Die letzten Rätsel des Steinlachtals - 3 von 3: Was soll der Gral im Steinlachtal? - Artikel vom Februar 2025 by Michael Gauger - HTML preview

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Die letzten Rätsel des Steinlachtals, Teil 3 von 3:

 

Was soll der Gral im Steinlachtal?

 

Bild oben: Sir Galahad entdeckt den Heiligen Gral; von Edwin Austin Abbey 1895, gemeinfrei

 

Der so oft zitierte und mysteriöse „Heilige Gral“: dieser hat schon viele Gemüter bewegt und etliche

Sinnsucher auf falsche Fährten gelockt. Dass und warum Geschichten um diesen sagenumwobenen

„Gral“ bei mittelalterlichen Eliten überaus beliebt waren, und was dieser schlussendlich darstellen

soll, versuchte ich schon an anderer Stelle zu beleuchten1.

 

Dieser Artikel ist der dritte und letzte Teil der kleinen Trilogie „die letzten Rätsel des Steinlachtals“,

die neue Fundstücke und Zusammenhänge vor allem aus dem Mittelalter präsentieren will2.

 

Nun gibt es einige bekannte mittelalterliche Autoren, die Geschichten um diesen „Gral“ verfassten,

und damit bei ihren Zeitgenossen einen regelrechten „Massenwahn“ auslösten, heute würde man

wohl „urban legend“ dazu sagen  So zum Beispiel im 12. Jh. Chrétien de Troyes („Le conte de

Graal“), Robert de Boron („Roman de l’estoire dou Graal“); für den deutschen Sprachraum hat dann

um 1210 Wolfram von Eschenbach diesen Stoff adaptiert; mit seinem „Parzival“, welcher sich

 

1 In den Artikeln „Das Rätsel um den Heilgen Gral – jetzt endlich gelöst!“ (2018), „Parzival und die Gralsburg: in der Schweiz?“ (2019)

und „Parzival – der grösste aller Prinzen?“ (2020), gratis im Web downloadbar, z.B. hier Zeitreisen im Seeland (unter „Aktuelles“,

bei Interesse nach unten scrollen) oder auch hier: Schreibereien von Michael Gauger : Michael Gauger : Free Download, Borrow,

and Streaming : Internet Archive (alle Artikel sind links aufgelistet und anklickbar) 2 Die Vorgänger-Artikel sind: „Neues von der Belsener Kapelle“ (2023) und „Biblische Geografie und ein „Tal der Tempelkönige“ an wiederum auf einen provenzalischen „Kyot“ stützt, der die Geschichte von einem iberischen Juden

namens „Flegetanis“ haben wollte...3 etc.

 

Doch was um alles in der Welt bringt jetzt diesen Gral ins Steinlachtal? Wie ich glaube, spielt dieser

hier durchaus eine Rolle, weil er gerade hier einige Spuren hinterlassen hat, welche ich nachfolgend

vorstellen und deuten will.

 

Nun gibt es neben den oben angeführten „Grals-Bestsellern“ noch einen weiteren

deutschsprachigen Gralsroman, nämlich den „Gauriel von Muntabel oder der Ritter mit dem Bock“

eines Konrad von Stöffeln (geschrieben wohl zwischen 1250-1300). Wer dieser Konrad von Stöffeln

nun genau war, ist bis dato nicht endgültig geklärt, weil es einige Familienmitglieder dieses Namens

gab.

 

Bild links: Titelseite des Gauriel von Muntabel, Handschrift auf Papier, CC-BY-Lizenz (4.0); Bildquelle:

Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Codex Donaueschingen 86

Bild rechts: Gauriel von Muntabel in der dt. Erstausgabe von 1895

 

Wikipedia4 fasst den derzeitigen Stand der Forschung wie folgt zusammen: „A m ehesten von allen

vier Personen namens Konrad in der Gönninger Linie könnte der Dichter (also des Gauriel von

Muntabel, Anm. d.A.) mit Konrad von Stöffeln (genannt 1287–1300), Bruder des Kuno und Albrecht

und Sohn des Albert und der Adelheid von Stöffeln, identifiziert werden.“

 

Also die Gönninger Linie, die zur fraglichen Zeit auch Öschingen nebenan in Besitz hatte.

Dr. Wolfgang Achnitz, der sich mit der Urheberschaft des „Gauriel“ näher befasste, kam bereits 1997

zu diesem Ergebnis5, welches dann auch der bekannte Steinlachtäler Autor Jürgen Meyer in einem

sehr lesenswerten heimatgeschichtlichen Buch vorstellte 6.

 

3 Heiliger Gral – Wikipedia

4 Stöffeln (Adelsgeschlecht) – Wikipedia; ebenso Konrad von Stoffel – Wikipedia

Das untere Bild zeigt einen Screenshot aus der Arbeit „Zeitauffasung und Figurenidentität im Daniel

 

von dem Blühenden Tal und Gauriel von Muntabel“, einer Dissertation 7 von Almudena Otero Villena,

2005, wo wir eine kurze Zusammenfassung der Handlung des „Gauriel“ finden – wen es interessiert 

 

Wobei diese hier natürlich zweitrangig ist...

 

Doch was aufhorchen lässt, ist der Titel des Werkes selbst: „Gauriel von Muntabel“.

 

Warum?

 

„Muntabel“ könnte zu deutsch auch übersetzt werden mit „schöner Berg“.

 

Und was haben wir gleich oberhalb von Öschingen, welches bis 1381 den edelfreien Herren von

 

Stöffeln gehörte 8, welche gleich im unmittelbar benachbarten

 

Gönningen ihren Stammsitz hatten9?

 

Den SCHÖNBERG!

 

Reutlingen 2002; dort S. 49 f.

7 (99+) Zeitauffassung und Figurenidentität im Daniel von dem Blühenden Tal und Gauriel von Muntabel

Bilder oben: Aussicht vom Schönberg bei Öschingen; Robert Barbiak 2012 (links) und 2023 (rechts)

 

 

So hätte der Autor, der vielleicht sogar in Öschingen wirkte/schrieb 10,

 

den Entstehungsort der Geschichte gleich mit im Titel verankert:

 

FUNDSTÜCK 1 )

 

MUNTABEL = SCHÖNBERG BEI ÖSCHINGEN?

 

Und was fliesst durch Öschingen? Der Öschenbach!

 

Einer der prominentesten Dichter/Minnesänger des Hochmittelalters war Wolfram von Eschenbach.

Jetzt gibt es nicht nur das hochadelige Geschlecht derer von Eschenbach in der Schweiz 11, welches

u.a. die Stadt Luzern gegründet hat12, sondern auch den Eschenbach durch/bei Öschingen.

