Der Tote im Sand by art.TM - HTML preview

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Kapitel 2

Und wieder ist ein Mord geschehen. Es ist nichts Außergewöhnliches für die kriminalistische Welt. Das gibt es täglich aufs Neue – obwohl wir doch eigentlich ein friedlicher Planet sein müssten.

Irgendwo da draußen erwartet uns das Schicksal. Kein Opfer kann dem entfliehen. Das Schachspiel des Bösen wacht über uns. Werde ich der Nächste sein? Wird mich die Polizei davor bewahren? Kann sie meine Sicherheit garantieren? Oder bin ich für immer und ewig verloren? Eine schützende Hand über mir – ja, das wäre die Rettung. Eigentlich will ich doch nur ein schönes Leben genießen. Bedeutet Freiheit gleichzeitig Unsicherheit? Kennen Sie Ihren Nachbarn ...? Wissen Sie, ob er nicht schon morgen Ihren Tod plant? Jede Wette ... Niemand weiß es. Tja, Herr Kommissar ... Sie wüssten wohl gerne, wer heute an der Reihe ist. Die Welt des Verbrechens wird nicht immer auf frischer Tat ertappt. Eine rationale Idee wäre, wenn wir für unsere Sicherheit anstatt Steuergelder Schutzgeld an die Mafia zahlen würden. Wir sparen uns den Überwachungsstaat und leben bis ans Ende aller Zeit frei von Angst. Diese Träume kann man erfüllen. Oder wollen Sie warten, bis der Staat auf eine gute Idee kommt?

Sie vertrauen doch nicht etwa der politischen Klasse, also dem Clan der Pseudo-Freiheitsliebenden, den liberalen Geistern oder den salomonischen Weisen des Landes?

Lasst es uns in die Hand nehmen und alles selbst organisieren. Lieber entlohne ich die Mafia für ihre kriminelle Aufräumarbeit, anstatt dass wir weiter in Gefahr leben. Wir entbinden die Polizei und die Armee von ihren Aufgaben. Für die Sicherheit garantieren ab sofort die kriminellen Organisationen. Im Gegenzug dazu werden sie nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Eine Welt von Ying und Yang. Teilen wir die Aufgaben in diese beiden Kategorien.

Wir können den netten Menschen von der Polizei nicht zumuten, dass sie ihre Seele und ihren Verstand mit dem Verbrechen konfrontieren.

Von diesem Tag an haben wir in den Krimis eine andere Konstellation des Guten und Bösen. Der Stoff, aus dem sie gemacht sind, handelt dann von einer Mafia, die im Auftrag der Gesellschaft die Bösen verfolgt und zur Strecke bringt. Ist das nicht eine spannende Alternative?

Oder gibt es künftig keine Kriminaldelikte mehr … weil die Mafia die Sicherheit garantiert? Wer schreibt denn dann noch Krimis – wenn es keine 7

Verbrechen mehr gibt? Den unübertrefflichen Nervenkitzel für alle Krimi-Begeisterten. Den Rausch der Gefühlswelt. Spüren Sie das Kribbeln?

Werden wir Teil der spannenden Ereignisse in einem Urlaub auf einer jener malerischen Mittelmeerinseln. Wer denkt schon Böses beim Anblick dieser zauberhaften Natur.

Aus diesem Grunde verbringt auch der beste Schnüffler von Scotland Yard

– Steve Campbell – in dieser Idylle seine spärlichen freien Tage. Für einen kurzen Abstecher aus den dunklen Abgründen menschlichen Lebens verweilt er in diesem Paradies. Sonne, Strand und mediterrane Küche stehen ab sofort im Mittelpunkt. Nach seiner anstrengenden Reise von London nach Barcelona und letztendlich mit der Fähre nach Formentera, der traumhaften, spanischen Baleareninsel, sehnt er sich nach einer ruhigen Minute. Im Augenblick sitzt er erschöpft auf dem Bett und schaut hinaus, durch das Fenster auf dieses schöne Panorama von Meer und Sonne. Gebannt blickt er auf die Szene am Strand, wo eine Gruppe von Menschen Beachvolleyball spielt. Deren Silhouetten fliegen wie Schmetterlinge über den Sand. Ihre Stimmen hallen in die Ferne. Der Ball zischt wie eine Kugel durch die Luft. Eine begeisterte Fangemeinde feuert die Spieler an.

Und Steve fällt in einen Traum ...

Der Wind säuselt leise über den Strand

Eine einsame Blume blüht im Sand

Ich wiege mich im Wind

Denn ich bin ein irdisch Kind

Ein Klopfen an der Tür erweckt ihn aus seinem Traum. Er hört die banale Frage: "Darf ich Ihnen eine spannende Lektüre auf Ihr Zimmer bringen?"

Sie kommt von dem freundlichen Zimmerservice. Steve dachte an alles, nur nicht an eine literarische Unterhaltung.

"Wie spannend ist sie denn?", erwidert der Inspektor lakonisch.

"Es ist ein amerikanischer Thriller ...", tönt es vor der Tür.

"Das trifft sich gut, ich suchte schon nach einer passenden Nachtgeschichte für mich", meinte Campbell.

8

Steve stand auf, öffnete die Tür und der Zimmerservice reichte ihm das Buch. Mit Dank nahm er es entgegen und spendete ein Trinkgeld. Mit neugierigem Blick liest er den vielversprechenden Buchtitel:

"Wer tötete Marilyn Monroe?".

Steve hatte für diesen Abend die passende Lektüre gefunden.

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