweisam sind.«
Vater: »Wenn du aber mal Hilfe brauchst und keine Freunde hast, dann bist du schlecht dran.«
Viktor: »Macht euch keine Sorgen, es wird schon alles gut gehen.«
Eltern können es eben nicht lassen, gute Ratschläge zu geben. Wenn sie von dem Anschlag wüssten, den Viktor plant, dann würden die Fetzen fliegen. Schließlich ist Viktors Vater ein hoher Offizier und deshalb sicherlich wenig entzückt, wenn sein Sohn die Absicht hat, Terrorist zu werden. Vor allem wenn er wüsste, dass das ganze auf der Idee eines Amerikaners basiert.
Nach dem Essen sagte Viktor, dass sie noch spazieren gehen möchten. Sie zogen sich an und verließen das Haus. Sie fuhren mit dem Bus in die Innenstadt und bummelten noch etwas in den Einkaufspassagen. Er schlug vor, in einer Kneipe noch ein Glas Wodka zu trinken. Nach dem Essen schien ihm das genau das Richtige zu sein. Für Sarabina war es die erste Erfahrung mit russischem Wodka. Sie zeigte nach dem ersten 238
Schluck die typischen Verkrampfungen im Gesicht, die bei allen nicht geeichten Wodka-Trinker:innen auftreten. Doch bei der schummrigen Beleuchtung in der Kneipe fiel das gar nicht auf. Da kam ein fröhlicher russischer Trinkbruder zu Viktor und klopfte ihm auf die Schulter:
»Ich habe noch nie einen Russen mit einer schwarzen Frau gesehen.«
»Ja, das ist heute Morgen geschehen. Sie ist beim Bäcker solange in der Schlange gestanden, bis sie vor Ärger schwarz wurde.«
Da lachte der Fremde:
»Das kann uns Russen ja nicht passieren. Lass uns darauf einen trinken. Verträgt deine Freundin noch einen Wodka?«
»Besser nicht. Sonst muss ich sie nach Hause tragen.«
»Ich kann dir ja dabei helfen.«
»Mach dir keine Sorgen Brüderchen, dass erledige ich alleine.«
Sarabina konnte ihre Neugier nicht verbergen:
»Worüber redet ihr denn?«
»Über alte russische Männerweisheiten.«
»Pass ja auf und lasse dich auf nichts ein.«
»Keine Sorge mein Schatz, wir werden schon heil nach Hause kommen.«
Weil es schon spät geworden war, sagte Kalinsky Junior zu seinem russischen Trinkbruder: 239
»Brüderchen, wir gehen jetzt. Wir werden uns in diesem Leben bestimmt einmal wieder sehen.«
Dann reichte er dem Fremden die Hand und verließ zusammen mit Sarabina die Kneipe. Sie fuhren mit dem letzten Bus zurück. Die Eltern waren schon zu Bett gegangen, als die beiden die Wohnung betraten. Sie schlichen sich in Viktors Zimmer und nutzten die günstige Stunde für eine intensive Bussi-Pause. Das wilde Durcheinander des Zungenspiels blieb nicht ohne Folgen. Der vom Wodka berauschte Viktor inszenierte spontan ein kleines Theaterspiel, in dem er die Rolle eines römischen Gottes einnahm und die nackt auf dem Bett liegende Sarabina mit seinem Phallus eroberte. Sarabina, die die Rolle einer unberührten Schönheit von übersinnlicher Ausstrahlungskraft spielte, stöhnte vor Lust auf und gab sich der ihr übermächtig gegenüberstehenden Männlichkeit hin. Dem erotischen Schauspiel folgte ein von Ekstase wonnetrunkenes ineinander Schmelzen der Körper des Liebespärchens. Nach dem Höhepunkt lagen die beiden eng umschlungen und in Schweiß gebadet auf dem Bettlaken. Sie sahen sich dabei tief in die Augen und Viktor flüsterte seiner Liebsten ins Ohr:
»Mein Schatz, gibt es etwas schöneres als Sex mit einer theatralischen Handlung zu verbinden? Ich finde das entfacht das Liebesleben aufs Erotischste.«
Sarabina hauchte ihm entgegen:
240
»Oh Viktor, noch nie war Sex so spannend für mich.«
»Das soll auch immer so bleiben.«
Glücklich und zufrieden fielen die beiden in den Schlaf. Am nächsten Morgen standen sie in aller Frühe auf, um Viktors Eltern nicht zu begegnen.
