Trilogie - Die letzten Rätsel des Steinlachtals by Michael Gauger - HTML preview
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INHALT
KLEINES VORWORT, AUCH ÜBER TEMPLER… 3
DER URSPRUNG DES ORTSNAMENS «BELSEN» 6
DIE TEMPLER 8
Templer waren kein «Geheimbund» 9
Templer nicht unbedingt die »Guten» 10
Christliche Zeit & «Bibelfreaks» 11
Offene und verborgene (okkulte) Bedeutungen 12
Keine einheitliche Symbolik an Templerkirchen 14
WER WAREN DIE ERBAUER DER KAPELLE? 15
UND WIESO «OKKULTE SYMBOLE»? 17
KELTISCHE UND GERMANISCHE SYMBOLE? 18
DIE RELIEFS AUF DEM WESTGIEBEL 20
AUFSCHLÜSSELUNG DER SYMBOLE 21
1) ASTRONOMIE UND MYTHOLOGIE 21
2) EIN «RELAOD» DES SALOMONISCHEN TEMPELS? 31
3) WEITERE SYMBOLE UND VORRICHTUNGEN 43
DIE KAPELLE UND IHRE ANZIEHUNGSKRAFT AUF FRAUEN 48
VORLÄUFIGES FAZIT 49
LITERATURVERZEICHNIS 50
ENDNOTEN 52
2

Bild: der Farrenberg vom Belsener Kapellhügel aus
Bild auf der Titelseite: Westgiebel der Belsener Kapelle, beide Bilder vom Autor, November 2007
KLEINES VORWORT, AUCH ÜBER TEMPLER…
Dass es in Öschingen offenbar ein «Haus Tempel» gab1, und noch um 1828 gemunkelt wurde, auch in
Belsen hätten angeblich «Templer gewohnt»2, erlaubt die Frage, ob die rätselhaften Symbole und
Reliefs der Belsener Kapelle3 - sowohl ihrer Entstehungszeit als auch ihrer Symbolik nach -
möglicherweise mit den Templern oder anderen mittelalterlichen Ritterorden in Verbindung stehen.
Schon die beiden Halbsäulen, die den Eingang der Kapelle flankieren, erinnern verdächtig an
«Jachin» und «Boaz» des Salomonischen Tempels. Ein erster schüchterner Gruβ des legendären
Königs Salomo. Und wie wir weiter unten sehen werden, waren die Templer ja ausgewiesene
«Salomonsritter», die entsprechende Tempel-Symbolik auch gerne verwendeten und zum Ausdruck
brachten. Und die Belsener Kapelle weist noch mehr Parallelen zum Salomonischen Tempel auf
(mehr dazu ab S. 31)! Zudem behaupteten die Belsener angeblich noch um 1864, dass dort ihre
Vorfahren dem Baal oder Bel geopfert hätten 4. Selbiges hat auch Salomo getan, als er sich im Alter
zugunsten seiner vielen Frauen von Gott abwandte (siehe in der Bibel: 1. Könige 11)!
3

Bild: ein Siegel der Tempelritter, rechts der achteckige (islamische) Felsendom auf dem Tempelberg, der auf den Salomonischen
Tempel referieren sollte; Bild: public domain, aus wikipedia free commons
Vorweg: der vorliegende Artikel ist der Anfang einer gröβeren historischen Spurensuche im
Steinlachtal in drei Teilen. Und eine Spurensuche bringt neben interessanten Fundstücken eben
auch neue Fragen hervor, und kann nicht alle Nebel lüften.
Einen Anspruch auf Vollständigkeit, oder gar Wissenschaftlichkeit erhebe ich
dabei nicht, wenngleich ich versuchen will, alles so gut wie möglich zu belegen,
und nicht zu weit ins Feld der Spekulation vorzudringen
BE-weise werden wir auf dieser Reise wenige entdecken, dafür viele neue
HIN-weise. Alle interessierten Leser sind natürlich herzlich eingeladen, in dieser Hinsicht
selbst nachzuforschen und meine Entdeckungen (die teils freilich Spekulation bleiben
müssen) zu ergänzen oder zu erweitern.
