Endstation unvergesslich by art.TM - HTML preview
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Russland
Die Maschine der Aeroflot, mit Sarabina und Viktor an Bord, befand sich im Landeanflug auf den Moskauer Flughafen Sheremetyevo 2. Es war 10.45 Uhr Ortszeit.
»Schatzi, hast du den Fotoapparat eingepackt?«
»Natürlich.«
»Hoffentlich hat Boris nichts vergessen.«
»Ist er zuverlässig?«
»Normalerweise kann man ihm blind vertrauen.«
Das Flugzeug landete und die Fluggäste gingen von Bord. Sie waren mit Boris um 11.30 Uhr im Flughafen Restaurant verabredet. Es war 11.25
Uhr als die beiden die Ankunftshalle betraten.
Viktor sah sich um und entdeckte Boris, der einen Militärlaster, Waffen, Munition und Uniformen organisiert hatte. Viktor stellte den Koffer ab und umarmte seinen Freund.
»Grüß dich Boris, wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen.«
256
»Mensch Viktor, wie geht’s dir?«
»Mir geht es hervorragend. Und übrigens das ist meine Freundin Sarabina.«
»Hallo Sarabina, wie geht’s dir?« Dabei reichte er ihr die Hand.
»Hallo Boris.«
»Boris, wie abgesprochen, werden die anderen so etwa in einer halben Stunde kommen.«
Die drei setzen sich an einen Tisch und unterhielten sich über Belangloses wie das Wetter und was sonst so in der Welt geschieht. Sie vermieden es, mit jedem Wort über den geplanten Anschlag zu reden. Sie blickten immer wieder auf die Arrival-Anzeige und sahen, dass die Delta Airlines soeben gelandet war. Es dauerte etwa 20
Minuten bis sie die beiden in der Ankunftshalle entdeckten. Sarabina stand auf und rief:
»Hallo, wir sind hier!«
Chicagos Top Guns kamen zu dem Tisch und meldeten sich bei der Runde mit:
»Hallo zusammen!«
Dann folgte die Begrüßungszeremonie mit Händeschütteln und Umarmung.
»Können wir los oder muss irgendjemand noch etwas erledigen?« wollte Boris wissen.
»Ich müsste mal Pipi machen.« meinte Timothy.
Zehn Meter von der Viererbande entfernt standen zwei Amerikaner und unterhielten sich. Dabei sahen sie immer wieder zu der Gruppe hinüber.
Denen fiel das gar nicht auf. Sind die beiden 257
Männer gewöhnliche Touristen oder verbergen sie etwas? Der eine sprach eindringlich auf den anderen ein:
»Jimmy, hol du das Mietauto und warte am Eingang auf mich.«
Nachdem Timothy sein Gewicht etwas verringert hatte, startete die Operation Summerstorm. Die Viererbande
marschierte
geschlossen
zum
bereitstehenden Auto der Klasse Lada und fuhr in Richtung Tschubirsk, einem kleinen Dorf, 60 km östlich von Moskau.
Die beiden Amerikaner folgten ihnen. Um nicht aufzufallen, hielten sie den nötigen Abstand zum Auto der Viererbande. Eins war sicher, diese beiden Amerikaner waren keine gewöhnlichen Touristen. Wer hatte ihnen den Auftrag gegeben, die Viererbande zu verfolgen? Der Mann auf dem Beifahrersitz:
»Die Frauen machen sich doch in die Hosen, wenn die Sache losgeht.«
Hinsichtlich mangelnder Kenntnis der hiesigen Sicherheitsvorschriften erkundigte sich Timothy:
»Habt ihr schon einen Paragraphen zur Anschnallpflicht?«
Boris: »Wenn du von der Mafia bist, kannst du ohne fahren.«
Viktor: »Konntest du alles besorgen?«
Boris: »Bis auf den Panzer habe ich alles gekriegt.«
258
Theresa: »Wofür brauchen wir denn einen Panzer?«
Timothy: »Schatzi keine Panik, das war doch nur ein Scherz.«
Viktor: »Wie viel kriegst du?«
Boris: »Alles zusammen mit Rabatt und Steuer
– 15.000 Dollar.«
Timothy: »Soll ich es dir gleich geben oder erst in Tschubirsk?«
Boris: »Hast du es wie vereinbart in 50
Dollarnoten?«
Timothy: »Gezählt und gebündelt mit vielen Grüßen von unserem Sponsor.«
Theresa: »Wie lautet denn die Wettervorhersage für die nächsten Tage?«
Boris: »Es soll trocken und kühl bleiben.«
Viktor: »Solange wir keinen Regen haben, ist alles in Ordnung.«
Sie erreichten den Rand des Dorfes Tschubirsk, verließen die Hauptstraße und zweigten ab in einen Feldweg. Boris zeigte auf eine einsame Scheune:
»Das ist das Versteck. Habt ihr euch den Weg gemerkt?«
Sie parkten das Auto vor der Scheune. Boris öffnete das Scheunentor und sagte zu den beiden Frauen, dass sie als Security vor der Scheune bleiben sollten. Es wurde vereinbart, dass sie zweimal kurz pfeifen, wenn sich jemand nähert. In 259
der Scheune stand ein gebrauchter Armeelaster.
Er stieg als erstes ins Führerhaus und zeigte Viktor wie der LKW gefahren wird. Timothy war währenddessen auf die Pritsche geklettert und sah sich die Waffen sowie das restliche Equipment an.
Boris und Viktor kamen hinzu und gemeinsam trugen sie die Scharfschützengewehre mit der Betäubungsmunition vor die Scheune. Boris montierte die Schalldämpfer auf die Gewehre und zeigte, wie diese geladen und das Ziel mit dem Infrarotsichtgerät anvisiert wurde. Wie die Betäubungsgasbomben einzusetzen sind, war auch nicht schwer zu verstehen. Timothy fühlte sich genötigt:
»Funktionieren die Bomben auch wirklich? Nicht das wir da eine böse Überraschung erleben.«
»Keine Sorge, ich habe kürzlich damit meine Oma betäubt.«
»Ist
sie
zwischenzeitlich
schon
wieder
aufgewacht?« wollte Timothy wissen.
»Selbstverständlich. Übrigens hier sind zwei Kanister mit Diesel, damit ihr nicht tanken müsst.«
»Du hast Recht, es wäre nicht so gut, wenn uns irgendjemand in Uniform Englisch sprechen sehen würde.« stimmte Viktor zu.