 

Wir Einheimischen nennen diesen Öschenbach „Esche(n)bach“, sowie auf schwäbisch Öschingen =

Eschingâ heisst („Eschingen“)! Öschingen wurde erstmals in einer Urkunde von 1101 als „Escingen“

erwähnt13. „Eschingâ“ ist auch die bis heute gebräuchliche schwäbische Bezeichnung des Ortes.

Siehe dazu auch den alten Markstein von 1683 mit „Eschingen“ darauf14:

 

10 Siehe Jürgen Meyer in Fn. 6

11 Die Identität des Wolfram von Eschenbach ist bis heute rätselhaft. Allgemein wird angenommen, dass er aus dem heute

sogenannten „Wolframseschenbach“ in Bayern stammte, weil er sich selbst in einem seiner Werke als „Baier“ bezeichnete. Was ich aber für zu schwammig halte, denn nach damaligem Sprachgebrauch hatte das Wort „Baier“ mehrere Bedeutungen, auch ironische. Dass und warum ich den echten von Eschenbach in der heutigen Schweiz bei Luzern verortete, kann man hier

nachlesen: „Parzival – der grösste aller Prinzen?“ (2020): 3a19abd8-288d-4aed-8cf1-4de89ef5cf62.pdf; dort S. 4 f., ergänzend

dazu hier: „Parzival und die Gralsburg – in der Schweiz?“ (2019) 5e45079b-b221-4445-bdb8-a5554addb4d0.pdf; dort S. 8 ff., 22.

12 Eschenbach (Adelsgeschlecht) – Wikipedia

13 Siehe Fn. 8

Bild links: der Gauriel-Autor Konrad von Stöffeln, der „Ritter mit dem Bocke“; Bild Mitte: Bild eines alten Marksteins vom

Steinlachtäler „Eschingen“ (17. Jh.); rechts Wappen der Edelfreien von Stöffeln, aus dem Scheibler 'schen Wappenbuch um 1450

 

Und so ist der eigentliche (schwäbische) Name des Dorfflusses „Eschenbach“, nur auf modernen

Karten heisst dieser „Öschenbach“. Andere Eschenbachs lasse ich hier mal aussen vor, weil sie

keine Gralsbezüge aufweisen. Wie hat der Autor des „Gauriel von Muntabel“ diesen schon im

Untertitel auch noch genannt?

 

Den „Ritter mit dem Bocke“. Im Bock, der den Gauriel begleitet, sieht Gauriel-Forscherin Dª

Almudena Otero Villena eine Anlehnung an den Löwen, der den sagenhaften Gralsritter Iwein

begleitete15... Und siehe da, der Löwe ist auch das Wappentier derer von Stöffeln :-) Gauriel-Forscher

Dr. Wolfgang Achnitz wiederum hält fest, dass der „Gauriel“ reimtechnisch eine schwäbische

Herkunft des Autors vermuten lasse. Der Steinlachtäler Heimatgeschichtler Jürgen Meyer

vermutete schon 2002, Konrad von Stöffeln sei „mit grösster Wahrscheinlichkeit“ der Verfasser des

unter Pseudonym geschriebenen (...) „Gauriel von Muntabel.“

 

Zum selben Schluss kommt heute auch Wikipedia: Konrad von Stoffel – Wikipedia Meyer sieht

zudem in Konrad von Stöffeln einen in diversen Urkunden zitierten „Konrad de Eschingen“16 !

Mit dieser Ansicht folgt er einer Untersuchung von Irene Göhler von 199917, und stellt dann die

berechtigte Frage, ob jener Konrad de Eschingen nicht vielleicht in Öschingen wirkte (auch weil

Gräben und Fundamente dort von einer aufgelassenen Burganlage aus fraglicher Zeit stammen

könnten).

 

Nun zurück zu unserem „Eschenbach“: mit Wolfram von Eschenbach hätten wir einen weiteren,

sogar gleich den berühmtesten deutschsprachigen Gralsautoren, vor uns. Und weil viele Orte seiner

Gralsgeschichte, des berühmten „Parzival“, in der heutigen Schweiz zu finden sind, habe ich dort

schon vor Jahren einen regelrechten „Grail Trail“ ausgemacht18. Offenbar ging Parzival gerne in der

heutigen Schweiz spazieren :-) und einige Orte und Regionen des Werkes, die bisher als nicht

lokalisierbar galten 19, sind dort buchstäblich vorhanden!

 

15 Da Almudena Otero Villena in „Zeitauffasung und Figurenidentität im Daniel von dem

Blühenden Tal und Gauriel von Muntabel – Dissertation an der Universität Santiago de Compostella 2005, dort S. 158 16 Jürgen Meyer wie in Fn. 6, S. 49 f.

17 „Die Herren von Stöffeln: Zur Geschichte einer mittelalterlichen Adelsherrschaft“; Göhler, Irene. (2000) in: „Liutold von Achalm (†

1098), Graf und Klostergründer“: Reutlinger Symposium zum 900. Todesjahr; Gemeinhardt, Heinz Alfred• Lorenz, Sönke (Publ.) -

Reutlingen (2000)

Dass Wolfram von Eschenbachs Wappen (gem. dem berühmten „Manessischen Liederhandbuch“ von

ca. 1300 20) nicht mit dem der mächtigen Herren von Eschenbach in der Schweiz übereinstimmt, ist

auugenfällig, will aber nichts heissen! Vielleicht ist es ja ein „Fantasiewappen“? Weil schon sein

Name auch ein „Künstlername“, ein Pseudonym sein könnte. Dazu mehr auf der nächsten Seite...

 

Bilder oben: idealisierte Miniaturen aus dem „Manessischen Liederhandbuch“, auch „Codex Manesse“ genannt, zw. 1305-1315; links

Wolfram von Eschenbach, rechts Hartmann von der Aue. In der Mitte des Wappen des freiherrlichen Geschlechtes derer von

Eschenbach bei Luzern, Schweiz (aus der Zürcher Wappenrolle, um 1340)

 

Es könnte also AUCH sein, dass „von Eschenbach“ und/oder der Stöffler mit „Muntabel“ Öschingen

bzw. das Steinlachtal gleich zuoberst in ihren Werken gekennzeichnet haben, in Titel und Namen.