Bevor wir aber weiter in die Geheimnisse der Belsener Kapelle eintauchen, seien
zwei Autoren, die in den letzten 20 Jahren wertvolle Grundlagenarbeit zur Belsener Kapelle
geliefert haben, hier ausdrücklich empfohlen: Stefan Wintermantel (der seit 2014
teils völlig neuartige Analysen von Symbolen und Bauzeit der Kapelle vorstellt),
und Jürgen Meyer, der in mehreren Publikationen seit 2002 (Bücher und
Guides) die Geschichte der ganzen Region – wie auch der Kapelle - sehr anschaulich und
reich bebildert zusammenfasst5. Beide werden in den 3 Artikeln zum
Thema «die letzten Rätsel des Steinlachtals» noch mehrfach zitiert.
Wer bei unserem Ausflug in die Heimatgeschichte Mössingens und Umgebung auch nicht fehlen darf,
ist Martin Haar mit seinem «Mössinger Heimatbuch» von 1973, einer Festgabe zur Stadterhebung
1974, herausgegeben von der Stadt Mössingen, welches einen exzellenten und sehr detaillierten
Geschichtsabriss des Ortes und der Region bietet6, mit vielen Quellen, Urkunden, Faksimiles usw.
4
Den eigentlichen Ausschlag für diese Spurensuche gab eine Deutung von Oswald Kubiena, der die
Tiersymbole am Westgiebel bereits 1967 verschiedenen Sternzeichen zuordnete7. Diese Deutung war
mir bis zum Erscheinen von Meyers Buch neu, und lieβ mich nicht mehr los.
Da den Templern auch andernorts eine Art «astronomische Architektur» unterstellt wird, die sich
auf Sternzeichen bezöge (so beispielsweise in deren französischer Burg Gisors8), ist die in Meyers
Buch vorgestellte Deutung Kubienas möglicherweise eine gehaltvolle Spur, die interessant genug
ist, weiter verfolgt zu werden. Diese Fährte hat sich dann peu à peu zu einem veritablen Krimi
ausgewachsen, und war der Anfang einer spannenden Spurensuche.
Bald wurde diese Spurensuche zu einer historischen Schnitzeljagd, und mündete zuletzt in einem
wahrhaft wilden Ritt durch Geschichte und Landschaft der Region, der dem geneigten Leser
viele neue Ansichten und Überraschungen eröffnet.
Jene Spurensuche brachte also so viele neue Puzzlestücke in der Umgebung hervor, dass ich diese
aufgrund ihrer Fülle bald in Themenbereiche einteilen musste, aus denen dann drei Artikel
entstanden. Der hier vorliegende erste Artikel befasst sich mit einer Neubetrachtung der Belsener
Kapelle, wo ich versuche, Spuren neu zu lesen und einzuordnen.
Der zweite Artikel behandelt Dorf-, Flur- und Familiennamen der Region, welche die Kapelle als
möglicherweise eingebettet in einem viel gröβeren Rahmen zeigen. Woraus sich die Fragen ergaben:
wurde hier etwas in gröβerem Stil in der Landschaft codiert? Wer hätte das getan, und warum?
Der dritte Artikel dann befasst sich dann mit einer kuriosen Verbindung des Steinlachtals zu den
Gralsromanen und deren Autoren, wobei wir auch einen Exkurs nach Tübingen machen, wo gleich
noch der Gründer des Geheimgesellschaft der Rosenkreuzer wirkte und schrieb. Tübingen und das
Steinlachtal: eine Art historisches Mekka für «Freidenker» der Sonderklasse? Ein Hort für
«Ghostwriter» von berühmten Minnesängern? Dabei entdecken wir gleich auch neue (alte)
Verbindungen vom Steinlachtal in die heutige Schweiz…
Auf unserer Spurensuche wird uns neben den Pharaonen natürlich auch König Salomo begegnen,
nebst anderen legendären Königen des Alten Testaments; zu Rosenkreuzlern und anderen
Geheimbünden gesellen sich antike Leviten und andere Priesterkasten, ebenso alte Blutlinien und
deren angebliche Rivalitäten untereinander; wir entdecken heilige Berge, und werden einer alten
Zahlensymbolik wie auch der Apokalypse gewahr; dies alles in der Landschaft codiert.