Sie frühstückten genüsslich in der Küche und machten sich ein paar Sandwichs für die Reise.
Dann trugen sie ihr Gepäck zum Auto und fuhren nach Prawdinsk. Es war 5 Uhr morgens und bitterkalt. Kaum ein Auto war auf der Straße.
Moskau war wie ausgestorben. Bald schon erreichten sie den Stadtrand und kamen auf Schnee verschneite Straßen, die nur ein langsames Vorankommen ermöglichen. Im Radio spielten sie russische Popmusik und berichteten hin und wieder über die Straßenlage auf den Autobahnen.
»Was machen wir, wenn wir in Prawdinsk sind?«
»Ich muss kontrollieren, ob es immer noch zwei wachhabende
Soldaten
am
Eingang
des
Waffenlagers gibt oder ob sich daran etwas geändert hat.«
»Können wir da einfach so hinfahren und nachsehen?«
»Warum nicht? Wenn sie uns anhalten und befragen, dann lügen wir eben ein bisschen.«
»Und wenn sie uns verhaften?«
241
»Wir machen doch nichts verbotenes und Waffen haben wir auch keine dabei.«
»Was wäre wenn wir Waffen dabei hätten?«
»Keine Ahnung. Wahrscheinlich würden sie uns verhaften. Wenn wir den Anschlag durchführen, dann sind wir ja in Uniform. Ich habe es noch nicht erlebt, dass die Polizei ein Militärfahrzeug anhält und durchsucht.«
»Mach mir keine Angst.«
»Keine Sorge mein Schatz, es wird alles bis ins kleinste Detail geplant.«
»Wenn da nur nicht Murphys Law wäre.«
»Wenn ich etwas plane, dann hat Murphy keine Chance.«
»Also gut, wir setzen unser Leben ja für eine gute Sache aufs Spiel.«
Währenddessen erreichten sie die Zufahrt zum Waffenlager
Prawdinsk.
Viktor
entschied,
geradeaus auf das Waffenlager zuzufahren. Er kam näher und näher auf die Einfahrt zu und stellte zu seiner Freude fest, dass nur zwei Soldaten am Tor Wache hielten. Die Wachsoldaten stoppten ihn und hielten ihre Maschinengewehre im
Anschlag.
Viktor
drehte
die
Autofensterscheiben herunter und sagte den Soldaten, dass er sich verfahren habe. Einer der Soldaten:
»Wo wollen Sie denn hin?«
»Wir wollen nach Prawdinsk.«
242
»Da müssen Sie zurück bis zur Hauptstraße fahren und dann nach links abbiegen.«
»Vielen Dank und Entschuldigung, dass wir Sie belästigt haben.«
Dann kurbelte er die Scheiben wieder hoch und legte den Rückwärtsgang ein. Er fuhr zurück bis zur Kreuzung und bog dort links ab. Die Stadt Prawdinsk lag drei Kilometer entfernt. Viktor beruhigte Sarabina:
»Hast du gesehen, es sind nach wie vor zwei Wachen am Eingang postiert. Es ist alles noch so wie zu meiner Militärzeit.«
»Weißt du noch etwas aus deiner Militärzeit?«
»Wir haben böse Sachen gemacht.«
»Komm mach es nicht so spannend.«
»Während
meiner
Scharfschützenausbildung
campierten wir einmal auf einer Wiese. Dort gab es jede Menge Feldmäuse. Einer aus unserer Gruppe, genau genommen ich, kam auf die Idee den Feldmäusen in den Hintern zu schießen.«
»Die armen Tiere.«
»Du, es ist gar nicht so einfach, auf hundert Meter einer Feldmaus in den Hintern zu schießen. Weißt du übrigens warum weibliche Feldmäuse rückwärts ins Mauseloch gehen?«
»Weil der Mäuserich schon drin ist.«
»Nein, weil sie Angst haben, dass das Schwänzchen nicht reinpasst.«
»Haben dir das die Mäuse erzählt?«
243
»Das bleibt mein Geheimnis. Was hältst du davon im hiesigen Cafe Creme etwas zu trinken?«
»Das ist eine gute Idee bei der Kälte.«
Viktor manövrierte souverän den geliehenen Lada, der mühelos über die Schneebeladene und mit Eiskrusten durchsetzte Fahrbahn dahinrollte.
