Endstation unvergesslich by art.TM - HTML preview

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S

L

I

E

B

E

D

K

E

W

T

E

Somit hatte er sein Ziel erreicht, die neue Art von Kreuzworträtsel lag vor ihm auf dem Tisch. Er suchte noch ein paar zusätzliche Begriffe aus, um 150

das Rätsel weiter auszubauen und trug sie in die Tabelle ein.

Nach dieser imposanten Denkleistung war Timothy wie erschlagen. Es war wie immer unerklärlich, wie er auf die Idee kam, eine neue Art von Kreuzworträtsel zu erfinden.

Stolz blickte er auf sein Werk, das vor ihm lag.

Gleichzeitig musste er sich eingestehen, dass ihn diese Leistung ziemlich angestrengt hatte.

In seinem Kopf drehte sich alles. Die Unterscheidung zwischen der Realität und seiner Vorstellung von der Realität, fiel ihm immer schwerer. Er geriet zunehmend in eine Wahrnehmungsstörung, die ihn von seiner Umgebung mehr und mehr entfremdete.

Seine Beine begannen zu zittern. Er versuchte durch eine konzentrierte Anspannung dies zu unterdrücken, aber es gelang ihm nicht. Er stand auf und schleppte sich langsam zum Sofa hinüber.

Am besten war es für ihn, wenn er ausgestreckt da lag. Es erfasste ihn ein Zittern am ganzen Körper und gleichzeitig verkrampften sich sein Gesicht und der Hals. Das Atmen fiel ihm immer schwerer.

Das Gefühl des Erstickens stieg in ihm auf. Seine Augen weiteten sich auf und er begann mit seinen Armen um sich zu schlagen. Getrieben von der Atemnot griff er wie ferngesteuert mit seinen Händen zum Kragen seines Pullovers und weitete ihn auf, um scheinbar besser atmen zu können.

Sein Gesicht war zur Fratze mit starrendem Blick 151

geworden. Timothy kämpfte fieberhaft mit seinen Gedanken gegen diese Atemnot an. Wie von Geisterhand befreit, entkrampfte er sich und nahm einen tiefen Atemzug, um dem Ersticken zu entgehen. Er hatte es wieder geschafft. Diesmal waren keine Lähmungserscheinungen im Gesicht zurückgeblieben.

Timothy lag wie erschlagen auf dem Sofa und begann wieder regelmäßig zu atmen. Das war noch einmal gut gegangen. Er spürte keine Verkrampfung mehr, nur noch das leichte Zittern in seinen Beinen.

An diesem Nachmittag fühlte Timothy, dass es einmal wieder soweit war, er hielt sich reif für die Nervenklinik. Er beschloss, noch ein Weilchen auf dem Sofa liegen zu bleiben und dann seine Sachen zu packen und zur Nervenklinik zu fahren. Nach 10

Minuten stand er auf und machte ein paar gymnastische Übungen, um sein Körpergefühl wieder zu erlangen. Danach lief er ins Schlafzimmer und legte seine Kleider und die Unterwäsche in den Koffer. Die fehlenden Badeutensilien holte er aus dem Badezimmer und warf sie in eine Tasche.

Am besten mache ich mir noch einen Tee zur Beruhigung, dachte er und ging in die Küche. Er setzte einen Topf mit Wasser auf und holte den Tee sowie ein Fläschchen mit Baldrian aus dem Schrank. Währenddessen überlegte er, ob noch irgendetwas mitgenommen werden müsste. Da 152

fiel ihm ein, dass er den Discman und ein paar CDs einpacken könnte. Denn ab und zu hört er vor dem Einschlafen noch ganz gerne ein wenig Musik.

In der Zwischenzeit hatte der Wasserkessel in der Küche angefangen zu pfeifen. Timothy schaltete den Herd aus und goss vorsichtig das Wasser in die Teekanne. Er nahm eine Tasse, schenkte sich den Tee ein und ließ 20 Tropfen aus dem Fläschchen mit Baldrian in die Tasse tropfen. Mit der Teetasse in der Hand lief er durch die Wohnung und sah nach, ob noch etwas zu erledigen war, bevor er zur Klinik fuhr. Nachdem er alles kontrolliert hatte, spülte er die Tasse aus und zog seine Jacke an. Er schaute auf die Uhr, es war 17

Uhr.