5
DER URSPRUNG DES ORTSNAMENS «BELSEN»
…ist leider rätselhaft ;-) Theophil Rupp (Anm. 4) hielt um 1864 fest, dass man gemeinhin den
Ortsnamen von entweder dem semitischen «Baal», oder vom keltischen «Belenus» herleite.
Wer weiβ, denn beide waren Sonnengötter, und in ihrer Kultur die jeweils höchsten. Und Ortsnamen
wie auch Fluss- oder Flurnamen sind teils hunderte bis tausende Jahre alt, und wurden jeweils von
neuen Kulturen oder Eroberern oft (fast) direkt übernommen. Bekannte Beispiele sind der Rhein, die
Donau, der Neckar; aber auch Stadtnamen wie das ursprünglich römische Köln (Colonia Claudia Ara
Agrippinensium»9) oder Biel in der Schweiz (ebenfalls angeblich von Belenus oder Belena
hergeleitet10) und viele mehr. Die Wortwurzel «Bel» bedeute «stark, mächtig» oder «hell,
glänzend» 11. Vielleicht auch beides, wer weiβ?
Als jugendlicher Mössinger hatte ich viele Freunde in Belsen, was mir damals
noch manchmal ironischen Spott von beiden Seiten bescherte Viele Gelegenheiten also,
die Kapelle zu betrachten, und darüber zu sinnieren. Einer meiner besten Freunde damals
war der Belsener Pfarrerssohn, der mir einmal erzählte, er hätte gehört, der Flurname «Barbelsen»
(auf der anderen Seite des Kapellenhügels) wie auch der Straβenname
(an welcher das zugehörige Pfarrhaus liegt) stamme von einer Hl. Barbara her («Bärbel»).
Früher hätte der Ort wohl zeitweise «Barbelsen» geheiβen. Belege dafür konnte ich zwar nicht
finden, jedoch könnte die Wortwurzel von «Barbel-sen» auch «Babel» enthalten,
das biblische Babylon. Wie und warum auch immer, dazu mehr im 2. Artikel. Und nicht zuletzt wäre
die Kapelle früher auch angeblich ein «Baalstempel» 12 gewesen bzw. wäre dort der «Teufel verehrt»
worden13. Vielleicht ist das aber auch eine nachträgliche «Verteufelung» der
Templer, nachdem diese ab 1314 zerschlagen und verboten wurden…

Bild links: altes Belsener Haus

Bild rechts: noch älteres Belsener Haus, das offiziell älteste im Landkreis Tübingen (von 1515);
beide Bilder vom Autor 2007
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Bild oben: selbsterklärend…
Auch «Belsamen», ein altsemitischer Gott, wurde schon für den Namensstifter von Belsen gehalten
(siehe Osiander in Anm. 13). Dieser Belsamen wurde auch «Baalschamem» oder «Baalsamen»
genannt, und war abgeleitet von Baal14. Die Deutsche Bibelgesellschaft hält fest: «Jahwe als
Himmelsgott geht nach aller Wahrscheinlichkeit auf phönizische Einflüsse zurück.»15
Damit wissen wir zwar nicht mehr über den Ursprung des Ortsnamens, sind aber dafür schon mal
im Alten Orient gelandet…
Ein anderer Ansatz wäre, Belsen auf das französische «Bel» für «schön» zurückzuführen.
Wir wissen zwar, dass es in Belsen wirklich schön ist Doch gerade der französische König, der
die Vernichtung der Templer ab 1307 maβgeblich vorantrieb, wurde genannt Philippe IV. le Bel («der
Schöne») 16. Weitere im Ursprung mutmaβlich französische Namen in der Region werden uns dann
parallel zu dieser Annahme im 2. Artikel dieser Serie begegnen…
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