Boris: »Habt ihr noch irgendwelche Fragen?«
Viktor: »Nein, es ist alles in Ordnung. Oder, was meinst du dazu Timothy?«
Timothy: »Alles Roger. Hier ist dein Geld Boris.«
Dabei reichte er ihm die 15.000 Dollar.
260
Boris: »Also macht’s gut. Ich drücke euch die Daumen.«
Dann ging er zu seinem Auto und fuhr in Richtung Moskau davon.
Die zwei Amerikaner beobachteten die Szene aus sicherer Entfernung. Sie hatten die Waffen und die Betäubungsgasbomben gesehen ...
»Ich fasse es nicht, die wollen die Sache wirklich durchziehen.«
»Timothy als Terrorist, irgendwie kann ich es mir noch nicht vorstellen.«
In diesem Moment knackte es hinter ihnen. Dies kam vom Entsichern einer schallgedämpften Handfeuerwaffe. Einer der Amerikaner drehte sich blitzschnell um:
»Scheisse!«
Doch da machte es schon zweimal Klick und sie sackten in sich zusammen. Tödlich getroffen lagen die beiden am Boden. Blut quoll aus den Einschussöffnungen und versickerte im Gras. Ein Mann mit eiskaltem Blick und schwarzer Lederjacke beugte sich über die Leichen und durchsuchte deren Taschen. Was er fand, waren zwei Ausweise vom CIA. Leicht zynisch:
»Wärt ihr zuhause geblieben, dann wäre das nicht passiert.«
Er steckte alles in seine Taschen, drehte sich um und verschwand im Nichts.
261
Timothy: »O.k. Mädels, wir zeigen euch jetzt wie alles funktioniert.«
Er nahm das Gewehr mit dem Infrarotsichtgerät:
»Damit könnt ihr bei Nacht selbst eine Maus sehen.«
Theresa: »Ich habe Angst vor Mäusen.«
Viktor: »Solange du keine Angst vor den Soldaten hast, ist alles kein Problem.«
Timothy: »Um die Betäubungsgasbomben zu aktivieren müsst ihr an dieser Lasche ziehen.«
Sarabina: »Ist es nicht besser, wenn wir die Uniformen anziehen, bevor jemand kommt?«
Viktor: »Du hast Recht, das ist sicherer.«
Die vier tauschten ihre Zivilkleidung gegen die schnittige Uniform aus und versteckten ihre Kleider in der Scheune.
Timothy: »Sarabina, ich glaube du bist die erste Afrikanerin in einer Uniform der russischen Armee.«
Sarabina: »Und du der erste amerikanische Hippie.«
Viktor: »Wenn alle startklar sind, dann fahren wir jetzt los.«
Timothy setzte sich zu Viktor in das Führerhaus, der daraufhin den LKW startete. Bis jetzt waren ihnen keine Fehler unterlaufen. Würden sie weiterhin so viel Glück haben? Hatten sie auch 262
wirklich nichts vergessen in ihrer Planung? Eins war sicher, sie würden alles versuchen, um diese Operation erfolgreich durchzuführen.
So ganz nebenbei gesagt, die vier sahen in ihrer Uniform sehr flott aus.
Sie waren auf dem Weg ins 300 km entfernte Prawdinsk. Dem ABC-Waffenlager, in dem Viktor als Wachsoldat seinen Wehrdienst leistete. Er kannte die Gegend bestens und hatte sich eine perfekte Angriffstaktik für den Überfall auf das Waffenlager ausgedacht. Timothy hatte die Straßenkarten und eine Liste mit der Route vor sich liegen.
Timothy: »Schade, dass die Armeelaster noch kein Navigationssystem haben. Dann könnte ich jetzt ein kleines Nickerchen machen.«
Viktor: »Ich habe die Route doch bis ins kleinste Detail ausgearbeitet.«
Timothy: »Sei doch nicht gleich beleidigt. Ich bin eben nun mal ein fauler Mensch.«
Sarabina: »Haben wir kein Radio? Ich würde nämlich gerne Musik hören.«
Viktor: »Moment, ich schalte ein.«
Er suchte einen Sender mit Popmusik und fand einen, der aber nur russische Songs spielte. Die waren den Anwesenden, bis auf Viktor, doch völlig unbekannt. Timothy hatte spontan eine Idee, um die Zeit etwas zu vertreiben.
263
Timothy: »Ich habe kürzlich das Zoomrätsel erfunden. Passt auf ich gebe euch einmal eine Kostprobe. Also: Welt – Europa - … - 1.
Bundesliga. Wer weiß was … ist?«
Sarabina: »Es ist Deutschland.«
Theresa: »Meins wäre: Welt – Wasser - … - Fisch
- … - Gräte.«
Viktor: »Das erste ist Lebewesen und das zweite ist Fischskelett.«
Timothy: »Und gefällt es euch?«
Alle: »Es ist super!«
Mit dem Aufstellen und Lösen von Zoomrätseln sowie dem Hören von russischer Popmusik verbrachten sie die Fahrzeit. Am frühen Abend erreichten sie Prawdinsk. Viktor hatte geplant, dass sie sich in einem nahe gelegenen Forst verstecken und warten, bis die Nacht anbricht. Sie fuhren mit dem LKW auf einem Waldweg, bis sie eine große Lichtung erreichten.
Viktor stellte den Motor ab:
»Wir ruhen uns jetzt solange aus, bis es völlig dunkel ist. Ich gehe schon mal los und beobachte das Waffenlager mit dem Fernglas.«
Er stieg aus und lief vor bis zum Waldrand, von wo aus er das Waffenlager bestens beobachten konnte. Nach einer halben Stunde sah er zwei Militär-LKWs mit Mittelstreckenraketen auf der 264
Ladefläche. Sie fuhren in Richtung Prawdinsk.
Viktor vermutete, dass sie von einem Manöver zurückkehrten.
Er
hatte
während
seiner
Wehrdienstzeit so etwas schon einmal erlebt.
Daher wusste er auch, dass um 22.00 Uhr Nachtruhe war. Außer der Patrouille und den beiden Wachsoldaten an der Zufahrt zum Waffenlager, lagen alle anderen Soldaten im Bett.
Es war geplant, dass der Überfall um 23 Uhr startet. Er hatte genug gesehen und kehrte wieder zu den anderen zurück. Zwischenzeitlich war es Nacht geworden und Viktor wollte sich vor dem Angriff noch eine Stunde ausruhen. Als er die Fahrertür öffnete, scherzte
Timothy: »Good night my lovely day.«
Sarabina: »Mein Bläschen drückt.«
Viktor: »Ich komme mit dir.«
Theresa: »Ich muss auch.«
Die drei verließen den LKW und suchten sich in der Umgebung ein Plätzchen hinter den Bäumen.