Infolge des rechtsseitigen Lenkradeinschlages geriet das Auto ins Schlittern. Aufgrund des überlegenen Fahrstils und der Fahrerfahrung in russischen, winterlichen Straßenverhältnissen, gelang es Viktor, das Fahrzeug sicher, in diesem Dahingleiten,
auf
einen
freien
Parkplatz
zuzusteuern. Kaum war das Auto zum Stillstand gekommen, da lag auch schon Sarabina um Viktors Hals und lobte ihn als den Lada Snow Gliding Shooting Star des Jahres. Beim Aussteigen blies ihnen der alles durchdringende und auf der Haut
so
stichig
auftreffende,
sibirische
Nordostwind mitten ins Gesicht. Jäh stieg in Sarabina ein Frösteln auf, das sich zu einem Bibbern des ganzen Körpers steigerte und in einem hörbaren Zähneklappern gipfelte. Mit gequälter Miene brachte sie hervor:
»Uaahh, lass uns ja schnell rein gehen.«
Viktor umarmte sie und zog sie mit sich hinein in den vor Wärme überquellenden Raum des Cafe Creme. Dort kam ihnen ein Duft von Kaffee und Kuchen entgegen. Sie waren die einzigen Gäste und setzten sich an den Tisch neben der Yucca-244
Kunststoff Palme, die einen nicht mehr ganz so frischen Eindruck machte.
Eine Bedienung kam herbei und fragte, was sie zu trinken wünschten. Viktor orderte für sich einen Eiskaffee mit gestoßenem Eis aus der Taiga und eine russische Cola für Sarabina. Die fragte ihn, was er denn für sie bestellt habe?
»Ich habe dir eine russische Cola bestellt.«
»Was ist denn eine russische Cola?«
»Das ist ein Kaffee mit Sahne, einem Schuss Nusslikör und Zimt.«
»Mensch ich will doch keinen Alkohol trinken.«
»Reg dich nicht auf, das sind doch nur ein paar Tropfen Likör mit ganz wenigen Prozenten. Das ist ein typisches Frauengetränk in Russland und sehr beliebt.«
»Also gut, mal sehen ob ich den gleichen Geschmack habe.«
»Entschuldigung, ich muss mal auf die Toilette.«
Sarabina widmete sich ihrer russischen Cola und fand, dass diese sehr gut schmeckte. Auf Viktors Geschmack konnte man sich verlassen. Plötzlich überkam sie der Hunger auf Süßes. Als Viktor von der Toilette zurückkam:
»Ich habe heiße Gelüste auf Süßes. Schau doch mal in der Karte, was sie anbieten.«
»Wie wäre es mit einem Schokoladenkuchen?«
»Ist da auch Alkohol drin?«
»Ich frage mal nach.«
245
Die Nachfrage ergab, dass der Schokoladenkuchen frei von jeglichem Alkohol war. Kaum stand der Kuchen vor Sarabina, da verschwand auch schon der erste Leckerbissen in ihrem Munde. Sanft drückte sie das Gegessene an ihren Gaumen und gab mit einem »Mmmh, das schmeckt gut« ihre Meinung zum Besten.
»Wenn er wirklich so gut schmeckt, dann gebe mir doch davon ein bisschen ab.«
Die Genießerin verwöhnte ihr Herzblatt mit einem Stückchen:
»Etwas guten Kuchen für meinen Schatzi.«
Der war von dem Gaumenschmaus ganz hingerissen:
»Kannst du so einen Kuchen für mich backen?«
»Wenn du mir das Rezept gibst.«
»Ich frage mal die Bedienung.«
Viktor erkundigte sich bei der Bedienung und erfuhr, dass der Kuchen vom hiesigen Konditor gebacken wurde. Das Rezept kenne sie leider nicht.
»Schatz, bist du soweit? Wir sollten jetzt aufbrechen, sonst wird es zu spät.«
Viktor zahlte die Rechnung und gemeinsam verließen sie das Cafe. Ausgeruht und frisch gestärkt für die Fahrt nach Rostovgrad, stiegen sie ins Auto und fuhren los.
Die in jungfräulichem Weiß bedeckte, scheinbar unendliche Weite des russischen Hinterlandes, 246
über die einst Attila der Hunnenkönig mit seinen wilden Horden nach Europa vorstieß, lag vor ihnen.