 

Vielleicht hat ein „Ghostwriter“ beider Werke ja in Öschingen logiert, und wollte mit den

(Phantasie-)Namen „Muntabel“, „von der Aue“ (alias von Ow, welche nach den Stöfflern hier

herrschten) und „von Eschenbach“ klarmachen, dass er eben von hier aus wirkte, auch wenn er u.U.

aus der heutigen Schweiz bzw. Eschenbach bei Luzern stammte? Almudena Orero Villena hält in

ihrer vergleichenden Arbeit über mittelalterliche Gralsromane fest, dass zwischen dem „Iwein“ des

Hartmann von der Aue und dem „Gauriel“ des Konrad von Stöffeln intertextuelle Bezüge vorlägen21,

zudem gäbe der Autor des Gauriel an, sowohl Hartmann von der Aue als auch Wolfram von

Eschenbach zum Lehrer gehabt zu haben22!

 

Das ist spannend: Hartmann von der Aue war ein weiterer berühmter Dichter & Minnesänger des

Mittelalters. Der Wikipedia-Eintrag über diesen Sänger schliesst nicht aus, dass jener Hartmann

Ahnherr des Adelsgeschlecht von Ow war, genau denen von Au/Ow, die (allerdings wohl später) um

Öschingen, Gönningen etc. begütert waren 23. Weiter wird dort statiert, dass er „im Herzogtum

Schwaben vermutet“ wird. Auch verfügte er, wie eben Wolfram von Eschenbach, wohl über

ausgezeichnete Französischkenntnisse. Dass Wolfram von Eschenbachs Französischkenntnisse

 

20 Codex Manesse – Wikipedia

21 Siehe Almudena Otero Villena in Fn. 14, S. 151 ff.

nicht zuletzt der unmittelbaren Nähe der heutigen Innerschweiz/Westschweiz (wo viele der Orte

liegen, die in seinem „Parzival“ auftauchen24!) zum damaligen Burgund/Frankreich geschuldet sein

könnten, habe ich schon früher in den Raum gestellt25.

 

Zusammengefasst:

 

FUNDSTÜCK 2):

 

WAREN WOLFRAM VON ESCHENBACH, HARTMANN VON DER AUE UND

 

K ONRAD VON STÖFFELN („DE ESCHINGER“) EINE EINZIGE PERSON?

 

PSEUDONYME FÜR EIN- UND DENSELBEN „GHOSTWRITER“?

 

DER VIELLEICHT (TEILS) IN UNSEREM ÖSCHINGEN WIRKTE, UND DAS IN

 

NAMEN UND ROMANTITELN GUT SICHTBAR CODIERTE?

 

Natürlich ist das nur Spekulation, aber diese Fragen drängen sich fast auf. Auffällig ist jedenfalls

auch, dass sowohl Wolfram von Eschenbach, wie auch Hartmann von der Aue als auch der Autor des

„Gauriel“ als bisher nicht lokalisierbar galten, gar ihre ganzen Identitäten rätselhaft sind 26!

Obwohl sie doch mittelalterliche „Superstars“ waren! Sonderbar...

 

Adlige, vor allem aber Hochadlige, waren seit jeher so standesbewusst und stolz auf ihre „edle

Abkunft“ (Wolfram betonte ja ständig, „ritterbürtig“ zu sein27), dass sie daraus kaum einen Hehl

gemacht haben bzw. hätten. Ganz im Gegenteil, man hängte seinen gehobenen Stand für gewöhnlich

an die ganz grosse Glocke! Wieso gerade von Eschenbach und von der Aue, zwei der berühmtesten

Dichter und Sänger der Zeit, sich so in Schleier hüllen sollten, ist zumindest fragwürdig...

 

Zumindest die von Stöffeln brachten sehr gebildete und hochrangige Gelehrte/Geistliche hervor:

einen Dichter und einen Astronomen 28, zudem mehrere Äbte und Priore; was zeigt, dass sie vom

Bildungsstand her sehr wohl in der Lage gewesen wären, solche „Gralswerke“ zu verfassen.

 

Hier laufen wohl gleich mehrere Fäden zusammen:

 

Dass gerade diese drei berühmten „Gralsautoren“ (Wolfram von Eschenbach, Hartmann von der Aue,

Konrad von Stöffeln - alias „de Eschinger“) so nebulös sind; alle gleichwohl namentlich deutliche

„Steinlachtäler Bezüge“ aufweisen - und in oder von Öschingen aus gewirkt haben könnten -

macht unser Steinlachtal erst recht zu einem potentiellen „Gralsland“ erster Klasse.

 

24 Siehe Michael Gauger in Fn. 1, „Parzival und die Gralsburg – in der Schweiz?“; dort S. 8 ff.

25 Ders.: „Parzival, der grösste aller Prinzen? Über Herkunft und Bedeutung des wunderlichen Gralssuchers“ (2019); dort S. 5 26 Siehe deren Wikipedia-Einträge in Fn. 22 + 25

Exkurs: Mittelalterliche Verbindungen vom Steinlachtal in die Schweiz?

 

Wenn es sich so verhält, dass ein mittelalterlicher „Ghostwriter“, der in Öschingen eine oder

mehrere Gralgeschichten schrieb, zugleich aber etliche Gralsorte in der heutigen Westschweiz zu

finden sind29 („Eschenbach“ als Pseudonym und zugleich Ortsbezeichnung – könnte auf Öschingen

UND das hochadelige Geschlecht derer von Eschenbach bei Luzern/CH hinweisen): gab es weitere

mittelalterliche Verbindungen von der Schweiz ins Steinlachtal oder andersrum?

Die eine solche „Achse“ Schweiz-Steinlachtal plausibel machen könnten?

 

Die Antwort vorweg: ja, einige, und sogar recht markante!

 

a) Jolanda von Urach, Tochter des Grafen Egino IV. von Urach, ehelichte vor 1202 Graf Ulrich

III. von Neuenburg 30 (in der heutigen Westschweiz). Eben standesgemäss Sie ist somit als

„Stammutter“ der mächtigen Grafen von Neuenburg und der daraus folgenden Linien Aarberg,

Valangin, Strassberg und Nidau zu betrachten (alle in der heutigen Westschweiz). Wo es um Macht

und Pfründe ging, war man also in Adelskreisen schon früh sehr mobil...

 

b) Die Herren von Ow/Au (aus dem Kreis Tübingen) stellten nachweislich mehrere

Johanniterkomture, die in Kommenden der heutigen Schweiz „amteten“! So zum Beispiel Johannes

von Ow, Komtur der Kommende in Münchenbuchsee, Kanton Bern:

 

Bild oben: selbsterklärend :-) aus Wolfgang Friedrich von Mülinen: „Johann von Ow, Herrenmeister des

Johanniterordens“, In: Blätter für bernische Geschichte, Kunst- und Altertumskunde 5, 1909, 1, 3

 

Und schon ein früherer Johannes von Ow amtete in Münchenbuchsee als Komtur31 (1396-1407).