Theresa: »Muss nicht einer von uns die Wache übernehmen, falls jemand kommt?«
Viktor: »Um die Uhrzeit kommt niemand mehr in den Wald.«
Nachdem die vier zurückkamen, schlossen sie die Augen und ruhten sich für eine Stunde aus.
265
Während sie schliefen, klopfte es plötzlich an der Fahrertür. Viktor fuhr in die Höhe: »Wer war das?«
Timothy: »Keine Ahnung.«
Viktor: »Ich sehe mal kurz nach.«
und öffnete die Fahrertür. Vor ihm stand ein älterer Mann und wollte wissen:
»Sind sie auf Manöver oder haben sie sich verfahren?«
Viktor: »Wir sind auf Manöver und haben vor hier zu übernachten.«
Mann: »Das heißt, sie sind morgen wieder weg?«
Viktor: »Richtig.«
Mann: »Also gut, dann gehe ich wieder. Gute Nacht.«
Viktor: »Gute Nacht.«
Dann drehte sich der Unbekannte um und verschwand im Wald. Viktor stieg wieder in den LKW und beruhigte die anderen mit den Worten:
»Alles in Ordnung, der Mann ist wieder weg.«
Da hatten die vier aber Glück, dass der Mann nicht von der Polizei war. Sie hätten sicherlich die Ausweise kontrolliert oder den LKW inspiziert. Das war zwar nicht der Fall, aber es war trotzdem ein kleiner Nervenkitzel für die Viererbande. Es gab jetzt
kein
zurück
mehr.
Die
Operation
Summerstorm
verlief
bisher
planmäßig.
Gnadenlos verfolgten sie ihr Ziel. Keiner konnte sie 266
stoppen. Was die vier zu einem Team machte, war der eiserne Kampfeswille.
Viktor sah auf die Uhr: »Es ist jetzt 22.30 Uhr. Seid ihr alle bereit?«
Alle: »Ja.«
Viktor: »Also gut, dann maskieren wir uns als erstes und gehen anschließend noch einmal die Waffen durch.«
Timothy: »O.k. wie geplant schießen Theresa und ich mit dem Betäubungsgewehr sobald die Wachposten in Schussreichweite sind.«
Timothy stieg auf die Pritsche und holte die Gewehre mit der Munition aus den Kisten. Jedes Gewehr
wurde
mit
ausreichend
Betäubungsmunition geladen. Theresa nahm sich ein
Gewehr
und
visierte
über
das
Infrarotsichtgerät verschiedene Ziele an. Das gleiche tat auch Timothy. Viktor holte die Leiter und stellte sie neben den LKW. Timothy und Theresa kletterten darüber auf die Plane.
Viktor reichte ihnen die Betäubungsgewehre, nahm die Leiter und legte sie wieder auf die Pritsche. Dann sagte er zu Sarabina:
»Du kommst jetzt mit mir ins Führerhaus und versteckst dich hinter meinem Sitz. Egal was passiert, du bleibst auf jeden Fall hinter dem Sitz.«
Als die beiden eingestiegen waren, startete Viktor den LKW und fuhr los.
267
Timothy: »Darling, ist es bei dir auch so unbequem? Ich glaube wir hätten eine Matratze mitnehmen sollen.«
»Innerlich flehe ich, dass es nicht solange dauert und dass ich den Wachposten durch den ersten Schuss außer Gefecht setze.«
Zwischenzeitlich konnte man schon die Silhouette der
Waffenlagermauern
erkennen.
Zwei
Wachposten standen an der Einfahrt. Viktor dachte: Zum Glück ist alles noch so wie damals.
Die Soldaten entdeckten den LKW und griffen zu den Waffen. Sie sahen, dass es sich um einen Militärlastwagen handelte. Timothy und Theresa waren von den Wachposten aus nicht zu sehen.
Der LKW rollte langsam auf die Wache zu. Als sie nahe genug heran waren, nahmen Timothy und Theresa ihr Ziel ins Visier und drückten ab.
Aufgrund der Wucht des Einschlages sanken die beiden zu Boden und ließen ihre Gewehre fallen.
Viktor sah wie die Wachposten in die Knie gingen:
»Sarabina du kannst jetzt nach vorne kommen, wir haben es geschafft.«
Viktor und Sarabina sprangen aus dem LKW und holten die Leiter von der Pritsche, damit Theresa und
Timothy
wieder
von
der
Plane
herunterklettern konnten. Dann holten die beiden die Betäubungsgasbomben, Handschellen und Schnüre von der Ladefläche. Sie mussten sich 268
beeilen, um die beiden Wachsoldaten zu knebeln, solange sie noch betäubt waren. Sie wurden kurzerhand auf den Bauch gedreht und mit Handschellen fixiert. Viktor band mit den Schnüren ihre Beine und Hände zusammen. Zuletzt stopfte er ihnen ein Stück Stoff in den Mund und stülpte jedem noch eine schwarze Mütze über den Kopf.
Timothy kam heran und zückte eine Gewehrkugel, die er einem der Soldaten in das Loch steckte, dass die Betäubungsmunition in die Unform gerissen hatte. Mit einem Grinsen:
»Das ist für die Presse, die soll sehen, dass wir keine Killer sind.«
Sie trugen die Schlafenden zum Wachhäuschen.
Viktor sagte zu den anderen: »Sarabina, du bleibst hier und meldest uns, wenn jemand kommt. Wir drei gehen jetzt zur Baracke um die anderen Soldaten zu betäuben.«
Sie
gingen,
bewaffnet
mit
den
Betäubungsgewehren
und
den
Betäubungsgasbomben, auf das Waffenlager Gelände. Sie schlichen sich an die Baracke heran und Viktor sah, dass ein Fenster im Schlafraum offen stand. Er nahm eine Bombe, zog die Lasche, um sie zu aktivieren, und legte sie vorsichtig durch das offene Fenster auf den Boden. Laut Boris müssten
in
fünf
Minuten
alle
Soldaten
schlummern. Während sie warteten, hörten sie im Innern der Baracke einen Soldaten stöhnen. Der tauchte plötzlich am Fenster auf, was Timothy 269
veranlasste, ihm mit dem Gewehrkolben eine über den Schädel zu ziehen. Der Soldat plumpste zu Boden und danach herrschte Stille in der Baracke.