Der
Lada,
konstruiert
um
den
unbarmherzigen russischen Wetterbedingungen das technisch mögliche abzutrotzen, erkämpfte sich unbeirrt seinen Weg durch dieses Inferno.
Durch die Autofenster sahen sie, wie Menschen, eingehüllt in dicken Pelzmänteln und Pelzmützen, mühsam ihren Weg durch Schnee und Eis bahnten.
Was für Pelze das waren, konnte man auf den ersten Blick nicht erkennen, es könnten aber wertvolle Zobel gewesen sein. Ob die Pelztiere von Wilderern heimlich getötet und gehäutet wurden, bleibt ein Geheimnis. Aber eins weiß jeder: Tiere sterben für Menschen, aber nicht Menschen für Tiere. Streicheln sie ihren Hund oder kraulen sie ihre Katze und sind sie froh, dass deren Pelz dieses Jahr nicht in Mode ist. Nicht umsonst kämpfen viele Tierfreunde darum, dass die Pelztiere ihr Fell behalten dürfen.
Sie folgten den Straßen, die von den Zaren vor langer Zeit angelegt wurden, um das russische Hinterland zu urbanisieren. Es war, als ob das Knarren der Kutschenräder noch hörbar war, aus einer Zeit, in der Geschwindigkeit noch keine Rolle spielte. Doch heute, in einer Zeit, wo der Kuchen schneller gegessen ist als er gebacken wurde, steigt Speedy Gonzales, die einzige Maus, die 247
schneller als ihr Schatten ist, zur Leitfigur des täglichen Lebens auf.
Doch zurück zur bislang geheimen Viererbande und ihren beiden Mitgliedern auf der Fahrt zum Ort ihres ersten Anschlages. Sie waren bereits wieder eine Stunde unterwegs und Viktor hatte das Bedürfnis, seine Blase zu entleeren:
»Schatz, ich muss mal kurz Pipi machen.«
Vorsichtig bremste er den Lada ab und hielt am Seitenstreifen. Sarabina warnte ihn:
»Pass auf, dass du dir keine Blasenentzündung holst.«
Während der Schnee vor ihm schmolz, beobachtete Viktor einen Feldhasen, der über einen Acker rannte und dabei in der Luft seine Haken schlug. Er beeilte sich, ins Auto zurückzukehren um seinem Schatz ein Küsschen zu geben:
»Es ist ganz schön kalt da draußen.«
»Am liebsten wäre ich jetzt in Merka.«
»Das hilft jetzt alles nichts, wir müssen hart bleiben.«
Er startete das Auto und fuhr weiter. Es waren noch keine fünf Minuten vergangen, da überkam ihn ein Hungergefühl. Wenn er etwas hasste, dann war es Hunger. Schon immer war es so, dass es ihm nicht schnell genug gehen konnte, wenn er etwas haben wollte. Und weil dem so ist: 248
»Schatz, gibst du mir ein Brötchen aus dem Rucksack?«
»Willst du Käse oder Thunfisch?«
»Käse.«
Sarabina gab ihm ein Käsebrötchen und wünschte ihm guten Appetit. Viktor kaute genüsslich das selbst belegte Brötchen und fühlte sich dabei zunehmend besser. Wissbegierig schaute er zu Sarabina:
»Welche Länder hast du in deinem Leben schon gesehen?«
»Eigentlich kenne ich nur Somalia. Meine Eltern hatten nie genug Geld um in ferne Länder zu reisen.«
»Die meisten Länder, die ich kennengelernt habe, liegen im Ostblock. Nur einmal durfte ich für 2
Wochen mit meinem Vater nach Kuba fliegen.«
»Regiert dort nicht Fidel Castro?«
»Richtig. Ich habe ihn sogar live bei einer Rede an sein Volk gesehen. Die Leute sind unheimlich begeistert von ihm.«
»Ist er nicht durch eine Revolution an die Macht gekommen?«
»Freiwillig wollten die Regierenden die Macht nicht hergeben.«
»Hat
nicht
Russland
die
Revolutionäre
unterstützt?«
»Russland hat früher alle kommunistischen Freiheitskämpfer unterstützt.«
249
In der Zwischenzeit hatten sie die Umgebung von Rostovgrad erreicht. Sie entdeckten ein Schild, auf dem geschrieben stand: Raffinerie Rostovgrad 3
km.