Spontan fiel ihm ein, dass anlässlich der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit, eine Synchronisation aller Uhren via Satellit eine deutliche Dezimierung sinnloser Tätigkeiten bedeuten würde. Schade, dass es diese Art von Uhren noch nicht gibt, sonst hätte Timothy sofort einen Auftrag zur Umstellung seiner Uhr an die NASA geschickt.

In 10 Minuten würde ein Bus zur Oliver Turpet Nervenklinik fahren. Er schnappte den Koffer und schloss die Wohnungstür. Auf der Straße angekommen, machte er sich mit leicht zitternden Beinen auf den Weg zur Bushaltestelle.

Timothy war also wieder einmal unterwegs in die Nervenklinik. Sein vierter Aufenthalt. Er war 153

bislang immer auf der Station 4. Die Pflegekräfte und der Psychologe waren ihm sehr sympathisch, weshalb er sich immer recht schnell wie Zuhause fühlte.

Um 17:45 Uhr hielt der Bus vor der Nervenklinik.

Timothy stieg aus und schlenderte gemütlich zur Pforte hinüber. Dort saß, hinter einer Glasscheibe versteckt, eine etwa fünfzigjährige Pförtnerin.

Timothy grüßte freundlich mit einem:

»Guten Abend. Ich möchte auf die Station 4.«

Die Pförtnerin sah ihn mit einem prüfenden Blick an:

»Sind Sie Besucher oder Patient?«

»Ich bin hier, weil ich wieder einen Anfall hatte.

Das ist mein vierter Aufenthalt auf der 4. Das letzte Mal vor einem Jahr.«

»Dann kennen Sie sich ja bestens aus. Sie können rein kommen und nach oben gehen.«

»Vielen Dank und noch einen schönen Abend.«

Er packte den Henkel seines Koffers und marschierte zum Aufzug. Dort wartete eine etwa dreißigjährige Patientin. Timothy grüßte mit einem

»Hey, wie geht’s.«

Sie grinste ihn an:

»Gehört das zu deiner Therapie, dass du fremde Mädchen am Aufzug ansprichst?«

»Natürlich, das hat mir mein Psychotherapeut empfohlen. Es stärkt mein Selbstbewusstsein. Du solltest es auch einmal versuchen.«

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Die Aufzugtür öffnete sich und die beiden traten ein. Sie wählte den dritten und er den vierten Stock.

»Kommst du gerade oder warum hast du einen Koffer bei dir?«

»Ja, ich bin gerade angekommen. Vielleicht treffen wir uns ja einmal in der Cafeteria. Da bin ich öfters mal zum Kaffee trinken und Kuchen essen.«

In diesem Moment hielt er im dritten Stock und die Tür öffnete sich.

»Mal sehen, vielleicht treffen wir uns wieder. Bis dann. Tschüss.«

hauchte sie ihm entgegen und verließ den Aufzug.

Timothy sah ihr nach, bis die Tür wieder zuging.

Das war ein tolles Mädchen, sagte er sich und begann vor sich hin zu pfeifen. Im vierten Stock angekommen, fand er alles noch so vor, wie er es vor

einem

Jahr

verlassen

hatte.