Timothy sah auf die Uhr und sagte, dass die fünf Minuten vorüber waren. Viktor zu Theresa:
»Du bleibst hier und meldest uns, wenn einer aufwacht. Viktor und ich gehen jetzt hinüber zum Dienstgebäude der Patrouille. Wir holen dich ab, wenn alles erledigt ist.«
Jetzt mussten noch die zwei Soldaten der Patrouille in ihrem Dienstgebäude unschädlich gemacht werden. Viktor und Timothy schlichen sich an das Gebäude heran und sahen die beiden durch das offene Fenster an einem Tisch sitzen und Karten spielen. Viktor sah auf die Uhr und stellte fest, dass in 10 Minuten der nächste stündliche Rundgang starten würde. Sie postierten sich in sicherer Entfernung und warteten darauf, dass die beiden herauskommen würden.
»Viktor, dauert das nicht zu lange? Was machen wir, wenn die Soldaten in der Baracke wieder aufwachen?«
»Keine Sorge, nach Boris Aussage wirkt die Betäubung über zwei Stunden lang. Übrigens wenn sie herauskommen nimmst du den zweiten und ich den ersten.«
Kaum hatte er ausgesprochen, da ging das Licht aus und einer der Patrouille erschien in der Tür.
Sein Kamerad folgte ihm und schloss die Tür hinter 270
sich zu. Beide waren mit Maschinengewehren bewaffnet. Viktor und Timothy zielten und drückten ab. Der erste sank mit einem Ächzen zu Boden. Der zweite dagegen schien nicht richtig getroffen zu sein, denn er blieb stehen und begann mit seinem Maschinengewehr wahllos in die Gegend zu ballern. Viktor reagierte blitzschnell und schoss auf den zweiten Soldaten, der daraufhin zusammenbrach und zu Boden stürzte.
Als die Schießerei vorüber war, hörte er das Stöhnen von Timothy. Eine Kugel hatte ihn am rechten Oberarm erwischt.
»Hat er dich getroffen?«
»Ich glaube es ist nur ein Streifschuss.«
»Kannst du gehen?«
»Kein Problem.«
»Am besten du gehst vor zum LKW und lässt dich von
Sarabina
verbinden.
Ich
knebel
währenddessen die zwei Soldaten. Wir treffen uns nachher beim LKW.«
Timothy schwankte los in Richtung LKW und Viktor begann die beiden Betäubten zu knebeln. Danach ging er zur Lagerhalle, in welcher die Bomben gelagert wurden. Die Tür zum Lager war mit einem Zugangscode gesichert. Er tippte den ihm bekannten Code ein und im Display der Zugangssicherung leuchtete ein grüner Balken auf. Wer so viel Glück auf einmal hat, der sollte Lotto spielen. Mit dem Zugangscode, der noch vor 271
einem Jahr galt, lässt sich auch heute noch die Tür öffnen. Waren die Russen zu faul, um den Code immer
wieder
zu
verändern?
Als
Sicherheitsexperte fällt einem außer Lachen dazu nichts mehr ein. Unseren Einbrechern kann man da nur gratulieren, denn die Tür ließ sich mühelos öffnen. Er schaltete das Licht an und sah sich um.
Im Innern des Lagers sah es noch genauso aus wie vor einem Jahr, als er noch Wachsoldat war. Jetzt öffnete sich das große Lagertor und Viktor ging zurück
zum
LKW.
Timothy
hatte
sich
zwischenzeitlich von Sarabina verbinden lassen.
Die Wunde sah nicht schlimm aus, es war nur ein Streifschuss, der ein bisschen mehr als die Haut weggerissen hatte. Der Arm ließ sich problemlos bewegen. Viktor bat Timothy:
»Hilfst du mir, die Bombe aufzuladen?«
»O.k.«
»Kannst du den Gabelstapler fahren?«
»Es wird schon gehen.«
»Dann komm steig ein.«
Die beiden sprangen ins Führerhaus und fuhren den LKW bis zur Lagerhalle. Dann drehten sie um und fuhren rückwärts durch das Tor in die Halle.
Timothy ging zum Gabelstapler und startete ihn, während
Viktor
die
Brandbombe
mit
Spannbändern zum Verladen klar machte.
»Viktor, kann irgendetwas passieren, wenn die Bombe herunter fällt?«
»Eigentlich nicht.«
272
Der Gabelstapler hob die Bombe an den Bändern hoch und manövrierte sie vorsichtig auf den LKW.
Viktor stieg auf die Ladefläche und verankerte die Bombe so, dass sie sich während der Fahrt nicht bewegen konnte. Nachdem der Gabelstapler wieder abgestellt, der LKW aus der Halle gefahren und das Tor geschlossen war, rannte Timothy zu Theresa und gab ihr Bescheid, dass alles erledigt sei. Zusammen gingen sie zum Wachhäuschen, wo Sarabina mit Viktor im LKW auf sie warteten. Jetzt lag nur noch die Fahrt in die 310 km entfernte Erdölraffinerie bei Rostovgrad vor ihnen. Es war zwischenzeitlich 0.00 Uhr geworden und ein leichtes Nieseln hatte eingesetzt.
Das Rennen gegen die Zeit hatte begonnen.
Morgen früh würden die Soldaten in der Baracke erwachen und feststellen, dass das Waffenlager überfallen wurde. Die Frage war, wann sie entdecken würden, dass eine Bombe im Lager fehlte. Hatte die Viererbande eine Chance, bei einer landesweiten Suchaktion unentdeckt zu bleiben?
Viktor: »Geht es allen gut?«
Sarabina: »Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir jetzt eine Bombe haben.«
Timothy: »Es war aber nicht geplant, dass es mich dabei erwischt.«
Theresa: »Mein armer Schatz ist verletzt.« Dabei gab sie ihm einen Kuss.
273
Viktor: »Laut meinen Berechnungen müssten wir morgen früh um 4 in der Nähe von Rostovgrad sein.«
Sarabina: »Was machen wir, wenn sie uns erwischen?«
Timothy: »Dann bestechen wir die Polizei. Ich habe noch genügend Geld dabei.«
Viktor: »Das kann auch schief gehen.«
Sarabina: »Dann sag du uns doch, was wir stattdessen machen sollen.«
Viktor: »Bevor sie uns verhaften, müssen wir versuchen zu fliehen.«
Theresa: »Von hier bis Chicago ist es aber ziemlich weit.«
Viktor: »So ein Mist, jetzt habe ich mich verfahren.«
Timothy: »Stimmt, wir hätten hier abbiegen müssen.«
Viktor hatte an einem Autobahnkreuz vergessen, die Richtung zu wechseln. Zwischenzeitlich sind sie schon ein paar Kilometer weiter gefahren. Bei der nächsten Ausfahrt musste er raus und umkehren.