Sarabina wollte wissen:
»Hast du das Schild gesehen?«
»Ja.«
»Was machen wir als erstes wenn wir ankommen?«
»Zuerst schauen wir ob der Zugang zur Raffinerie mit einer Alarmanlage gesichert ist.«
»Kennst du dich da so gut aus?«
»Ich kann es ja einmal versuchen.«
Viktor fuhr ungeniert auf das Gelände der Raffinerie und stellte das Auto auf dem Parkplatz ab.
»Wir gehen jetzt einfach zum Verwaltungsgebäude und sehen nach, ob es dort einen Pförtner gibt.«
Die beiden gingen zum Verwaltungsgebäude und betraten die Empfangshalle. Sie entdeckten den hinter einer Glasscheibe sitzenden Pförtner und stellten sich ihm vor.
»Guten Tag, ich mache in Rostovgrad Urlaub und würde gerne einmal Ihre Raffinerie besichtigen.«
»Da müssen Sie einen Termin ausmachen.«
»Bei wem soll ich mich melden.«
»Am besten rufen Sie Herrn Jukov unter der Nummer 46 90 78 an. Ich schreibe es Ihnen auf.«
250
Nachdem der Pförtner die Informationen aufgeschrieben hatte, reichte er Viktor den Notizzettel:
»Versuchen Sie doch Morgen Früh so ab 8 Uhr bei ihm anzurufen. Da erreichen Sie ihn am besten.«
»Vielen Dank für Ihre Auskunft.«
und verließ zusammen mit Sarabina das Gebäude.
»Hast du gesehen, in der Pforte gibt es keine Überwachung Installationen. Und am Eingang ist auch keine Überwachungskamera. Wir brauchen uns also keine Sorgen zu machen.«
»Und wenn doch eine Alarmanlage da ist?«
»Wir können ja zur Sicherheit heute Abend, wenn die Raffinerie geschlossen ist, probehalber das Tor aufbrechen.«
»Hast du das nötige Werkzeug dafür?«
»Ich habe in meiner Tasche immer einen Dietrich bei mir. Damit mache ich dir jedes Schloss auf.«
»Damit wäre das Problem gelöst. Was machen wir jetzt?«
»Wir müssen ein Versteck für den LKW finden. Auf der Herfahrt sind wir an einem Stück Wald vorbeigekommen, am besten wir fahren dahin zurück.«
Sie stiegen ins Auto und fuhren einfach drauf los.
Sie erreichten den Wald und bogen ab auf einen Feldweg, der am Waldesrand entlang verlief. Nach etwa fünfhundert Metern entdeckten sie einen Bauernhof, der einsam auf weiter Flur stand. Sie 251
fuhren darauf zu und stellten das Auto vor der Scheune ab. Sarabina stellte fest:
»Es sieht nicht so aus, als ob hier jemand wohnt.«
»Schauen wir mal nach.«
Die beiden liefen um das Gebäude und entdeckten, dass dieses in einem verwahrlosten Zustand war.
Viktor trat vor die Haustür und suchte nach der Klingel. Weil keine da war, klopfte er kräftig an die Tür:
»Ist jemand zuhause?«
Doch nichts rührte sich. Es blieb still. Viktor öffnete die Tür und betrat einen mit Staub und Spinnweben bedeckten Raum, der auf den ersten Blick zeigte, dass dieses Haus unbewohnt war. Um sicher zu gehen, dass niemand anwesend war, rief er:
»Hallo, ist da jemand?«
Doch niemand meldete sich. Er verließ das Haus, zog die Tür hinter sich zu:
»Im Haus ist niemand. Schauen wir mal in der Scheune nach.«
Die beiden stapften durch den Schnee hinüber zur Scheune und öffneten das Tor. Außer ein bisschen Stroh und Heu befand sich dort nichts. Viktor war der Meinung, dass sie groß genug sei, als Versteck für den LKW.
»Komm lass uns gehen, wir haben gefunden was wir suchten.«
Sarabina war der Meinung, dass es Zeit war, in die Stadt zu gehen, um etwas zu essen.