Die

Tischtennisplatte stand noch an derselben Stelle wie auch die schwarzen Ledersessel. Timothy, gut gelaunt, steuerte direkt auf das Stationszimmer der 4 zu. Er stellte sich mitten in den Türrahmen und grüßte die beiden Pflegerinnen, die im Zimmer an einem großen Tisch saßen. Er erkannte die Pflegerin mit den blonden langen Haaren wieder:

»Hallo Frau Brown, wie geht es Ihnen?«

Sie schien ihn in diesem Moment ebenfalls wieder zu erkennen und begrüßte ihn ebenfalls mit einem:

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»Hallo Herr Akinborough, sind Sie auch mal wieder hier.«

»Ja, ich hatte heute Nachmittag einen Anfall und dachte es ist am besten, wenn ich gleich hierher komme.«

»Ich werde sofort Doktor Jewing holen. Warten Sie hier solange, bis ich wiederkomme.«

und verließ das Zimmer. Timothy fragte die andere Pflegerin:

»Haben Sie noch etwas zu essen da, ich habe nämlich noch ein wenig Hunger.«

»Ich werde mal in der Küche nachsehen, ob noch etwas vom Abendessen übrig geblieben ist.«

entgegnete sie und machte sich auf den Weg. In diesem Augenblick erschien auch schon Frau Brown zusammen mit Doktor Jewing. Der streckte die Hand aus und begrüßte Timothy mit den Worten:

»Hallo Herr Akinborough, wie fühlen Sie sich?«

»Ich hatte heute Nachmittag einen Anfall, bei dem ich am ganzen Körper zitterte, bei gleichzeitiger, schwerer Atemnot. So wie beim letzten mal.«

»Ist das Zittern vollständig weg?«

»Meine Beine sind noch etwas schwach, aber ansonsten fühle ich mich wieder gut.«

»Haben Sie Ihre Medikamente regelmäßig eingenommen?«

»Ja, eigentlich schon. Vielleicht habe ich sie an einem Tag mal vergessen zu nehmen, öfters aber nicht.«

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»Ich gebe Ihnen jetzt ein Beruhigungsmittel.

Danach können Sie bis morgen früh durchschlafen.

Kommen Sie bitte mit ins Behandlungszimmer.

Den Koffer können Sie solange hier stehen lassen.«

und ging voran. Er schloss die Tür auf, ging zum Medikamentenschrank

und

holte

das

Beruhigungsmittel hervor.

»Ich gebe Ihnen eine davon. Nach etwa einer Stunde werden Sie müde und können dann schlafen.«

Mit diesen Worten reichte er Timothy die Tablette mit einem Glas Wasser.

»Frau Brown wird Ihnen jetzt Ihr Zimmer zeigen und wir sehen uns dann morgen wieder.«

Mit einem »Danke, bis morgen.«

verabschiedete sich Timothy und ging zurück zum Stationszimmer.

Frau Brown empfing ihn mit den Worten:

»Dann folgen Sie mir mal. Ich werde Ihnen jetzt das Zimmer zeigen. Danach können Sie in der Küche eine Kleinigkeit von den Resten des Abendbrotes essen.«

»Sie liegen in einem Dreibettzimmer. Momentan ist aber nur ein Patient drin.«

und klopfte an die Tür der 420. Sie ging in den Raum, in dem sich gerade niemand befand.

»Wollen Sie lieber in der Mitte oder vor dem Schrank liegen?«

»Am liebsten in der Mitte.«

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»Dann gehört Ihnen der Schrank in der Mitte. Wo die Küche und das Badezimmer sind, muss ich Ihnen ja wohl nicht erklären.«

»Danke. Nein, ich habe noch nichts vergessen. Die Arbeit können wir uns sparen.«

»O.K., dann lasse ich Sie jetzt alleine, damit Sie Ihre Sachen einräumen können. Vergessen Sie nicht das Essen in der Küche. Bis dann.«

Timothy warf den Koffer auf das Bett und begann seine Sachen auszupacken. Nach 10 Minuten war alles soweit eingeräumt. Er spürte ein leichtes Hungergefühl in der Magengegend und beschloss, etwas dagegen zu tun. Auf dem Weg zur Küche fiel ihm ein, dass er noch seine Tageszeitung abbestellen muss. Gleich Morgen wollte er bei der Zeitung anrufen. In der Küche fand er ein Tablett mit einem Teller voller Käse und ein kleines Schüsselchen mit Weißkraut. Dazu angelte er sich noch Messer und Gabel aus der Schublade. So ging er in den Speisesaal.

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Theresa und Timothy

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