Theresa: »Wie viele Kilometer müssen wir zurück fahren?«
Viktor: »Nur ein paar Kilometer. Keine Panik.
Uaahh.«
274
Viktor machte eine Vollbremsung, doch es reichte nicht mehr. In der Hektik und aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse war es zu einem Auffahrunfall mit einem Lada gekommen. Es war ein kleiner Unfall, nur die Stoßstange des Lada war leicht nach oben gebogen worden.
Timothy: »Am besten, du bietest dem Fahrer eine finanzielle Entschädigung an. Hast du genügend Rubel bei dir?«
Viktor: »Ich gebe ihm 400 Rubel, dass muss reichen.«
Dann stieg er aus und ging zum Fahrer, der gerade sein Auto begutachtete.
Viktor: »Guten Abend. Entschuldigung ich habe nicht aufgepasst.«
Mann: »Schauen sie mal, meine Stoßstange wurde nach oben gedrückt.«
Viktor: »Das ist doch nur ein kleiner Schaden. Ich gebe ihnen Geld, dann können sie morgen in die Werkstatt gehen.«
Mann: »Einverstanden. Wie viel wollen sie mir geben?«
Viktor: »Hier sind 400 Rubel. Mehr kostet das nicht.«
275
Dabei reichte er ihm das Geld. Der Mann bedankte sich und stieg wieder in sein Auto. Viktor ging zurück zum LKW und fuhr weiter.
Timothy: »Und, hast du ihn bestechen können?«
Viktor: »Mit 400 Rubel war er einverstanden.«
Sarabina: »Schatzi, mach mal die Musik an. Das brauche ich jetzt zur Entspannung.«
Theresa: »Lass uns lieber etwas singen. Kaum ausgesprochen, da fing sie an zu singen: I am a honey bee in your galaxy …«
Timothy: »Darling, den Honig kannst du mir später bringen.«
Sarabina: »Ich habe keine Lust zu singen. Mach lieber das Radio an.«
Viktor: »Ich möchte jetzt keine Musik hören. Wir sind
hier
in
einem
Land,
das
seine
Schriftsteller:innen und seine Dichter:innen liebt.
Lasst uns doch etwas dichten.«
Timothy:
»O.k. Mister Gorki, ich leg schon mal los. Also aufgepasst:
Wir sind die Viererbande,
noch unbekannt in diesem Lande,
doch wenn wir gehen,
dann wird jeder verstehen,«
Theresa:
»wir nutzten die Bombe für einen guten Zweck,
denn was uns umbringt, das fetzen wir weg, 276
bevor sie uns kriegen, lassen wir lieber alles in die Luft fliegen. «
Sarabina: »Uauhh, das war ja super.«
Mal wieder eine geniale Einlage von unserem lyrischen Terroristenduo.
Da fuhren sie dahin, durch die einsame Nacht, in der nahezu endlosen Weite des russischen Hinterlandes. Getragen von bester Laune fühlten sie sich so beschwingt, dass die Gefahr, in der sie sich befanden, in weite Ferne rückte. Sie verschwendeten keine Gedanken daran, dass sie nun nach dem Gesetz Kriminelle waren.
Vermutlich würde morgen schon die Polizei nach ihnen suchen. Am frühen Morgen um 5.00 Uhr erreichten sie Rostovgrad. Die Raffinerie lag drei Kilometer vor den Toren der Stadt.
Viktor hatte bei seiner Erkundung vor drei Wochen einen verlassenen Bauernhof entdeckt. Mit einer Scheune, als das perfekte Versteck für den LKW.
Alle vier waren müde von den Anstrengungen des letzten Tages. Sie beschlossen, sich bis zum Mittag auszuruhen.
Timothy und Theresa stiegen aus dem Führerhaus und suchten sich im Heuhaufen ein Plätzchen zum Schlafen. Sie breiteten einen Teppich aus und legten sich ins Heu.
277
Viktor und Sarabina streckten sich auf den Sitzen im Führerhaus aus. Aber irgendwie war es ungemütlich. So neigten auch sie zu einem Nickerchen im Heu, anstatt sich Rückenschmerzen zu holen. Die vier genossen einen ungestörten Schlaf bis zur Mittagszeit.
Viktor erwachte um 13 Uhr. Die anderen schliefen noch fest. Er küsste seine Freundin wach und begrüßte sie mit den Worten:
»Guten Morgen mein Schatz. Hast du gut geschlafen?«
»Konntest du nicht schlafen?«
»Doch. Ich bin gerade erst aufgewacht.«
»Hast du die anderen schon geweckt?«
»Lass nur ich mach das.«
Viktor klatschte in die Hände: »Aufstehen, das Frühstück ist fertig.«
Timothy und Theresa öffneten die Augen und erhoben sich. Timothy gähnte:
»Guten Morgen. Was gibt es denn zu essen?«
Viktor: »Trockenes Brot und Wasser.«
Timothy: »Das kannst du essen, ich nehme Kaffee und Toastbrot.«
Viktor: »In Rostovgrad gibt es das, aber da können wir nicht alle hingehen.«
Timothy: »Du könntest uns doch etwas von einer Imbissbude mitbringen?«
Viktor: »Also gut, dann sagt jetzt jeder, was er haben möchte?«
278
Theresa: »Also erst einmal Guten Morgen. Ich hätte gerne ein Paar Würstchen mit Brot oder mit Pommes.«
Sarabina: »Ich möchte einen Hamburger und eine Portion Pommes mit Ketchup.«
Timothy: »Und ich nehme zwei Hamburger und eine Portion Pommes mit Ketchup.«
Viktor: »O.k., dann gehe ich mal los und hole uns etwas zu Essen.«
Dann stapfte der unrasierte und ungeduschte Viktor los, um in der Stadt Verpflegung zu holen.
Nach einer halben Stunde erreichte er den Rand der Kleinstadt. Fünf Minuten weg von einer Imbissbude. Der Mann hinter der Theke fragte, ob er neu in dieser Gegend sei. Viktor sagte, dass seine Kompanie hier in der Nähe an einem Manöver
teilnimmt.
Unser
Soft-Terrorist
verabschiedete sich von dem neugierigen Mann und marschierte zurück zur Scheune. Die anderen warteten schon sehnsüchtig auf ihn.
Viktor: »Das Essen ist da. Messer und Gabeln habe ich nicht gekriegt, aber dafür habe ich Servietten.«
Timothy: »Bist du sicher, dass dir niemand gefolgt ist?«
Viktor: »Ja, ich habe aufgepasst.«
Die vier setzten sich ins Heu und begannen, ihre Würstchen und Hamburger zu verspeisen.