Ein anderer von Ow, der Johanniter-Ritter Georg, wurde 1480 von seinem Ordens-Grossmeister

nach Rhodos geschickt, um dort die Verteidigung gegen die Osmanen zu organisieren. Später wurde

er Prior von Böhmen, dann Grossprior in Deutschland, bestattet wurde er 1481 in der Ordenskirche

Münchenbuchsee 32.

 

29 Siehe Fn. 24

30 Familienübersicht: Neuenburg, Ulrich III von

c) Ein Kuno von Stöffeln war von 1379-1411 (+) Fürstabt in Sankt Gallen33.

 

 

d) die Herren von Gammertingen hatten Besitz im Engadin,

und die Achalmer sogar in Rätien34!

 

e) Der Ritter Walther IV. von Eschenbach (bei Luzern in der Schweiz) entkam , nachdem

über ihn die Reichsacht verhängt wurde, 1309 ins Herzogtum Württemberg , wo er noch bis kurz vor

seinem Tod 1349 unerkannt als Schafhirt gelebt haben soll35.

 

f) Dann gäbe es da die Geschichte des schwäbischen Herzogs Ulrich von Württemberg, der

1518 als einziger (allerdings nur unter Aufsicht) die Erlaubnis bekam, auf den Pilatusberg bei Luzern

zu steigen. Was sonst lange bei Strafe verboten war: man befürchtete, durch Störung des dort

angeblich bestatteten Pontius Pilatus Unwetter heraufzubeschwören 36.

 

Nachdem Kaiser Maximilian über denselben Ulrich, Herzog von Württemberg, die Reichsacht

verhängte, wurde Ulrich in die Verbannung geschickt, wo er sich auch in der Schweiz aufhielt,

siehe oben. 1525 versuchte er aus der Verbannung heraus, sein Land zurückzugewinnen,

mit Schweizer Söldnern, die mit ihm sogar bis vor Stuttgart zogen!

 

1534 dann gelang ihm die Rückkehr ins Herzogtum Württemberg, wo er sofort begann, die

Reformation einzuühren, wiederum mit Schweizer Reformatoren! Die u.a. von Huldrych (Ulrich)

Zwingli beeinflusst waren, der ja einen theokratischen Gottesstaat einführen wollte, mit

militärischen Mitteln.

 

g) Zudem waren viele schwäbische Ritter als Söldner in fernen Landen zugange wie z.B.

Hugo von Melchingen in der Schlacht im italienischen Val di Chiana 1363. Oder Heinrich von Killer

(Beiname „Affenschmalz“), ebenfalls in Italien 1375. Schwäbische Condottieri (Söldnerführer) in

Italien waren zu dieser Zeit wohl „nach tausenden zu zählen“37. Hugo von Melchingen und Heinrich

von Killer stammten gleich von nebenan.

 

Bild oben: Ugo del' alla („Hugo mit dem Flügel“) in der Schlacht von Val di Chiana; gemeinfrei

 

33 Siehe Fn. 4

34 Casimir Bumiller: „Zwischen Alb und Alpen -Die Grafen von Gammertingen in der politischen Welt des Hochmittelalters“, Südverlag Konstanz 2019; dort S. 122-147

35 Wie in Fn. 12 : Eschenbach (Adelsgeschlecht) – Wikipedia

h) Nicht zuletzt den Dusslinger Ritter Wilhelm Herter zu Hertneck, der die Eidgenossen und

 

ihre Verbündeten in allen 3 sogenannten „Burgunderkriegen“ 1476/77 (Schlachten bei Grandson,

Murten und Nancy) zum Sieg gegen die mächtigen Burgunder unter Karl dem Kühnen führte!

Herter war der gewählte Feldherr und Oberbefehlshaber aller dieser Schlachten 38.

 

Bild links: Schlacht bei Murten am 22, Juni 1476, aus der Chronik des Diebold Schilling um 1480,

Bild rechts: Wilhelm Herter im Detail

 

Und es gäbe noch etliche Beispiele mehr... also: viele Leute waren im Mittelalter als Ordensmänner

in Europa unterwegs, hinzu kamen beständige Pilgerscharen, Fahrende, Schausteller und Händler,

nicht zuletzt Heere und viele Söldner! Es ging kreuz und quer, ein ständiges Getriebe auf Strassen &

in Städten...

 

Mittelalterliche Verbindungen vom Steinlachtal in die Schweiz (bzw. andersrum) sind also gar nicht

so abwegig, sondern erwiesen. Ein in Öschingen tätiger adeliger Schreiber mit Schweizer

Ortskenntnissen/Wurzeln wäre also auch für das Mittelalter nicht ungewöhnlich, und liegt durchaus

im Bereich des Möglichen.

 

38 Siehe dazu meinen Artikel „Es war nicht Bubenberg“ von 2014 (zu finden unter den Links in Fn. 1), und das zugehörige Video „Der Und noch ein Hinweis auf den „Gral“ könnte im Steinlachtal zu finden sein:

wie wird der Gral bei Wolfram von Eschenbach um 1210 nochmal

beschrieben?

Als STEIN („LAPSIT EXCILLIS“, wohl „Stein, der vom Himmel fiel“39):

und wo befinden wir uns hier?

 

Im STEINLACHTAL!!! Obschon der Fluss seinen Namen wohl von den vielen Steinen hat, die auf

seinem Grund liegen :-) könnte eine „Doppelbedeutung“ vorliegen: wenn wir gemäss Wolfram von

Eschenbach den „Gral“ mit einem Stein gleichsetzen, der „vom Himmel fiel“ („lapsit excillis“ oder

auch „lapsit ex cillis“): ist hier der Ort, wo der „Stein lach“ (lag) oder oder auch der „Stein lacht“?

 

So betrachtet würde auch die „biblische Geografie“, die ich meine, in und um das Steinlachtal

entdeckt zu haben40 gut ins Bild passen, gilt doch der Gral auch als „Allegorie auf die Bundeslade“41.

 

Und wo stand diese legendäre Bundeslade? Im Tempel zu Jerusalem, den ja König Salomo erbauen

liess. Und wie wir im 1. Artikel dieser Reihe gesehen haben42, finden wir den hiesigen

„Salomonischen Tempel“ eben in Belsen mit seiner Kapelle, passend dazu ebenfalls im Steinlachtal,

gleich nebenan! Wo der Sage nach ja auch „Templer wohnten“, welche zudem als „Hüter des Grals

galten“43. Und im Steinlachtal und dessen Umgebung tummeln sich ja noch mehr biblische

„Tempelkönige“...

