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Girokonto Almanach

Im Jahr 1875 wurde dann die Deutsche Reichspost gegründet, womit sich der Giroverkehr
endgültig in ganz Deutschland anbahnte und sich auch als Zahlungsart für den „kleinen
Mann“ mehr und mehr etablierte. Im Jahr 1876 schlägt die Deutsche Reichspost erstmals die
Einführung von Postüberweisungen vor sowie den Scheckverkehr. Zunächst stößt diese Idee
auf wenig Gegenliebe, befürchtet man doch in der Politik und in den entsprechenden Finanz-
und Branchenkreisen, dass die Post den damals schon etablierten Sparkassen und anderen
Kreditinstituten massive Konkurrenz machen könnte.
Erst im Mai 1908 wird der Postscheckverkehr in dieser Form vom Reichstag freigegeben, so
dass zum 01. Januar 1909 13 Postscheckämter im ganzen Deutschen Reich ihren Betrieb
aufnehmen können. Damit war der bargeldlosen Auszahlung von Löhnen und Gehältern der
Weg gebahnt, und auch Mieten und ähnliche laufende Kosten wurden mehr und mehr in
bargeldloser Form beglichen.
Doch erst in den 1960er Jahren begannen die ersten großen Unternehmen, von ihren
Arbeitern, Angestellten und Beamten die Einrichtung eines Bankkontos zu fordern, damit das
Einkommen zukünftig bargeldlos ausgezahlt werden konnte. Der Siegeszug des Girokontos
gipfelte schließlich im Jahr 1995, als der Zentrale Kreditausschuss eine Empfehlung
aussprach, nach der jedem Bürger auf seinen Wunsch in ein Girokonto auf Guthabenbasis
gewährt werden sollte. Das sogenannte Jedermann-Konto war geboren und ermöglicht die
Eröffnung eines Bankkontos und die Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr auch für
Bürger mit eher schwacher Bonität, die bei einer Bank keinen Kredit erhalten.
Mit der Etablierung des Internets nahm die Entwicklung des Girokontos einen weiteren
Aufschwung. Heute wird es zunehmend als Online Girokonto mit Internetzugriff geführt und
ermöglicht die Kontoführung mit der Durchführung aller Überweisungen, Lastschriften und
Daueraufträgen ohne die Unterstützung der jeweiligen Bank. In Folge dieses Trends ist auch
ein kostenloses Girokonto ohne Gebühren immer häufiger gefragt.
5 Auf welchen Rechtsgrundlagen basiert ein Girokonto?
Juristisch betrachtet basiert ein Girokonto auf einem Kontokorrentkonto, das der Buchung von
Forderungen und Verbindlichkeiten dient. Das Kontokorrentkonto ist im § 355 des
Handelsgesetzbuchs (HGB) geregelt. Es ist ein Konto für den laufenden Zahlungsverkehr, bei
dem täglich ein Saldo ermittelt wird, der einer der beiden beteiligten Parteien zusteht. Der
Saldo ist die Basis für den Rechnungsabschluss, der üblicherweise zum Quartalsende
ermittelt wird. Gleichzeitig ist er die Grundlage für die Berechnung der Zinsen, die als
Habenzinsen dem Kontoinhaber zustehen, als Sollzinsen von dem Kontoinhaber zu zahlen
sind. Neben den Zinsen enthält der Rechnungsabschluss auch die laufenden Kontogebühren.
Handelt es sich um ein kostenloses Girokonto, wird auf diese Gebühren ganz oder teilweise
verzichtet.
 
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