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Viktor: »Nach dem Frühstück gehen wir den Plan für die Sprengung durch.«
Theresa: »Nach dem Essen gehe ich erst einmal ein bisschen spazieren.«
Timothy: »Ich komme mit.«
Sarabina: »Ich auch.«
Viktor: »Also gut, dann bleibe ich so lange hier und bewache die Scheune. Was macht ihr, wenn euch jemand begegnet?«
Timothy: »Wenn wir jemand sehen, dann kehren wir wieder um.«
Nach dem Frühstück gingen die drei Nichtrussen in russischer Uniform zum Spazieren. Drei bislang unbekannte Terrorist:innen, mitten im feindlichen Gebiet, doch unerkannt, weil passend uniformiert.
Ist das nicht ein Bild zum Schmunzeln? Ihre Tarnung war mehr als dürftig, denn außer ja und danke konnten sie kein Wort russisch. Und Waffen, wie sie zu einem anständigen Soldaten gehören, trugen sie auch nicht .
Timothy: »Wir hätten Viktor fragen sollen, ob es hier im Wald Wölfe gibt.«
Theresa: »Mach mir keine Angst.«
Sarabina: »Wir hätten die Pistolen mitnehmen sollen. Dann hätten wir uns vielleicht etwas zum Abendessen schießen können.«
Theresa: »Ich habe Angst, dass die Polizei uns auf der Rückfahrt erwischen könnte.«
280
Timothy: »Wenn sie auf der Straße Kontrollen machen, dann sieht es schlecht aus.«
Sarabina: »Wäre es nicht besser, wenn wir den LKW hier lassen würden?«
Theresa: »Dann müssten wir uns aber zivile Kleidung besorgen.«
Sarabina: »Wir müssen Viktor fragen, ob er Kleider und ein Auto besorgen kann.«
Die drei kehrten wieder zurück in die Scheune zu Viktor, ohne dass sie von jemandem gesehen wurden und ohne dass sie etwas Essbares fürs Abendessen dabei hatten.
Timothy: »Hast du Besuch gekriegt?«
Viktor: »Ja, die Polizei war da. Sie hat gefragt, ob ich jemanden mit einer Bombe gesehen habe. Und ihr?«
Sarabina: »Wir hatten Besuch vom Wolf. Der hatte aber Angst gekriegt, als er die Uniform sah.«
Theresa: »Wir wollten etwas zum Abendessen schießen. Aber leider hat sich nichts Essbares blicken lassen.«
Viktor: »Jetzt wird erst einmal gearbeitet und danach gibt es etwas zu essen. Also gehen wir es der Reihe nach durch. Als erstes fahren wir heute Abend um 21 Uhr los. Dann bricht Timothy, unser Profi am Dietrich, das Tor der Raffinerie auf und anschließend fahren wir bis zur Fraktionieranlage.
Dort laden wir die Bombe ab und ich verbinde sie 281
mit dem Zündmechanismus. Danach verlassen wir das Gelände und begeben uns in eine sichere Entfernung und zünden die Bombe. Nach der Sprengung fahren wir mit dem LKW zurück in Richtung Tschubirsk.«
Jetzt wusste jeder was noch zu tun war. Zum Glück gab es in der Raffinerie keinen Wachdienst und keine Alarmanlage. So betrachtet war der Einbruch selbst für einen Amateurgangster eine leichte Sache. Der einzige, nicht berechenbare Zwischenfall, der auftreten konnte, war der, dass irgendjemand
zufällig
an
der
Raffinerie
vorbeikommt. Was würde die Viererbande in dieser Situation machen? Oder was wäre, wenn der selbstgebaute Zünder nicht funktionieren würde?
Es
gab
also
noch
genügend
unbeantwortete Fragen.
Die Viererbande saß im Heu und war in guter Stimmung. Timothy war wieder einmal dabei seine verrückten Ideen auszuplaudern.
Timothy: »Ich hatte einmal vor, mich mit etwas völlig neuem selbständig zu machen.«
Viktor: »Und da hast du beschlossen einen Secondhand-Shop für gebrauchte Unterhosen zu eröffnen.«
Timothy: »Gut gemeint, aber falsch geraten. Also was ich vorhatte war ein Staubsauger oder Klamotten Renting Shop zu eröffnen.«
282
Sarabina: »Das hört sich gut an. Vor allem das Klamotten Renting finde ich gut.«
Timothy: »Der Klamotten-Rental-Shop lief auch ganz gut. Ich hatte mich nur verkalkuliert. Meine Preise waren zu niedrig. Nach sechs Monaten musste ich, finanziell am Ende, wieder aufgeben.«
Theresa: »Ich hätte auch eine verrückte Geschäftsidee. Also wie wäre es, wenn man anstelle von Treibstoff als Energiequelle, um ein Fahrzeug zu bewegen, eine Energiequelle mit Teilchen
verwendet,
die
nahezu
mit
Lichtgeschwindigkeit rotieren. Die Teilchen können beispielsweise
an
einer
Bewegungsenergie
Tankstelle über magnetische Kraftwirkung Energie aufnehmen und später im Auto an den Motor abgeben.«
Viktor: »Das ist ja eine technische Revolution was du da vorschlägst.«
Timothy: »Kannst du uns auch schon sagen, was für Teilchen das sein sollen?«
Theresa: »Ich kann es dir nur soweit erklären, ich bin schließlich kein Techniker.«
Timothy: »Darling, dann wird das nichts mit dem Geschäft.«
Sarabina: »Wir wären steinreich, wenn das funktionieren würde.«
Genug von den Geschäftsideen, sonst kommt wirklich noch jemand auf die Idee, daraus ein Geschäft zu machen. Schließlich ist es jetzt kurz 283
vor 21 Uhr und damit höchste Zeit für die Viererbande alles zusammenzupacken und die letzte spektakuläre Aktion der Operation Summerstorm durchzuführen.
Nachdem alles im LKW verstaut war, fuhren sie los. Eine Viertelstunde später erreichten sie die Raffinerie. Sie parkten so, dass niemand sehen konnte, dass Timothy gerade das Tor aufbrach. Es dauerte keine fünf Minuten und sie waren drin.