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»Schatz, wir brauchen noch ein Hotelzimmer und Hunger habe ich auch.«
Sie starteten den Lada und fuhren umgehend nach Rostovgrad. Sie fanden ein am Stadtrand gelegenes Hotel. Das Zimmer und das Essen waren günstig. Deshalb beschlossen sie, im Hotel zu Abend zu essen. Zur Auswahl standen ein dreigängiges Menü und A la Carte. Nach längerem hin und her und aufgrund ihres großen Hungers entschieden sich die beiden für das dreigängige Menü. Der wohlklingende Hauptgang, Seebarsch in Schwarzmeer Sauce nach Zarevitscher Art, hatte den Ausschlag dazu gegeben. Das Essen überzeugte die verwöhnten Gäste durch Anblick und Geschmack. Nach dem Dessert, eine Slovskajer Früchteschale, waren sie nervlich gestärkt für den Einbruch in die Raffinerie. Im Schutze der Nacht konnten sie ihr Werk verrichten.
Sie verließen das Hotel und fuhren mit dem Auto hinaus zur Raffinerie. Viktor erklärte Sarabina seine Vorgehensweise:
»Ich breche das Tor auf und danach fahren wir mit dem Auto soweit auf Distanz, dass wir mit dem Fernglas den Eingang zur Raffinerie beobachten können.«
Der Einbrecher nahm seinen Dietrich und es gelang ihm, nach mehrmaligen Versuchen das Tor aufzubrechen. Sarabina war begeistert über das Fingergeschick ihres Liebsten und gratulierte ihm:
»Al Capone würde dich sofort einstellen.«
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»Danke Schatzi. Aber jetzt müssen wir sofort los.«
Währenddessen rannten sie zum Auto, rissen die Türen auf und fuhren mit Vollgas davon. Als sie weit genug weg waren, stoppten sie und stiegen aus. Unser Student nahm sein Fernglas und beobachtete die Umgebung der Raffinerie. Sie warteten über eine Stunde, doch nichts regte sich.
»Ich bin mir sicher, dass jetzt niemand mehr kommt. Am besten wir fahren wieder hin und schließen das Tor.«
»Da können wir ja beruhigt einbrechen, ohne das die uns erwischen.«
»Es könnte aber auch sein, dass der Pförtner heute vergessen hat die Alarmanlage einzuschalten.«
»Du denkst aber auch an alles. Mach mir nicht unnötig Angst.«
»Ich habe euch versprochen, dass ich eine perfekte Planung mache.«
»Das
erwarten
wir
auch
von
unserem
Superschachhirn.«
»Keine Sorge, bei mir seid ihr bestens aufgehoben.«
Sarabina begann zu frieren und schlug vor, am besten doch gleich loszufahren. Sie erreichten die Raffinerie, verschlossen das Tor wieder und fuhren zurück zum Hotel. Ein schwerer Tag lag hinter ihnen. Sie spürten die Müdigkeit in ihren Gliedern und legten sich sofort ins Bett. Bevor sie in den Schlaf fielen, rafften sie sich noch zu einem letzten Küsschen auf.
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Erweckt vom Lichte des neuen Morgens, erhob sich der noch schlaftrunkene Viktor von seinem Nachtlager und schlüpfte in seine Klamotten. Er war auf dem Weg, die frohe Botschaft an Timothy, den allseits unbekannten Soft-Terroristen, zu verkünden und damit den Countdown für den Anschlag zu starten. Er wählte die Nummer und wartete. Nachdem es ein paar Mal in der Leitung geknackt hatte, hörte er Timothys Stimme. Viktor meldete sich mit:
»Hallo ich bin es, Viktor.«
»Aah, wo bist du gerade?«
»Ich bin bei der Raffinerie in Rostovgrad. Es ist alles in Ordnung. Wann sollen wir starten?«
»Sofort geht nicht, aber in drei Wochen könnten wir kommen.«
»Also gut, dann in drei Wochen. Viele Grüsse an Theresa.«
»Grüß mir Sarabina. See you. Bye-bye.«
»Bye-bye.«
Jetzt galt es nur noch Boris anzurufen, den Beschaffer des Equipments.
»Hallo, hier spricht Viktor Kalinsky. Du musst mir ein paar Dinge besorgen. Bis in drei Wochen muss ich es haben. Ich notiere alles und sende es dir.
Die Bezahlung erfolgt bei Übergabe. Melde dich bei mir, wenn alles erledigt ist. Bis dann, tschüss.«
Viktor legte auf und ging zurück ins Bett zu seinem Schatz.
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Die Viererbande agiert in