 

FUNDSTÜCK 3:

 

ERGÄNZEND ZU DEN BETRACHTUNGEN ÜBER „MUNTABEL “ BEI ÖSCHINGEN,

 

KONRAD VON STÖFFELN, WOLFRAM VON ESCHENBACH UND HARTMANN

 

VON DER AUE KÖNNTEN AUCH DIE NAMEN

 

STEINLACH UND DAS STEINLACHTAL („LAPSIT EXCILLIS“)

HINWEISE AUF DEN GRAL ODER HIESIGE GRALGESCHICHTEN SEIN!

 

WEIL DER „GRAL “ EINE ALLEGORIE AUF DIE BUNDESLADE SEIN SOLL,

 

DIE IM TEMPEL SALOMOS SICH BEFAND.

 

DIESEN WIEDERUM SEHEN WIR IN DER

BELSENER KAPELLE VOR UNS!

 

39 Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival) – MediaeWiki, das Mediävistik-Wiki, oder noch verwirrender hier Parzival/

Perceval: Die Burg des Fischerkönigs, der Gral und Sigune als Pietá 40 Siehe die beiden Vorgänger dieses Artikels „Die letzten Rätsel des Steinlachtals“, besonders Teil 2 „Biblische Geografie an der

Steinlach? Oder ein Tal der Tempelkönige bei Mössingen?“, von 2024: zu finden unter den Links in Fussnote 1 41 So Reiner Maue in „Über die geheimnisvollen Freimaurer“, BoD-Verlag 2011: Über die geheimnisvollen Freimaurer: Eine

historisch-semiologische ... - Reiner Maue - Google Books. dort S. 53; ebenso der Historiker Wolfgang Eggert in „Im Namen Gottes

- Israels Geheimvatikan als Vollstrecker biblischer Prophetie“, Bd. 3, Edition Hermetika, München, 2. Auflage 2002; dort S. 418 42 Siehe Artikel „die letzten Rätsel des Steinlachtals, Teil 1 von 3: Neues von der Belsener Kapelle“, zu finden unter den Links in Fn. 1

und 2

43 Wolfram von Eschenbach beschreibt in seinem „Parzival“ die Templer („Templeisen“) um 1210 als „Hüter des Grals“: Der Gral in von

Eschenbachs Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) – MediaeWiki, das Mediävistik-Wiki; siehe dazu auch Gerard de Sède:

Also haben wir im Steinlachtal gleich mehrere Verbindungen zum „Gral“, die ineinander verzahnt

 

und kaum zu übersehen sind:

 

Gauriel von Muntabel, „Ritter mit dem Bocke“ von Konrad von Stöffeln –

in/bei Öschingen

 

Muntabel – schöner Berg Schönberg

bei Öschingen

 

Wolfram von Eschenbach Eschenbach (hochdeutsch „Öschenbach“),

Fluss bei Öschingen

 

Hartmann von der Aue Ahnherr derer von Au (von Ow) –

in und um Öschingen

 

Gral als Bundeslade im Tempel Salomos Belsener Kapelle (siehe 1. Artikel)

 

Gral als Stein (bei von Eschenbach) Steinlachtal?

 

 Nicht zuletzt will Konrad von Stöffeln sowohl Wolfram von Eschenbach wie auch

Hartmann von der Aue zum Lehrer gehabt haben!

 

Konrad von Stöffeln ist nahezu identifizierbar, die zwei „Superstars“ der Zeit Wolfram von

Eschenbach und Hartmann von der Aue aber kurioserweise überhaupt nicht (auch von Walther von

der Vogelweide, einem weiteren „Superstar“ ist kaum etwas bekannt44)... Möglicherweise sind nicht

nur die Wappen dieser berühmten Dichter reine Fantasie ;-)

 

Könnte das nahelegen, dass diese beiden Dichter Erfindungen bzw. Pseudonyme von Konrad von

Stöffeln sind? Oder eines anderen „Ghostwriters“ bzw. einer anonymen Schreibergruppe?

Denn mehrere Werke von einer solchen Länge, Fülle und Qualität könnte ein einzelner wohl kaum

„konstruieren“...

 

Aber es kommt noch mehr...

Heinrich von Ofterdingen und der Nibelungenschatz:

 

Lösegeld für Richard Löwenherz?

 

In dieser Reihe möglicher Steinlachtäler Verbindungen zum Gral dürfen wir nicht ausser Acht

lassen:

den Sänger Heinrich von Ofterdingen, eine Hauptfigur im sagenhaften „Sängerkrieg auf der

Wartburg“. Viele lokalisierten ihn bzw. seinen Geschlechtsnamen im schwäbischen Ofterdingen, im

Steinlachtal...45 Auch wenn dieser Heinrich als nicht historisch gilt, so spielten doch Dichtungen um

diesen mythischen Sängerkrieg im Mittelalter eine grosse Rolle, und waren sehr beliebt46.

 

Im berühmten „Codex Manesse“, das vom Zürcher Patriziergeschlecht Manesse (wohl vom

verlorenen jüdischen Stamm Manasse hergeleitet47) in Auftrag gegeben wurde, ist neben Wolfram

von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Hartmann von der Aue etc. eben AUCH Heinrich von

Ofterdingen dargestellt, siehe Bild unten, fiktive Figur oder nicht.

 

Bild oben: Sängerkrieg auf der Wartburg, aus dem Codex Manesse, um 1310; gemeinfrei;

Überschrift „Klingosor vo Ungerlant“ (meint den mythischen bösen Zauberer Klingsor aus Ungarn („ungerlant“),

der in diesem Sängerkrieg eine grosse Rolle spielte. Heinrich von Ofterdingen ist der Mann, der ganz rechts den Arm hebt.

 

45 ADB:Heinrich von Ofterdingen – Wikisource

46 Sängerkrieg auf der Wartburg – Wikipedia Auch wenn jener Heinrich von Ofterdingen wohl nur eine erfundene Figur des Mittelalters ist -

so wie andere Dichter der Zeit vielleicht auch, siehe oben - war er mittelalterlichen Zeitgenossen

als Protagonist dieses „Sängerkrieges“ doch wohlbekannt.

 

Und was hat Heinrich von Ofterdingen mit dem „Gral“ zu tun?

 

Im „Sängerkrieg“ auf der Wartburg, tritt auch Klingsor auf, ein hasserfüllter Zauberer, der auch im

„Parzival“ des Wolfram von Eschenbach vorkommt48, der ja eine der bekanntesten Gralsgeschichten

ist. Zumal ja Konrad der Stöffler von Eschenbach auch als einen seiner Lehrer angibt, wenn er nicht

gar ein Pseudonym eines „Öschinger Stöfflers“ sein könnte, siehe oben.