Timothy: »O.k., ich habe es geknackt.«
Viktor: »Mach du es vollends auf und ich drehe solange den LKW um.«
Die schillernde Figur des Alternativ-Terrorismus rief Viktor zu:
»Ist es nicht besser, wenn einer in der Nähe vom Tor bleibt und uns warnt, wenn jemand kommt?«
Viktor: »Stimmt. Am besten bleibt Sarabina hier als Wachposten auf dem Firmengelände, etwa 25
Meter weg von der Zufahrt.«
Viktor fuhr ein Stück auf das Firmengelände und ließ Sarabina aussteigen. Dann hielt er vor der Fraktionieranlage, schaltete den Motor aus, aber ließ das Abblendlicht an, damit sie besser sehen konnten. Timothy und Viktor öffneten die Plane und den Verschlag an der Rückseite und klettern auf die Ladefläche. Sie lösten die Spanngurte und trugen die Bombe bis ans Ende der Ladefläche.
284
Dann stiegen die beiden wieder herunter und Viktor gab das Kommando:
»Auf drei packen wir sie und legen sie neben die Fraktionieranlage. Eins, zwei, drei.«
Timothy stöhnte: »Uahh, die ist aber ganz schön schwer.«
Zu dritt eilten sie mit der schweren Last, bis zum optimalen Detonationsort. Jetzt musste nur noch der Zündmechanismus angeschlossen werden und die Zerstörung der Raffinerie war perfekt.
Viktor: »Ich verbinde die Bombe jetzt mit dem Zündmechanismus. Ihr könnt solange schon einmal einsteigen.«
Timothy: »Kann ich dir irgendetwas helfen?«
Viktor: »Pass nur auf, dass du nicht aus Versehen den Auslöser am Fernzünder drückst.«
Timothy: »Keine Sorge.«
Viktor: »Ich bin soweit, die Brandbombe ist scharf.«
Dieser Anschlag würde unsere vier nicht vorbestraften Bürger zu Terroristen machen. Darf so etwas passieren? Soll die Geschichte so ausgehen? Ich sage nein.
So wie der Schatten von Licht und Raum zeugt, so bin ich auch eine Senke aller irdischen Gedanken, die mich zu meinem geheimen Dasein zwingt.
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Nun, da der Moment gekommen ist, wo sich das Allwissende offenbart und Gestalt annimmt, verlasse ich sie und greife selbst in den Verlauf dieser Geschichte ein.
Ich grüßte Viktor in seiner Muttersprache: »Hallo Viktor, erschrecke nicht.«
Viktors Gesicht erstarrte im Lichtkegel meiner Taschenlampe. Er fragte mich auf russisch: »Wer sind Sie?«
»Ich bin gekommen um dich zu warnen.«
»Schickt Sie mein Vater?«
»Nein, ich bin vom KGB und sage euch, gebt auf.
Sie werden euch kriegen.«
»Quatsch. Es ist alles perfekt geplant.«
»Viktor, wer ist denn das?« wollte Timothy wissen.
»Der KGB.«
»Verdammt,
der
Geheimdienst
hat
uns
geschnappt!« schrie Timothy.
KGB: »Sie werden rauskriegen, dass die Bombe von der russischen Armee ist.«
Viktor: »Ist das möglich?«
KGB: »Ein Kinderspiel. Und wo die Bombe gestohlen wurde, lässt sich auch leicht ermitteln.«
Viktor: »Dann wissen sie aber noch nicht, dass ich es war.«
KGB: »Alle Personen die jemals Zugang zum Waffenlager hatten und den Sicherungscode kannten werden überprüft. Dann haben sie deinen Namen.«
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Viktor: »Also gut, wir geben auf. Wir wollten doch nur diesen Wahnsinn stoppen.«
KGB: »Ich habe auch eine gute Nachricht für euch.«
Viktor: »Und die heißt: Wir werden nicht erschossen?«
KGB: »Dafür gibt es in unserem Geschäft keine Garantie. Wenn ihr unbedingt etwas zerstören wollt, dann nehmen wir doch die fünf Kilogramm Sprengstoff, die ich in meinem Auto habe.«
Viktor: »Ja, super. Ich gebe die gute Nachricht gleich mal weiter. Also Leute, das mit der Bombe wird nichts. Dafür kriegen wir 5 kg Sprengstoff als Ersatz. Was meint ihr dazu?«
Timothy: »Das ist ja Kinderkacke. Dann war die ganze Aktion umsonst? O.k., the show must go on.«
Theresa: »Ich bin einverstanden.«
KGB: »Also Viktor, du und deine Leute laden die Bombe wieder auf und ich hole währenddessen den Sprengstoff.«
Ich habe das richtige getan. Es gab mir ein gutes Gefühl, vier nette Menschen vor ihrem Unglück bewahrt zu haben. In Eile nahm ich den Sprengstoff mit dem Fernzünder aus dem Kofferraum. Die anderen waren damit beschäftigt, die Brandbombe auf den LKW zu laden.
Timothy war in bester Laune:
287
»Auf geht’s Boys and Girls. Helft mir unser Baby anzugurten.«
Die drei kletterten auf die Ladefläche und befestigten die Bombe. Nachdem alles wieder reisefertig war, kamen sie zu mir.
Ich hatte zwischenzeitlich den Sprengstoff mit dem Zünder an einer geeigneten Stelle angebracht. Es war alles bereit zur Sprengung.
Timothy flunkerte in terroristischer Manier:
»Also Meister, unser Panther ist wieder im Käfig.
Tickt ihr Baby schon?«
»Sie ist höllisch scharf. Wollt ihr das Feuerwerk sehen?«
Chicago's Top Gun:
»Nur deswegen sind wir hier.«
»Also gut, am besten fahrt ihr den LKW bis zur Pforte. Dann sind wir weit genug entfernt und können die Show noch sehen.«
Ich ging mit Theresa hinüber bis zum Tor. Als Sarabina uns sah rief sie verängstigt: »Theresa, wer ist der Mann?«
»Es ist alles in Ordnung. Das ist unser Freund.«
»Hallo Sarabina, mein Name ist Wladimir. Ich bin vom KGB.«
»Werden wir jetzt verhaftet?«
»Nein, ich lasse euch sogar etwas in die Luft sprengen.«
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Ich machte das Tor für den LKW auf, der gerade eben angebraust kam. Die beiden Männer stiegen aus und unterhielten sich mit den Frauen. Viktor erzählte Sarabina von mir und was der aktuelle Stand war. Ich hielt die Fernzündung in der Hand:
»Wer will die Bombe zünden?«
Sarabina rief: »Ich würde es gerne in die Luft jagen!«
Ich gab ihr die Fernzündung und zeigte ihr, wo sie drücken musste. Da ich solche Erinnerungen gerne festhielt, hatte ich einen Fotoapparat mitgebracht.
Meine
Absicht
war
ein
Foto
plus
Bekennerschreiben an die Nachrichtenagenturen zu senden. Die Viererbande sollte publik werden.