 

Der Nibelungenschatz...

 

Ganz so fiktiv war Heinrich von Ofterdingen aber wohl doch nicht, denn gemäss den sehr

schlüssigen Ausführungen des österreichischen Autoren Georg Dattenböck war „Heinrich von

Ofterdingen“ das Pseudonym eines Heinrich von Hag (1183-1272), in welchem Dattenböck den

Verfasser des berühmten NIBELUNGENLIEDES vermutet: gemäss seinen Untersuchungen meinte der

legendäre

 

+ „Nibelungenschatz“ nichts anderes als das Lösegeld der Engländer

 

an Kaiser Heinrich VI. und Herzog Leopold V. von Österreich, um ihren König Richard Löwenherz

(1157-1199), der von 1192-1194 in mehreren Burgen des Reiches gefangen gesetzt wurde, freizukaufen.

 

+ Und der „ZUG DER NIBELUNGEN“ beschriebe den Weg dieses von vielen Wachen

 

und Reitern schwer bewachten Lösegeld-Trosses

 

von der holländischen Küste an die Donau...49

 

Die Gefangensetzung Richards auf seinem Rückweg aus dem Heiligen Land war eine Racheaktion

Leopolds, weil Richard ihn zuvor bei der Belagerung Akkons 1189-91 wohl schwer gedemütigt hatte 50.

Nach Georg Dattenböck wäre also...

 

Nibelungenschatz = Lösegeld für Richard Löwenherz...

 

48 a.a.O; oder Klingsor – Wikipedia

49 Georg Dattenböck: „Heinrich von Hag/Ofterdingen: Verfasser des Nibelungenliedes“; Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2011; ders.: „Fahndung nach dem Verfasser des Nibelungenliedes“; Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2018; insbesondere von demselben.:

Das geforderte und von Richard auch bezahlte Lösegeld betrug schlussendlich 150.000 Reichsmark

 

in Silber, das sind geschätzt ca. 23,4 Tonnen Silber, also erhebliche Mengen Edelmetall, w elche

sogar den dreifachen Jahreseinnahmen der englischen Krone entsprachen, wobei ein Teil des

Lösegeldes in der Übergabe von über 60 Geiseln bestand51! Man kann sich vorstellen, dass dieser

schwer bewachte Lösegeld-Tross der Engländer auf dem Weg bis an die Donau auf die Zeitgenossen

wohl mächtig Eindruck machte!

 

Bild oben: „Heerzug“, zeitgenössische Zeichnung aus dem mittelalterlichen „Hausbuch des Schlosses Wolfegg“, um 1480; gemeinfrei.

So oder ähnlich kann man sich wohl einen bewaffneten Tross zu mittelalterlichen Zeiten vorstellen.

 

Wenn wir den Ausführungen Dattenböcks Glauben schenken wollen,

 

dann hätten wir über „Heinrich von Ofterdingen“ also auch

 

das legendäre Nibelungenlied im Steinlachtal markiert!

FUNDSTÜCK 4: ALTE REICHS- UND HEERSTRASSEN -

FÜHRTE DER „ZUG DER NIBELUNGEN“ DURCHS STEINLACHTAL?

 

„Der Zähringer Ahnherr „Hacho“, von welchem auch das – Ofterdingen nahe - Hachingâ(Hechingen(!)

seinen Namen haben soll, war nach der Hachbegischen Haussage von ca. 1500 aus dem Geschlechte

Dietrichs v. Bern (…)“52 Und der sagenhafte Dietrich von Bern ist eine zentrale Figur in der

Nibelungensage wie auch der „Thidrekssaga“, wo dessen ganzes Leben dargestellt wird53!

Der Wikipedia-Eintrag zu Hechingen hält fest: „Es wird angenommen, dass sich im 6. oder 7.

Jahrhundert ein Hacho mit seinen Söhnen dort niederließ...“ 54

 

Hechingen wiederum lag damals wie Ofterdingen und auch Öschingen(!) an einer alten Heerstrasse!

Auf alten Karten der Gemarkung Mössingen und Öschingen heisst die Lange Strasse in Mössingen,

die zunächst nach Öschingen, und dann zur Alb hinauf führt, wiederum „Heerweg“.

Wikipedia: „Hechingen lag bereits im Mittelalter an einer Reichsstraße, die vom mittleren

Neckarraum nach Süden über Rottweil zum Hochrhein und zu den Alpenpässen führte.“55

 

Reichsstrassen galten damals als besonders sicher, weil sie unter „Königsbann „standen, also unter

einer königlichen Schutz- und Sicherheitsgarantie für Reisende, mit verschiedenen Formen von

Geleit. Sie hiessen seit Heinrich I. (10. Jh.) auch „strata imperialis“56.

 

Bild oben: Verlauf der Via Imperii und der Via Regia im Mittelalter; wikipedia free commons, von Maximilian Dörrbecker 2013

 

52 Georg Dattenböck (wie in Fn. 49): „König Richard Löwenherz und das Nibelungenlied“ (2019), S. 258

53 Dietrich von Bern – Wikipedia

54 Hechingen – Wikipedia

Reichsstrassen und Heerstrassen... Orte wie Hechingen, Ofterdingen oder auch Öschingen waren im

 

Mittelalter von daher gar nicht so unbedeutend oder unbekannt!

 

Wenn wir dieses Umfeld in Dattenböcks Deutung des Nibelungenliedes einbetten, tut sich eine

interessante Betrachtung auf: Könnte der Weg dieses Lösegeldes für Richard Löwenherz (zum

„Nibelungenschatz“ verklärt) über Ofterdingen, Mössingen und den – damals bedeutenden, weil

relativ einfachen, und daher teils gut bewachten - Albaufstieg zu Öschingen auf die Alb geführt

haben – und später dann, wie uns die „Nibelungensage“ ja weiter erzählt, beim bayrischen Passau

über die Donau?

 

Bild oben: Blick auf den Albtrauf vom Rossberg bei Öschingen, hier führte die alte „Heerstrasse“ auf die Schwäbische Alb;,

Mössingen und Ofterdingen rechts des Fotoausschnitts; aus wikipedia free commons, von „Ustill“ 2017

 

Könnte es zudem sein, dass „Heinrich von Ofterdingen“ (also Heinrich von Hag) - ob im Steinlachtal

oder andernorts - diesem Zug als Augenzeuge beigewohnt hat, und ihn daher auch sehr anschaulich

beschreiben konnte? Zu fraglicher Zeit (1194) war dieser in jungen Jahren, also 11-jährig, er könnte

diesen Zug also durchaus beobachtet haben. Auch „Hartmann von der Aue“ wie auch „Wolfram von

Eschenbach“ könnten diesen Zug beobachtet haben, beide waren 1194 in der Blüte ihrer Jahre.