Sarabina schaute mich an und schrie: »Jetzt knallt es!«
Dann schoss eine gewaltige Flamme in die Höhe und ich drückte den Auslöser des Fotoapparats.
Gleich danach gab es eine gewaltige Explosion. Es dauerte etwa fünf Sekunden bis der Zauber vorüber war. Alle klatschten und pfiffen vor Begeisterung über den gelungenen Akt.
»Die Show ist vorbei, lasst uns verschwinden!« rief Viktor.
Mein Aufruf an die Runde: »Ich kenne eine stillgelegte Fabrik ganz in der Nähe, wo wir die Bombe verstecken können. Und jetzt nichts wie los, bevor jemand kommt. Ich fahre euch voraus.«
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Ich rannte zum Auto und startete den Motor.
Langsam beschleunigte ich und sah dabei in den Rückspiegel. Die vier rannten zum LKW, rissen die Türen auf und jagten mit Vollgas davon. Die Fabrik war 20 km weit entfernt von hier. Morgen würden die Medien über den Anschlag berichten und die Polizei ihre Spurensuche aufnehmen. Ich war mir sicher, dass keine Spur zu uns führen würde. Ja, morgen, da sind wir weit weg von diesem Schauplatz, der uns allen sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Ich war mir sicher, dass das Militär den Überfall auf das Waffenlager nicht an die Öffentlichkeit, also Rundfunk und Fernsehen, weiterleiten wird.
Um ganz sicher zu gehen, schaltete ich das Radio an. Es war jetzt kurz vor 0 Uhr. In den Nachrichten wurde nichts über das Waffenlager in Prawdinsk und das Fehlen der Bombe berichtet.
Ich nahm mein Handy und wählte die Nummer meiner Kontaktperson in der Zentrale. Meldete mich mit meinem Codenamen:
»Was gibt es Neues aus Prawdinsk?«
»Die haben sich bei uns gemeldet. Wir haben gesagt, dass wir von nichts wissen.«
»Es läuft wie geplant. Ich melde mich, wenn wir in Moskau sind.«
»In Ordnung, bis dann.«
»Tschüss.«
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Vor mir tauchte die Abzweigung auf, die zum Fabrikgelände führt. Ich setzte den Blinker und sah den LKW im Rückspiegel. Niemand war uns gefolgt. Die Fabrik lag etwa 1 km von der Hauptstraße entfernt. Die Zufahrtsstraße war etwas reparaturbedürftig. Vor mir sah ich die Umrisse der Fabrik.
Sie wurde vor zwei Jahren stillgelegt. Sie war der ideale Platz um etwas zu verstecken. Ich war mir sicher, dass dort niemand hinkommen würde. Ich parkte mein Auto neben dem Tor der Fabrikhalle.
Viktor hielt mit laufendem Motor davor. Nachdem ich ausgestiegen war sagte ich zu Viktor und Timothy:
»Kommt lasst uns das Tor aufschieben und die Bombe abladen.«
»Ist das Gelände vor Einbrechern sicher?«
scherzte Timothy.
»Keine Angst die Bombe ist gegen Diebstahl versichert.«
sagte ich und konnte dabei ein Grinsen nicht unterdrücken. Das Tor ließ sich nur schwer öffnen.
Mit einem kräftigen Ruck stießen wir es auf. Die Halle war nahezu leer. Nur ein paar Kartons standen auf dem Boden.
»Du fährst rückwärts in die Halle bis ich Stopp rufe.« sagte ich zu Viktor. Während Viktor tat was ihm geheißen wurde, sagte ich zu Timothy: »Wir klettern jetzt nach oben und machen die Bombe los.«
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Wir öffneten den Verschlag und stiegen auf die Ladefläche. Nachdem die Spanngurte gelöst waren, trugen wir die Bombe vor bis zur Kante.
Timothy und ich sprangen von der Ladefläche und halfen Viktor, die Bombe auf den Boden der Fabrikhalle zu legen.
Ich sagte: »Die Frauen und Timothy ziehen jetzt wieder ihre zivilen Kleider an. Sie liegen bei mir im Kofferraum. Viktor du fährst hinter mir her nach Tschubirsk. Die anderen bleiben bei mir.«
Viktor steuerte den LKW aus der Fabrikhalle und wartete auf uns. Timothy und ich schoben das Fabriktor zu und stiegen dann zu den Frauen ins Auto. Wir fuhren los ins Ungewisse, etwas, das ich mir ansonsten nicht leisten kann.
Timothy fragte mich: »Weiß die CIA von dieser Aktion?«
»Na, rate mal?«
»Ihr habt uns schon in der UNO abgehört, ohne die CIA zu informieren? Stimmts?«
»Willst du es ihnen verraten?«
»Weißt du, dass die Idee für den Anschlag von mir kam?«
»Ja, aber ich mache dir keinen Vorwurf. Wenn ich der Meinung wäre, dass du die anderen verführt hast, dann hätte ich dich damals liquidiert.«
»Dann herzlichen Dank, dass ich noch am Leben bin.«
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»Es war ein terroristischer Anschlag. Wenn du Verbindung zu anderen Terroristen gehabt hättest, würden wir dich nicht laufen lassen.«
Theresa bedankte sich:
»Wir werden es dir nie vergessen, dass du uns am Leben gelassen hast.«
»Wenn wir etwas für unseren Ruf tun können, dann strengen wir uns natürlich besonders an.«
Das Schlusswort hatte Timothy:
»So
etwas
nennt
man
gute
Ost-West-
Beziehungen.
Ich mach die Erd zu Leben und du 293
Es grüßt das Eichhörnchen Tikki voller Liebe Tschüsschen,
Bussi,
Bussi,
Küsschen
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Von Tom 4tune gibt es auf free-ebooks.net die folgenden Bücher:
1. Love Love Love - The unforgettable vision of Love with Dada
2. Bang! Bang! Bang! - The unforgettable Big Bang with Dada
3. Wer hat denn schon so was - Dies und das in unserem Leben
4. Fliegt mit mir - satirische Glamour-Story … Ein Humor Potpourri der
Extraklasse
5. Der Tote im Sand - Ein Krimi mit Spürnasen in Hochform
6. Was wärst du ohne deine Träume? -
Ein Einblick in das Rennen der
Menschheit
7. Lass die Gedanken spielen -
Dadaistische Gedankenspiele
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Ihr findet mich auch auf:
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Hört doch mal in meine Musik rein, lacht mit mir in meiner Comedyshow
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oder genießt meine anderen Bücher.
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