FUNDSTÜCK 5: WAR MÖGLICHERWEISE EIN FRÜHERER KONRAD VON

 

STÖFFELN, NÄMLICH EINER UM 1200 STATT UM 1300,

 

VERFASSER DES „GAURIEL VON MUNTABEL?

 

Jener Konrad von Stöffeln, der den „Gauriel von Muntabel“ verfasst haben soll (siehe weiter vorne),

wird jedoch nicht um 1200, sondern erst ca. 1 Jahrhundert später, also um 1300 erwähnt.

 

Jedoch gab es auch vorher Stöffler dieses Namens :-)

 

Zum Beispiel einen, der eine Urkunde bezeugt, die Rudolf, Pfalzgraf zu Tübingen, am 30. Juli 1191

ausgestellt hat, siehe Screenshot unten. Es ist ja nicht abschliessend geklärt, welcher „Konrad“ den

Gauriel nun verfasst hat. Wenn nun ein früherer Konrad von Stöffeln bereits 1191 urkundete, könnte

das von der Zeit her genau passen, und dieser ebenso wie „von Eschenbach“ oder „von der Aue“

diesen Zug beobachtet haben. Oder alle drei waren eben ein- und derselbe :-) siehe in vorliegendem

Artikel unter „Fundstück 2“ ,S. 5 ff.

 

Bild oben: Urkundennennung des Konrad von Stöffeln 1191 , garniert sogar mit einem Hugo von Gomeringen :-)

Screenshot aus der Website des Landesarchivs Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart:,

Permalink: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart - Findbuch A 474: Bebenhausen -

Strukturansicht

 

Dieser Konrad von Stöffeln lebte um genau diese Zeit des „Nibelungenzuges“ (alias Lösegeld für

Richard Löwenherz) im Jahre 1194, und könnte diesen ebenfalls beobachtet bzw. von diesem gehört

haben. Somit könnten die Indizien auf Heinrich von Hag/Ofterdingen, auf das „Nibelungenlied“ und

dessen Schatz, also das Lösegeld für König Richard Löwenherz - und über Bande auch auf Wolfram

von Eschenbach und Hartmann von der Aue – einen weiteren Hinweis auf jenen Konrad von Stöffeln

liefern, der den „Gauriel“ tatsächlich verfasst hat, ergeben: auf einen Konrad von Stöffeln, der 1194,

also zu Zeiten des Lösegeld-Zuges der „Nibelungen“ tatsächlich gelebt hat!

 

+ Und weil der Autor des „Gauriel“ gerade Wolfram von Eschenbach UND Hartmann von der

Aue zu Lehrern gehabt haben will (siehe S. 5) ... voilà: diese lebten um 1200.

Johann Valentin Andreä – Vordenker der Rosenkreuzer in Tübingen

 

---

 

Johann Valentin Andreä (1586-1654) war Pastor, Theologe, Schriftsteller, Mathematiker und hatte

grossen Einfluss auf den Protestantismus Württembergs. Er gehört eigentlich nicht in diese Reihe,

weder ins Steinlachtal, noch hat er etwas mit dem „Gral“ oder den Templern etwas zu tun, und lebte

auch viel später. Doch ist seine Erwähnung am Schluss der Reihe eine kleine Endnote wert.

Zum einen, weil er im nahen Tübingen lehrte und wirkte, und es andererseits über ihn auch

Querverbindungen zu unseren „letzten Rätseln“ gibt.

 

Bild oben: Johann Valentin Andreä im Alter von 42 Jahren – Kupferstich von Johann Pfann, gemeinfrei

 

Andreä hatte auf das Geistesleben seiner Zeit grossen Einfluss (z.B. führte er in Württemberg als

erstem Land in Europa(!) die allgemeine Schulpflicht ein57: falls irgendjemand sich mal irgendwann

gefragt hat, woher wir Schwaben bis heute unseren überragenden Intellekt beziehen: daher ).

Nicht zuletzt lebte, studierte und wirkte Johann Valentin Andreä in Tübingen! Wenngleich er auch

viele Reisen unternahm, und zeitweise in Calw und Vaihingen lehrte und angestellt war58. Gebürtig

war Andreä aus Herrenberg.

 

Und obschon er gesellschaftskritische Ideen und Schriften veröffentlichte, die viel beachtet wurden,

wie die „Fama Fraternitatis“ und „Confessio Fraternitatis“ (1615), allen voran aber die „Chymische

Hochzeit des Christian Rosencreutz. Anno 1459“ (1619)59 , die andere dann als Anlass zur Gründung

des Geheimbundes der „Rosenkreuzer“ nahmen, war er doch christlich inspiriert: er wollte die

protestantische Kirche wieder auf die Beine stellen, mit Jugendunterweisungen und Kirchenzucht

Dinge wie Sittenlosigkeit, Fluchen, Trunkenheit und die Entheiligung des Sonntags bekämpfen.

Zudem entwarf er mit seiner Schrift „Christianopolis“ von 1619 einen Idealentwurf einer

protestantischen und gottesfürchtigen Gesellschaft60, die viel beachtet wurde.

 

57 Johann Valentin Andreae – Wikipedia

58 Ebenda

Seine „Fama-Texte“ und die „Chmyische Hochzeit“, welche die fiktive Figur des „Christian

 

Rosenkreuz“ und seine Erlebnisse enthielt, inspirierte noch zu Andreäs Lebzeiten einige, daraus

einen Geheimbund zu basteln, welcher fortan die „Rosenkreuzer“ hiess. Welche sich bis heute

gehalten haben. Spätere Esoteriker und Sinnsucher wie Rudolf Steiner61, Gründer der gnostisch

orientierten „Anthroposophie“62, gingen sogar so weit, diesen Christian Rosencreutz als lebend und

immer wieder inkarnierend zu beschreiben etc.etc.

 

Vielleicht war diese Schrift auch darum so faszinierend, weil Andreä sie in Teilen verschlüsselt

abgefasst hatte. Und wenngleich diese Codes bald geknackt wurden, wirken solche ja immer

irgendwie anziehend... siehe unten:

 

Bilder oben: verschlüsselte Texte aus der „Chymischen Hochzeit“ von Andreä

 

Seinen Anteil an der Entstehung der Rosenkreuzer wertete Andreä später aber als „Jugendsünde“63.

Der evangelische Pastor und Theologe Andreä distanzierte sich klar von den „Rosenkreuzern“, auch

weil seine Ideen und Utopien sehr christlich ambitioniert waren 64! Er wollte ja den Protestantismus

seiner Zeit zu seinem eigentlichen Ursprung zurückführen. Und wie so viele andere auch eine

erneuerte „reine Lehre“ etablieren. Und nannte seine „Chymische Hochzeit“ später eine „Spielerei,

einen Spott“65 (wohl auf herumirrende Sinnsucher, die immer scheitern müssen, wenn sie ohne Gott

und die Schrift gehen).

 

61 Rudolf Steiner – Wikipedia

62 Anthroposophie – Wikipedia

63 Siehe Fn. 57

64 Dr. Stefania Salvadori: „Ein neuer Fund um die Chymische Hochzeit aus derspäteren Korrespondenz Johann Valentin Andreaes“ -

Doch haben diese „Rosenkreuzer“ bald hohe Wellen geschlagen: Die Freimaurer selbst führen an,

 

zwischen den Rosenkreuzern und frühen Freimaurern gäbe es viele frühe Parallelen, sie hätten sich

praktisch gegenseitig durchdrungen66. Andere Freimaurer halten es für möglich, dass die

Freimaurerei an sich von den Rosenkreuzern beeinflusst sei67. Und da manche Maurer selbst

angeben, in Tradition und Nachfolge der Templer zu stehen 68... voilà :-)

 

Und so erscheint auch Andreä über Bande im Gefolge der Templer, wie auch des „Grals“, und weil er

im nahen Tübingen wirkte, ist das für unsere „Steinlachtäler Geheimnisse“ relevant! Aufgrund seiner

gesellschaftskritischen und unkonventionellen Ideen und Schriften kann man Andreä auch als

„Freidenker“ einordnen, wie ja auch die Templer (später) als solche galten. Siehe Titus als „Patron

der Freidenker“, den wir beim „Titusenköpfle“ oberhalb des Steinlachtals im letzten Artikel

„Biblische Geografie an der Steinlach?“ behandelt haben.

 

Abschliessend...

 

ein paar Gedankenschnipsel zum Schluss: ein berühmter Gralsautor in Öschingen/Belsen, der evtl.

unter verschiedenen Pseudonymen schrieb (W.v.Eschenbach, Hartmann v.d. Aue, Gauriel von

Muntabel) bzw. mehrere Werke verfasste?

 

Zudem hier, wie auch in Belsen, wohl Templer am Werk waren, siehe alte Sagen und Verweise in Teil

1 und 2 der Reihe. Man darf nicht vergessen, dass Templer im deutschen Sprachraum recht dünn

vertreten waren, hier eher Johanniter bzw. später Deutschritter zugange waren. Was heisst, dass

Templer gerade in Öschingen und Belsen eine deutliche Marke sind bzw. nicht alltäglich. Der Autor

Urs Bigler behauptet ja auch, dass die Schweiz eine Templergründung sei...

 

Und gemäss Wolfram von Eschenbach waren die Templer ja die „Hüter des Grals“69! Die Templer

galten auch als glühende Marienverehrer. Und wer Maria verehrt, betet Rosenkränze. Wie heisst

gleich nochmal der Geheimbund, den Andreä im 17. Jh. unfreiwillig mitbegründete?

Die Rosenkreuzer!

 

Jetzt haben wir in 3 Artikeln einen weiten Bogen gespannt, die mittelalterlichen Kreuzritter der

Region begleitet auf einem wilden Ritt zu vielerlei Hinterlassenschaften: dabei haben wir zunächst

in der Belsener Kapelle den Tempel Salomos entdeckt, ergänzend zu diesem dann eine erweiterte

„biblische Geografie“ mit einem „Tal der Tempelkönige“, und weiteren antiken Herrschern; auch

Propheten und ganze biblische Geschichten, die vor allem in Flurnamen nachzulesen sind; und hier

zuletzt noch neue Hinweise auf eine Verankerung des „Grals“ bzw. Geschichten darüber im

Steinlachtal:

 

66 Rosenkreuzer – Freimaurer-Wiki

67 ebenda

68 Es gäbe zwar Hinweise, die dafür sprechen, die Freimaurer als direkte Nachfolger der Templer zu sehen, (neben Bill Coopers «Mystery Babylon in Anm. 38), z.B, hier: Freimaurer packt aus - YouTube oder auch hier: Tempelritter und Freimaurer Buch versandkostenfrei bei Weltbild.ch; aber wirklich belastbar sind diese Hinweise nicht. Die Freimaurer selbst geben an, dass templerische Ursprünge ihres Ordens zwar nicht bewiesen seien, zitieren aber zugleich einen Autoren, der dafür plausible Belege

Dass gerade (Wolfram von) ESCHENBACH, Hartmann VON DER AUE,

 

Konrad der Stöffler sowieso, und nicht zuletzt auch dessen

 

Gauriel von „MUNTABEL“ = SCHÖNBERG sich in Öschingen namentlich

 

die Klinke in die Hand geben,

 

ist schon ein ordentlicher Wink mit dem Zaunpfahl,

 

zumal die zwei ersteren auch noch „Lehrer“ des Stöfflers gewesen sein sollen...

 

Womit die Reihe nun (vorerst) abgeschlossen ist, vorbehaltlich natürlich weiterer Fundstücke und

Entdeckungen, die den bisherigen Bestand ergänzen oder erweitern würden :-) Auch wenn vieles

daran durchaus spekulativ ist; es bleiben noch immer genug Hinweise übrig, die zu auffällig sind, um

nur „Zufall“ zu sein, und die kaum wegdiskutiert werden können! Genug Stoff und Ansatzpunkte also,

um daran weiterzuforschen, Punkte zu verbinden und so den Ritt weiterzuführen...

 

Auch, wenn die Frage im Titel „Was soll der Gral im Steinlachtal?“ schlussendlich unbeantwortet

bleiben muss - so sind wir doch ein ganzes Stück weitergekommen, denn zweifellos hat dieser hier

Spuren hinterlassen, die wir nun zwar erkennen, aber vorderhand nicht deuten können70

 

Bild oben: Ansicht von Öschingen, aus dem „Kieserschen Forstlagerbuch“ von 1683

 

Artikel von Michael Gauger im Februar 2025, alle Rechte vorbehalten

So wie die meisten anderen Artikel wird voraussichtlich auch der vorliegende – zusammen mit Teil 1 und 2 der Reihe – noch von einem Video begleitet werden, zu finden auf youtube, bitchute

oder brighteon, unter „d-outremer“. So Gott will...

schreibgauger@gmx.net

zeitreisen-seeland.ch

nurfuerreiche.jimdo.com

Anm. für die Sprachpolizei: Schweizer Tastaturen haben kein 3-erles-S

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